Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1899)
- Date
- 1899-02-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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276 land haben. Sehr unbequem ist auch dar neue Verbot der Unterrichtsministers, der alle Behörden seiner Region darauf aufmerksam gemacht hat, daß jüdische Lehrer nur im Ansiedlungsrayon wohnen dürfen, und daher anorvnet, daß ihnen jede Reise nach Petersburg oder Moskau zu verbieten ist. Bei den Schwierigkeiten, die nöthigen Bücher und Unterrichtsmaterialien in den kleinen Städten zu beschaffen, bedeutet dieses Reiseverbot ein großes Hemmniß. Auch der Ausschuß der Juden aus der Naphtaindustrie wird wieder aufs schärfst,: durchgeführt. Kürzlich sind im Distrikt von Ter 26 naphtahaltige Terrains von der Regierung zur Pacht ausgebolen worden, und den Pachtbrdingungen ist die Klausel beiqefügt, daß Juden nicht zur Pacht zugelaffen sind. Erfreulich ist dagegen die Anordnung des Ministers des Innern, daß Dörfer von einer gewissen Größe in Zukunst Stadtrecht ei halten sollen. Diese Verfügung ist für die Juden im Ansiedlungsrayon von großer Tragweite, denn in den Dörfern durften sie nicht wohnen, wohl aber dürfen sie in kleinen Städten wohnen. Bemerkenswerth ist auch, daß in einer ganzen Reihe von Fällen christliche Fabrikbesitzer, die jüdischen Arbeiter beschäftigen, bet der Regierung petitionirt haben, man möge den jüdischen Arbeitern, die den Sabbat halten, erlauben am Sonntag zu arbeiten. In Lezhoffy, Gouvernement Kiew, ist den Leitern einer großen Tabakfabrik, in denen 600 Juden beschäftigt find, diese Erlaubniß provisorisch gegeben. In einem interessanten Prozeß hat der Senat als höchstes Gericht ein gerechtes, aber nach russischen Verhältniffen ein äußerst mildes Uctheil gefällt. Ein Jude Ramens Glikm hatte im Jahre 1891 in Moskau Bankerott gemacht. Ec wurde in Untersuchung gezogen, wegen betrügerischen Bankerotter und vor den unteren Instanzen auch verurtheilt, obwohl er zu seiner Eu'schuldigung geltend machte, daß ihm in Folge der Ausweisungen der Juden aus Moskau im Jahre 1891 plötzlich aller Credit abgeschnitten worden, und er dadurch zum Bankerott gezwungen worden sei. Während die unteren Instanzen diesen Entschuldigungen keinen Werth beimaßen, sprach ihn das höchste Gericht, wie erwähnt, auf Grund desselben frei. — In Balagansk, im Gouvernement Jrkutfch hatte ein Lehrer sich in den Kops gesetzt, seine jüdischen Schüler zum griechischorthodoxen Glauben zu bekehren. Ec befahl ihnen in die griechische Kirche zn gehen und dort am Gottesdienst Theil zu nehmen, sowie christliche Abzeichen zu tragen. Allein auf Beschwerden der jüdischen Eltern schritt die Behörde ein und verwies ihm fein Vorgehen. Dabei wurde zugleich ausgesprochen, daß die Regierung nicht wünsche, daß die Staatskirche, d. h. die griechisch-orthodoxe Konfession, Proseliten unter den Juden mache. — Auf einer Ausstellung von Schülerarbeilen der technischen Schulen in Rußland, die kürzlich in Petersburg stattfand, zeichnete sich die jüdisch-rechnische Schule in Petersburg, welche von der Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden gegründet wurde, besonders vortheilhaft aus. Baronin Hirsch hat dem jüdischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein in Kowno 5000 Rubel geschenkt. Personalien. Came« i. Wests. Am 15. Febr. waren 25 Jahre verflossen, seidem Herr Gossel als Prediger und Lehrer in hiesiger Gemeinde wirkt. Reiche Geschenke und große Ehrungen wurden dem Jubilar^von Seiten der Gemeindemitglieder, von Freunden und Schülern von ''Rah und Fern dargebracht. Viele Telegramme und briefliche Glückwünsche liefen während des Tages ein und wurde der Jubilar durch ein herzliches Glückwunschschreiben von Herrn Kreis- Schulinfpector Bornschener in Dellwig erfreut. Unter den vielen Ehrengaben, die dem Gefeierten zu Theil wurden, erwähnen wir nur einen kostbaren Silberaufsatz, der von dem Vorstande und den Repräsentanten mit einer Ansprache überreicht wurde. Späte Sühne. -+*-**-9* Von Rodert Hänlein. 15) Nachdruck verboten. Rabbi Jesaja versprach gern die Erfüllung dieses Wunsches, der übrigens durch die kriegerischen Unruhen geboten war. Der nächste Weg durch Oesterreich nach Italien war ihnen durch den Krieg, der die sämmtlichen Oefterreichischen Kronländer verheerte, ohnedies unmöglich. Der Wunsch, noch einmal nach Frankfurt zurück zu kommen, wurde zudem von Rabbi Jesaja noch tiefer empfunden, als von seiner Frau. Er hoffte dort noch immer am ersten eine Spur von Proßnitzer auszufinden, was ihm in Prag trotz aller Bemühungen nicht gelingen wollte. Er hatte sogar einen Boten in die Vaterstadt des jungen Mannes geschickt, um durch den Vater vielleicht Näheres über den Verbleib des Sohnes zu erfahren. Aber der Ort war von Tilly'schen Landsknechten zum großen Theil in Asche gelegt worden. Fast alle Einwohner hatten sich geflüchtet, die jüdische Gemeinde hatte sich nach allen Richtungen zerstreut. Wie von Joseph in Egypten die Ueberlieserung berichtet, daß er zur Zeit der Hungersnoth persönlich von allen Personen Kenntniß nahm, die in das Land kamen, um Getreide zu kaufen, um auf diese Weise seine Brüder zu finden, so controllirte Rabbi Jesaja täglich das Büreau, durch welches die nach Prag Geflüchteten untergebracht und mit dem Röthig-