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Der Israelit · 1899-02-20 · Heft 15 (20.2.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 15 (20.2.1899)
Date
1899-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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275 bei. Es unterzogen sich der Prüfung sechs Schüler, denen allen die Reife zum Eintritt in das Sennnar zuerkannt wurde; einigen konnte der größere Theil der mündlichen Prüfung erlassen werden. Von den Präparanden, die im abgelaufenen Jahre dem III. Kurse angehört hatten, sind im Frühjahr, bezw. im Herbst, vier in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, drei in das israelitische Seminar §u Cassel und je einer in das kgl. Schullehrerseminar zu Halberstadt und die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover eingetreten. Das Vertrauen, das unsere Thätigkeit genießt, hat sich wiederum in einer nicht unbedeutenden Steigerung der Schülerzahl kundgegeben. Dadurch sind auch die Anforderungen, die in materieller Hinsicht an uns gestellt wurden, wesentlich gewachsen, und wir konnten wiederum, bei einem Aufwand von M. '-1000, nicht alle berechtigten und wohlbegründctcn Unterstützungsgesuche in wünschenswerthem Umfange berücksichtigen. Die treue Freundschaft unserer zahlreichen Gönner, insbesondere der vielen Verwaltungen von Kultusgemeinden, hat uns auch in diesem Jahre zur Seite gestanden, auch das hohe königliche Staatsministerium hat wiederum einen Betrag zur Unterstützung bedürftiger Zöglinge zur Verfügung gestellt. Für alle wohlgeneigten Zuwendungen sei auch an. dieser Stelle aufrichtigst gedankt, mit diesem Danke aber auch die inständigste Bitte an unsere Freunde und Förderer verbunden, in dem edlen Eifer für die gute Sache nicht zu erlahmen und uns auch weiter helfend beizustehen, aus daß wir unserer Thätigkeit immer weitere Grenzen ziehen und an unserem bescheidenen Theil nach Kräften beitragen können zur Verbreitung von religiöser und weltlicher Kenntniß, um des Wohlwollens immer würdiger zu werden, das uns beglückt und zu fortgesetztem Streben ermuthigt. Ebersbach, 16. Febr. Aussehen erregt hier der Ende voriger Woche über das Vermögen des bekannten Antisemiten-Häuptlings Spediteur Schladitz ausgebrochene Konkurs. Schladitz, ein eifriger „Reformer" vom Schlage Ahlwardts, sammelte zur Zeit des Judenflinten-Prozesses milde Beiträge für den „Rektor aller Deutschen". Wer sich damals nicht sofort bereit fand, für den „hochverehrten Mann" sein Scherllein zu spenden, der wurde zum „Judenknecht" gestempelt. Jedem politischen Gegner wurde von Schladitz Mangel an Vaterlandsliebe vorgeworfen, er selbst aber brüstete sich mit seinem „nationalen Deutschthum". Als Anhänger der antisemitischen „Reform"-Partei spielte er sich überall als Retter des Mittelstandes und des Handwerks auf. Aber gerade diese Kreise sind es, die jetzt durch seinen Konkurs sehr erheblich geschädigt werden. Verschiedene ärmere Handelsleute, kleine Professionisten, verlieren nun ihre sauer erworbenen Groschen bei dem Konkurs. Die Erbitterung unter diesen Leuten ist daher sehr groß und macht sich vielfach in drastischen Worten Luft. Bemerkt sei noch, daß Schladitz im Verein mit dem Abgeordneten Hänichen s. Zt. auch in Zittau den Antisemitismus einzuführen versuchte. Damit haben die Herren freilich kein Glück gehabt. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien, 16. Febr. Ende vorigen Monats hielt Herr Dr. Hugo G r o t h e aus München in der Geographischen Gesellschaft einen äußerst interessanten Vortrag über seine Reise nach dem tripolitanischen Mittelgebirge. Tripolis ist der einzige von den ehemaligen Berberstaaten, wo in der Neuzeit noch keine europäische Macht Fuß gefaßt; es ist nicht viel mehr als ein weißer Fleck auf der Landkarte, da über das Innere fast gar nichts bekannt ist. Die Stadt Tripolis liegt in der flachen, von Sanddünen umgebenen Küstenregion. Von den Einwohnern stehen den Europäern die Malteser am nächsten. Es sind ihrer nicht weniger als 4000 in der Stadt und da sie außer ihrer Sprache, die dem Arabischen sehr ähnlich ist. auch gewöhnlich noch Italienisch und Englisch sprechen, eignen sie sich ganz besonders zur Vermittelung des Verkehrs mit den Eingeborenen. 'Nächst den Maltesern sin) die Juden das am zahlreichsten vertretene Element. Man kann sie jedoch kaum ein fremdes Element nennen, denn sie sind die Abkömmlinge von Einwanderern aus Titus Zeiten und sie halten sich von den später angesiedelten Spaniolen ganz abgesondert. Diese altansässigen Juden sind zwar zumeist ärmere Satte, insbesondere Kleingewerbetreibende und Handwerker, aber sie sind dabei äußerst mildthätig und gastfreundlich. Es ist ihnen ein großes Bildungsbedürfniß eigen, so daß in den vom italienischen Staate erhaltenen Schulen in Tripolis sich durchweg '->5 Prozent Juden befinden. R u ß l a n d.? Petersburg. Der Berichterstatter aus Rußland hat zur Z.-it über Gutts und Böses zu berichten. Das Schlechte aber ist von unmittelbarer Bedeutung, während das Gute meist nur Hoffnungen sind, die manchesmal nicht in Erfüllung gehen. So ist für die Kaufleure erster Gilde eine neue Steuer eingeführt worden, die als Zuschlag zur Gewerbesteuer von allen denjenigen erhoben wird, die ein Zertifikat ihrer Zugehörigkeit zur ersten Gilde zu erhalten wünschen. Praktisch trifft diese Steuer nur die Juden, dcun die Christen bedürfen dieses Eertifikats nicht, wahrend es für die jüdischen Kaufleute erster Gilde eine Nochwendigkat ist, da sie nur auf Grund desselben das Aufenthaltsrecht in ganz Ruß-

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