Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1899)
- Date
- 1899-02-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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293 wurden, gleichfalls um unserer Frauen willen erlöst »verden sollten, so würden wir lange warten müssen. Doch dieser Verein sucht wieder jüdisches Leben unter vielen Frauen zu wecken, so daß sie an der Herbeiführung der messianischen Zeit mitarbeiiet und man später sa/.eu wEd. daß „JudaS Töchter" viel zur Erlösung der Juden beigetragen haben. Ein Verein, der solche sittlich relrgiöse Tendenzen verfolgt, verdient von allen w ahrhaft unterstützt und gefördert zu werden. _ J. JSe-li. Vermischtes Berlin Der Kassenbericht des Talmud Vereinrmn D"ttf vom Jahre 1898 weist eine Einnahme von 8891 Mt. auf, dem 4975 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. Feuilleton. Späte Sühne. Von Robert Hänleirr. 16) Nachdruck verboten. Als die Stunde des Abschiedes kam, wollte die Rabbinerin ihren Gatten wenigstens bis Darmstadt, der nächsten Station, an welcher die Pferde gewechselt wurden, begleiten. Rabbi Jesaja gab es nicht zu. „Warum sollen wir den Schmerz der Trennung unnöthiger Weise ausdehuru? Fasse die Sache nicht so ernst auf. Die große Mizwa, der meine Reise gilt, wird Euch beistehen. Ihr seid durch Gottes Hülfe reichlich mit Geldmittel versorgt und ich bin es ebenfalls, im Schutze Gottes stehen wir, warum sollen wir uns unnöthiger Weise grämen? Wie viele Männer reisen Wochen und Monate lang, getrennt von Weib und Kind, umher, um Brod zu suchen. Wer findet etwas Schreckliches darin? Würde man nicht im Gegentheil denjenigen als schlechten Familienvater verurtheilen, der, um ein gemächliches Familienleben führen zu können, den Erwerb von Brod vernachlässigte? Und um unsere Heimath zu suchen, wäre das nicht statthaft, was bei der Suche nach Brod recht und billig, ja Pflicht und Schuldigkeit ist? Gott segne Euch und behüte Euch, Gott laffe Euch sein Antlitz leuchten und sei Euch gnädig, Gott wende Euch sein Antlitz zu und gebe Euch Frieden! Amen! So möge es sein Wille sein!" Mit diesen Worten stieg Rabbi Jesaja in die Reisekutsche, in welche ihm drei Freunde folgten, um ihm bis Darmstadt das Geleite zu geben. Der Rabbiner Rabbi Samuel Hildesheim, mit den Notablen Rabbi Simon Günzburg und Rabbi Juda Selklin Stiebel. In Darmstadt hatte die Gemeinde alles aufgeboten, um dem seltenen ehrwürdigen Gaste einen ehrenvollen Empfang zu bereiten. Rabbi Jesaja blieb mit seinen Frankfurter Begleitern drei Tage in Darmstadt. Dann verabschiedeten sie sich und Rabbi Jesaja reiste, von einem Ehrengeleite der Darmstädter Gemeinde begleitet, nach Heidelberg weiter. Ueberallhin war die Nachricht von der Reise des gefeierten Mannes seiner Ankunft vorausgeeilt, so daß die ganze, weite Reise einem Triumphzuge glich, bis endlich die Meeresküste erreicht wurde. Drei Monate hatte so die Reise bis dahin gedauert, da sie in jeder größeren Gemeinde mehrere Tage unterbrochen werden mußte, so daß Rabbi Jesaja, der vor Verlangen nach dein heiligen Ziele glühte, das erste zur Abfahrt bereite Schiff bestieg, welches direct nach Jaffa fuhr und eine große Anzahl jüdische und christliche Pilger zählte, welche das gleiche Reiseziel hatten. Zum ersten Male befand sich Rabbi Jesaja unter lauter Menschen, von welchen keiner ihn kannte und dieses Jncognito that seiner der vie'cn Ehren und Huldigungen müden Seele doppelt wohl. Das Schiff hatte zuerst cont!ären Wind, der die Geschwindigkeit der Fahrt hemmte und die Reisenden verdrießlich stimmte. Rabbi Jesaja aber hatte seine alte, ursprüngliche Heiterkeit wiedergefunden, sobald er das Festland verlassen und sich den, Meere anvertraut hatte. Jeder Lufthauch, der dem Schiffe entgegen wehte, war ihm ein Gruß aus dem heiligen Lande, den er deßhalb gierig aufsog. Es folgten denn auch einige stürmische Tage, die das Verbleiben auf dem Verdecke unmöglich machte und zum Aufenthalt in den Kajüten und dem gemeinschaftlichen Speisesaale nöthigtcn. Rabbi Jesaja versuchte in diesen Mußestunden an seinem großen Werke, „Die beiden Bundestafeln" (Schney Lucholh Habris: Schloh) zu arbeiten, aber die Erschütterung des Schiffes gestattete eine derartige Arbeit nicht. Die meisten Passagiere hatten schwer durch die Seekrankheit zu leiden, von der Rabbi Jesaja vollständig verschont blieb. Seine reichen, vielseitigen Kenntnisse machten ihn bald zum allgemeinen Helfer und Rathgeber der Mitreisenden, die alle mit Bewunderung und Verehrung zu dem jüdischen Gelehrten emporblickten. Nach einer verhältnißmäßig kurzen Fahrt von fünfzehn Tagen wurde die Küste des heiligen Landes sichtbar. Von diesem Augenblicke an verließ trotz Sturm und Nebel Rabbi Jesaja das Verdeck nicht mehr, sondern stand mit unverwandt auf das Land gerichtetem Blicke da, als wollte er das Ziel seiner Reise mit den Augen verschlingen. Endlich erreichte das Schiff den Hafen von Jaffa. Rabbi Jesaja war der erste, welcher das Schiff verließ. Er flog die leiterartige Treppe hinab, die an das Schiff zur Landung angelegt wurde. Kaum hatte sein Fuß den Boden berührt, so fiel er in die Kniee und küßte mit heißer Innigkeit die heiligen, theueren Steine,