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Der Israelit · 1899-02-23 · Heft 16 (23.2.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 16 (23.2.1899)
Date
1899-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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289 Das Ganze schließt mit dem Rufe: „Fort mit den Juden! Nieder mit Israel! Der Deutsche ist gutmüthig und geduldig, freundlich und langmüthig lange Zeit; aber wenn sein Zorn eimal erwacht, dann ist er furchtbar und nicht mehr zu bändigen, dann erhebt er die gewaltige Rechte zum Schlage und drischt und drischt und drischt, so lange, bis es nichts mehr zum Verhauen giebt, bis das Judenthum vernichtet und zerschmettert im Staube liegt." Wir haben dieser Dreschflegelsprache nichts weiter hinzuzufügen, als die Erwägung, daß man mit Dresch flegeln wohl die Juden, aber nicht das Judenthum bearbeiten kann, daß somit in diesenWorten eine directe Aufreizung gegen die Juden v orliegt! Um nach all diesem Häßlichen auch mit einem schönen Pückler'schen Ausspruch zu schließen, lasten wir noch die Worte folgen: „Ich weiß nicht, wie andere Christen darüber denken, aber was mich betrifft, so kann ich wohl sagen, daß seit ich zu Verstände gekommen bin, ich nie einem gebildeten Juden begegnete, ohne mich gewissermaßen vor ihm zu schämen, indem ich lebhaft fühlte, daß nicht wir zur Verachtung seiner Glaubensgenossen, wohl aber er zur Verachtung der unsrigen ein Recht hat." Zur Orientirung des erstaunten Lesers sei aber sofort bemerkt, daß dieser Ausspruch nicht vom Grafen, sondern vom Fürsten Pückler-Muskau herrührt. (Tutti Frutti Band I. S. 221.) Dieser fürstliche Hochsinn kann uns auch über diese ungnädige gräfliche Gesinnung trösten, wenn er fort fährt : „Es wird auch dabei nicht bleiben. Die heutige Zeit mit all ihren Mängeln und Geburtsschmerzer tritt dennoch schnell ein gehässiges Vorurtheil in den Staub, und wenn sie auch durch ungeschickte Auffassung nur wieder eine momentane erfolgreiche Reaktion bewirkte, auch oft selbst das kleine Kind mit dem Bade verschütten will, so muß sie, nach dem göttlichen Gesetz, am letzten Ende doch unfehlbar dahin kommen, wohin sie steuert — zum Reiche der Vernunft!" Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Berlin, 20. Febr. Zu der Angelegenheit, betreffend die Ordinariate jüdischer Lehrkräfte an den hiesigen Gemeindeschulen, welche auf der Tagesordnung der Stadtverordneten-Versammlung steht, hat der Stadtverordnete Dr. Preuß mit Unterstützung der Mitglieder der Neuen Fraction der Linken, beantragt, folgenden Beschluß zu fassen: „In Erwägung 1. daß die Berliner Gemeindeschulen — bis auf die ausdrücklich als katholisch bezw. evangelisch anerkannten Ausnahmen — feit dem Jahre 1875 mit Genehmigung der Regierung einen paritätischen Charakter- Haben. 2. daß dieser einmal anerkannte Charakter unserer Schulen durch einseitige Verfügung der Aufsichtsbehörde von Rechtswegen nicht beseitigt werden kann. 3. daß auf die Lehrämter an solchen Schulen — unbeschadet der Bedürfnisse des Religionsunterrichts — das in der Preußischen Verfassung. Iwie im NeichSg setz vom 3. -uli 1869 gewährleistete Prinziv der vollkommenen Gleichberechtigung der Religionen Anwendung findet, fordert die Stadtveroroneten- Versammluug den Magistrat auf, jeder dieses Recht verletzenden Maßregel bezüglich des Wirkungskreises wie der Anstellung der Lehrkräfte seine Mitwirkung zu versagen und eventuell die durch solche, etwa von der Aufsichtsbehörde unmiitelbar getroffenen Maßregeln geschädigten Lehrträfte durch Versetzung in ein anderes Amt oder in fönst geeigneter Weise zu schützen. Der Ausschuß, welchen die Versammlung zur Vorberathung dieser Angelegenheit eingesetzt hat, ist bekanntlich zu folgendem Anträge gekommen: Die Versammlung nimmt davon Kenntniß, daß eine Antwort des Provinzial-Schul Collegiums auf die Remonstration der städtischen Schul-Deputation vom 10. November v. I. gegen die Verfügung des Provinzial- Schul-Collegiums vom 22. April v. I. bisher nicht ertheilt worden ist, die Angelegenheit mithin ihre Erledigung noch nicht gefunden hat, und spricht die Erwägung aus, daß der Magistrat mit ihr das Interesse der durch die Verfügung betroffenen jüdischen Lehrkräfte, sowie die bestehenden Einrichtungen unseres Gemeindeschulwesens wahren wird. Berlin. Der Dichter Maurus Jokai hat jüngst wiederum, wie schon früher g-legentlich Veranlassung genommen, für die Gleichberechtigung der Juden und gegen den Antisemitismus ein kräftig Wörtlein zu sagen. Er hat zu einer vor Kurzem beendigten Arbeit des Rabbiners Dr. Bernstein—Steinamanger, worin sämmtliche Daten über die Theilnahme der Juden in dem Freiheitskampfe in Ungarn im Jahre 1648—49 zusammengeftellt werden, das Vorwort geschrieben und sich darin folgendermaßen geäußert: „Es wäre eine traurige Erscheinung, wenn wir in Ungarn jetzt noch darüber st> eiten müßten, daß die menschlichen und bürgerlichen Rechte zum Gemeingut aller Bewohner des Vaterlandes werden sollen. DaS bestimmen schon unsere Gesetze, aber der Gemeingeist steigert ihre Wirksamkeit. Nun aber sichert außer den ewigen Regeln der Logik und der idealen Auffassung der Wahrheit auch die in's Blut übergegangene Thatsache die Dauer der geschriebenen Gesetze. In Ungarn waren die Juden stets die eifrigsten Anhänger der ungarischen Staatsidee und Freiheit, und so ist es auch geblieben. In der Zeit der schwersten Prüfungen wurde dafür der sicherste Beweis geliefert. Als alle andern Volksstämme fremder Zunge, mit

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