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Der Israelit · 1899-02-23 · Heft 16 (23.2.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 16 (23.2.1899)
Date
1899-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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291 unsinnigen, längst ad absurdum geführten Behauptung verstiegen, die Juden seien für den Militärdienst ohne Weiteres unbrauchbar. Redner schließt ungefähr wie folgt: Ohne Mischehen, ohne Taufen, ohne Aufgabe seiner geheiligten Ueberlieferungen wird das Judenthum auch fernerhin seine Stellung unter den Culturvölkern behaupten. Wie es den bestialischen Mordbanden und rohen Henkersknechten des Mittelalters zum Trotz noch heute seine ehrwürdige Fahne hochhält, so wird auch das Gekläffe und Gegeifer seiner Neider und Hasser von heute seinen Bestand nicht schmälern. Die Stunde für die vielberufene Amalgamirung werde dann gekommen sein, wenn das Licht der Wahrheit sich überall Eingang verschafft, wenn der Strahl der reinen Erkenntniß überall hingedrungen, wenn. zur Thatsache geworden das Wort des Propheten; ".w am ova in« w. n „An jenem Tage wird der Herr einzig sein und sein Name Einziger." Baden, 17. Febr. Wie berichtet wird, hat sich der Großherzog von Baden während seiner Anwesenheit hier auch lebhaft für das Fortschreiten des Synagogenbaues, den er wiederholt besichtigte, interessirt. Vor der Abreise wurde der Synagogenrath zur Audienz befohlen, um die Abschrift der Urkunde, welche anläßlich der Grundsteinlegung eingemauert wurde, zu überreichen. Der Großherzog sprach seine volle Anerkennung für den schönen Bau aus und betonte seine Befriedigung über das Erstehen einer Synagoge in Baden, wodurch auch den Fremdeninteresten gedient sei. Auch gab der Großherzog sein Interesse für die israelitische Gemeinde der Stadt Baden funb, wodurch die hiesigen Israeliten sich hochgeehrt fühlen. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Budapest. (Organisation der orthodoxen Judenschaft.) Am 7. u. 8. d. tagte hier eine Konferenz, an welcher die orthodoxen Rabbinen, bezw. Oberrabbinen von Pest, Großwardein, Hußt, Statmar, Kiraly-Helmez, Kaschau, Ragy-Karoly, Deutsch-Kreuz, Nagy-Szölles, Sarospatak, Papa, Raab, Nyir-Mada und Waitzen, sowie drei weltliche Mitglieder theilnahmen. Wie die „Allg. Jüd. Ztg." meldet, befaßte sich die Versammlung mit der Frage der Organisation der jüdischen Orthodoxen, die nunmehr ernstlich in Angriff genommen werden soll. Die Konferenz beschloß, die Stelle eines Vizepräsidenten der orth.-jüd. Zentralkanzlei zu kreiren, welch' letztere bekanntlich das vermittelnde Forum zwischen der orthodoxen Judenschaft und der Regierung bildet. Zugleich wurde ein aus sechs Oberrabbinen und fünf Laien bestehendes Kandidationskomitee gewählt. Aus Mähren, 17. Febr. Die Zwittauer Cultusgemeinde, die bisher ihre Andacht in einem gemietheten Locale verrichtete, hat nun um die Summe von 2000 fl. einen Platz angekauft, um daselbst einen Tempel zu erbauen. Wenn wir auch weit entfernt sind, behaupten zu wollen, daß die Mitglieder der erwähnten Cultusgemeinde der conservativen Richtung angchören, so können wir es doch nicht Unterlasten, zu constatiren, daß die Einrichtungen in dem früherem Bethause conservativer Natur waren. Der pite stand in der Mitte, die Gebete waren nur wenig gekürzt, Orgel, Damenchor und deutsche Lieder, diese drei hervorragendsten^?) Errungenschaften der Reformjuden waren verpönt. Mögen die Mitglieder der Zwittauer Cultusgemeinde auch fernerhin bei diesen alten Einrichtungen bleiben und mögen alle jene, welche noch Herz und Sinn für das Judenthum haben, ihren ganzen Einfluß aufbieten, daß der Gottesdienst in seiner alten Einfachheit erhalten bleibt, und daß sie den Eingang jeder das Judenthum zersetzenden Neuerung mit dem Aufgebote ihrer ganzen Kraft verhüten. Die in Nikolsburg erledigte Cantor- und Religionslehrerstelle ist noch immer nicht besetzt, da von den zum Probevortrage hierher Berufenen kein einziger die erforderliche Majorität erhielt. Der Cultusausschuß beschloß daher abermals den Concurs auszuschreiben. Wie sehr die Reformer, welche behaupten, daß nur ein sogenannter geregelter Gottesdienst (man weiß schon wie sich denselben die Freigeister ausmalen), zur Hebung der Frequenz des Tempels beitragen, im Unrechte sind, beweist der spärliche Besuch in den Tempeln jener Gemeinden, in welchen schon vor langer Zeit diese Reformen eingeführt wurden. Wir sagen absichtlich „vor langer Zeit", weil wohl in Tempeln mit neuer Reform eine Hebung des Besuches in der ersten Zeit zu bemerken ist, aber die Besucher gehen nicht aus religiösem Drange hin, sondern um ihre 'Neugierde zu befriedigen. Ist einmal die Lust zum Neuen, der Hang an dem Veränderten gestillt, dann stehen die Räume des Tempels verödeter als früher da und die Begierde, geflügelten Schrittes in das Gotteshaus zu eilen, um dort das Herz vor Gott ausznschütten, erlahmt rascher, als der Betreffende es geahnt; wie man dies deutlich u. a. an der mährischen Cultusgemeinde Lundenburg wabrnehmen kann; daselbst sind die kühnsten Träume der reformsüchtigen Bewohner von Lundenburg in Erfüllung gegangen. Orgel, Damen-Chor, deutsches Lied, abgekürzte Gebete wurden eingeführt, sie alle wurden als die untrüglichsten Mittel gepriesen, um dem gesunkenen Judenthum wieder frisches Leben einzuhauchen, als die beste Medicin ausgerufen, um das in dieser Gemeinde so schwer kranke, religiöse Gemüth zu heilen. Aber wie haben diese Mittel gewirkt! Die Bewohner Hallen sich wacker vom Gottesdienste fern und nur dem Rabbiner Dr. Groß, dem Kantor, dem rep und ein paar bezahlten Leuten wird der Genuß dieses geregelten Gottesdienstes zu Theil. Der Besucher

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