Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1899)
- Date
- 1899-02-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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274 mit diesen und den betreffenden russischen Behörden einige Arbeitszufluchtsstätten, jenseits der Grenze, noch auf russischem Boden — vielleicht mit kleinen Zweigabtheilungen auf deutschem Boden — einzurichten. Dann aber auch keine Unterstützung mehr innerhalb Deutschlands für die Ausländer! Denn sonst kommen sie nach wie vor und umgehen die für sie bestimmten Zufluchtsstätten. Möchte es der in Berlin gewählten Kommission gelingen, klein anfangend, aber folgerichtig, thatkräftig fortschreitend, Besserung zu schaffen! Jahrhunderte haben sich schon abgemüht mit der Linderung und Ueberwindung dieses Elends; ohne Eingreifen der Gesetzgebung versprechen wir uns keinen dauernden Erfolg unseres seit 20 Jahren entwickelten Fürsorgesystems mit Verpflegestation und Arbeiterkolonie. Barmherzigkeit gegen die armen Wanderer ist nicht möglich und schlägt ins Gegentheil um ohne Zucht. Das Geben und immer wieder geben ohne Prüfung der Würdigkeit und Bedürftigkeit ist die theuerste und unzweckmäßigste Art und dient den Meisten eher zum Ruin als zur Aufrichtung. Man schüttelt sie nur ab; das ist keine Wohlthätigkeit, sondern eine Bankrotterklärung der Wohlthätigkeit. Das Gewissen aufrichtig-strenggläubiger Juden in Bezug auf Sabbat und Speiseordnung und Frömmigkeitsübung verdient Achtung und Schonung; für sie liegt in dieser Gesetzestreue und in der Schonung derselben auch eine Kraft, sie aufrecht und widerstandsfähig zu erhalten. Das ist aber natürlich in besonderen jüdischen Zufluchtsstätten leichter zu erreichen als in allgemeinen, Arbeit, Centralisation, Ueberwachung! Ihre Berliner Kommission kann sich ja unsere Kolonie ansehen, zwei haben Sie in Bayern." Burgpreppach. (Bereits in einem kleinen Theile der Auflage einer früheren Nummer veröffentlicht). Dem dreiundzwanzigsten Rechenschaftsbericht über die Jsr. Präparandenschule „Talmud-Thora" zu Burgpreppach für das Jahr 1897/98 entnehmen wir: Das abgelaufene Jahr kann in doppelter Hinsicht als ein befriedigendes bezeichnet werden. Zunächst hat die Schule in ihrer äußeren Entwickelung einen wesentlichen Fortschritt zu verzeichnen, indem durch den Bau eines Wohnhauses einem alten Uebelstande, voraussichtlich auf absehbare Zeit hinaus, ein Ende gemacht worden ist. Seitdem die Zahl der Schüler unserer Anstalt besonders stark zuzunehmen begonnen hatte — der Zugang war namentlich seit 1896 außergewöhnlich groß gewesen — war es nicht mehr möglich, alle Zöglinge im Anstaltsgebäude wohnen zu lassen. Die Kosten des Baues belaufen sich insgesammt auf nahezu 9000 Mark, wovon bis jetzt nur M. 7500 gedeckt sind. Den Rest der Bauschuld hoffen wir, m. G. H., unterstützt durch die nimmer ermüdende Opferwilligkeit unserer verehrten Freunde, im kommenden Jahre tilgen zu können. Mögen diese sich dessen überzeugt halten, daß nur die äußerste Nothwendigkeit uns zur Uebernahme der bedeutenden, außerordentlichen Verbindlichkeiten veranlaßt hat, und daß wir erst, als jeder andere Ausweg sich als unmöglich erwiesen hatte, uns zum Bau entschließen konnten. Der Entschluß war uns ganz besonders deßhalb um so schwerer geworden, weil wir infolgedessen darauf verzichten mußten, auch in diesem Jahre für die im letzten Bericht erwähnte Pensionskasse eine Reserve zurückzulegen. Wie der Rechnungsabschluß ausweist, haben wir die Erfüllung der Verpflichtungen, denen die Pensionskaffe dereinst dienen soll, vorerst auf die allgemeine Kasse übernehmen müssen, wir haben deshalb die Zinsen des Grundstocks der Kasse (Mk 2000) und einen kleinen, für die laufenden Ausgaben derselben gespendeten Betrag zur Pensionszahlung verwendet und hoffen, im kommenden Jahre den Fonds selbst vermehren zu können. Wir bitten aber recht dringend darum, der Kasse bei freudigen und anderen Anlässen fleißig zu gedenken, damit sie recht bald in den Stand gesetzt werde, ihrer Bestimmung zu dienen, und damit die Hauptkaffe wieder ausschließlich für ihre eigenen Aufgaben herangezogen werden könne. Noch wichtiger als die erwähnte äußere Erweiterung des Schulgebäudes ist eine andere, für die innere Entwickelung der Schule sehr bedeutende Neuerung, die wir als einen Beweis des Vertrauens, das die Schule bei der hohen Vorgesetzten Behörde genießt, dankbar und freudig registriren dürfen. Es ist dies die mit hoher königlicher Regierungs-Entschließung vom 26. Januar lfd. I. angeordnete Einführung einer Schlußprüfung für die Schüler des III. Präparandenkurses, welche anstatt der früheren sechswöchentlichen Probezeit über deren Reife zum Eintritt in das Seminar entscheiden soll. Nachdem durch allerhöchste Ministerial-Entschließung vom 29. Mai 1897 eine solche Prüfung für die staatlichen Anstalten angeordnet worden war, hatte sich der Unterzeichnete Vorstand mit der Bitte an die hohe Staatsbehörde gewandt, für unsere Anstalt, wie dies bei früheren Anlässen der Fall gewesen war, analoge Bestimmungen zu treffen. Die Folge dieses Antrages war die erwähnte Entschließung, nach welcher nunmehr die Prüfung alljährlich unter dem Vorsitz eines königlichen Regierungskommissars und unter Theilnahme des Vorstandes der Würzburger israel. Lehrerbildungsanstalt abgehalren werden soll. Der vorschriftsmäßige schriftliche Theil der Prüfung fand unter Vorsitz des Unterzeichneten am 1. und 2. Äug. statt, der mündlichen Prüfung, die auf den 18. Aug. festgesetzt worden war, wohnten die Herren Kreisschulinspector Dr. Weber als königlicher Prüfungskommissär und Diftikts-Rabbiner N. Bamberger als Vertreter der israelitischen Lehrerbildungsanstalt