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Der Israelit · 1899-02-15 · Heft 14 (15.2.1899) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 14 (15.2.1899)
Date
1899-02-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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«ichts anderes übrig, als die Butter direkt aus einer Molkerei zu beziehen, in der ein Vertrauensmann die Herstellung leitet oder beaufsichtigt. Rabb. Dr. M. Petuchowsky. AeituttG-nachrichten und Eorrespsn-enzen. Deutschland. Glogarr. (Jüdisch-protestantische Beerdigung.) Unter dieser Spitzmarke wird der „Schles. Volksztg." aus Raubten (Bez. BreSlau) geschrieben: „Vor einigen Tagen starb hier der SanitätSrath Dr. L epp mann im Alter von 78 Jahren. Derselbe war 48 Jahre am hiesigen Orte thätig gewesen, hatte noch kurz bis vor seinem Lebensende seine sehr bedeutende Praxis ausge übt und hatte auch als Stadtverordnetenvorsteher sich zahlreiche kommunale Verdienste erworben. Mosaischer Religion, hatte er in früheren Jahren bei der hiesigen jüdischen Gemeinde das Amt eines Vorbeters begleitet, aber da in letzter Zeit die Zahl der Juden hier, wie in andern kleinen Städten, wegen Abzugnach den Großstädten immer geringer wurde, verzichtete Dr. Leppmann auf sein Vorbeteramt, wie überhaupt seine Beziehungen zum Judenthume — zumal nach dem Uebertritt von einigen seiner Kinder zum Ehristenthum — nach und nach erkalteten. Jndeß trat Leppmann selbst niemals aus dem Judenthum aus, zahlte vielmehr bis zu seinem Tode eine Steuer an die Glogauer Synagogengemeinde. Trotzdem hatte in ganz Raubten niemand etwas dagegen, daß ein zum Christenthum übergegangener Sohn des Verewigten auf dem hiesigen protestantischen Friedhöfe eine Erbbegräbnißstelle kaufte, und man fand es auch unter den obwaltenden Umständen erklärlich, wenn der alte, allgemein geachtete SanitätSrath dort feine letzte Ruhestätte finden würde. Nur das setzte m n voraus, daß ein Rabbiuer die Beerdigung leiten würde. Statt dessen erschien aber der hiesige protestantische Ortsgeistliche - wenn auch nicht in amtlicher Kleidung, sondern nur in „Civil" — hielt zwei Ansprachen, eine im Trauer-Hause und eine am Grabe, und ließ die protestantische Schule Lieder singen. Da Dr. Leppmann die ganzen 48 Jahre, welch« er in Raubten weilte, niemals dem vrotestantischen Gottesdienst beigewohnt hat, so ruft die Art seiner Beerdigung natürlich die verschiedensten Kommentare unter den Protestanten der Stadt und Umgegend hervor." Wenn die Erkaltung der Leppmann'schen Beziehungen zum Judenthum schon so tief unter minus stand, daß man die Beerdigung einer Juden auf dem protestantischen Friedhof nicht in Raubten beanstandete, so ist in der That nicht abzusehen, wieso man an dem protestantischen Geistlichen, selbst in Amtstracht, Anstoß nehmen könnte. Wieso aber ein Rabbiner dazu käme, auf einem protestantischen Friedhof eine Beerdigung zu leiten, dar ist uns unerfindlich. Wenn sich ein solcher etwa wirklich gefunden hätte, dann hätten die Raudtner allerdings Veranlassung gehabt, die Köpfe zu schütteln. — Für Sanitätsrathe so wunderlichen religiösen Kalibers, müßte es eigentlich eine besondere Art Friedhöfe und Geistliche geben, wenn sich keiner an ihrer Beerdigung stoßen soll- Q. Brrchsw etter 7. Febr. Vor einigen j Wochen ging durch die elsä'ss. Blätter die Notiz vom Ableben einer in Straßburg seßhaft gewesenen Frau, einer Jüdin, welche zum Katholicismus übergetreten war. Von ihrem verleugneten Glauben hatte sie den Namen „Judenmarie" erhalten; ihr rechter Name war Barbara Levy. In anscheinend ärmlichen Verhältnissen verdiente sie ihr Brod als Leichenwäscherin, bi» sie der Tod plötzlich überraschte. Ihre Hinterlassenschaft bestand in baaren 15,000 Mark, hundert Leintüchern und einigen hundert Strümpfen, welche in ihrer Kammer aufgespeichert waren. Nach langem Forschen stellte es sich heraus, daß die Erbin von all diesem ein jüdisches Dienstmädchen ist, welche» in New-Oclean» (Amerika) lebt. Seine Ellern wohnen hier; sein Vater ist ein kranker Mann und erwerbsunfähig. Die Tochter wird nun im Stande sein, ihre Eltern zu unterstützen, vielleicht auch zu erhalten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Mien. (Sitzung des Vorstände» der irr. C ultu »gemeinde.) Bei der Verlesung der Berichte des Matrikelamtes berührt der Präsident die in einigen jüdischen Wochenblättern de» In- und Auslandes verzeichnete falsche Mittheilung, wonach im Jahre 1898 4000 Personen in Wien aus dem Judenthume ausgetreten wären, und theilt zur Richtigstellung de» Sachverhalte» mit, daß nach den vorliegenden amtlichen Daten: 424 Austritte im Jahre 1894, 435 in 1895, 457 in 1696, 485 in 1897 und 468 in 1898 stattgefunden haben, was im Verhältniß zur Anzahl der hier wohnenden Israeliten circa 36 100 Procent — immerhin bedauerlich genug — darstellt. Nachdem die weitaus überwiegende Mehrheit dieser Austritte Personen treffe, welche nicht Mitglieder unserer Cultusgemeinde sind, sondern zumeist solche, die aus den Provinzen stammen, so gewinne e» den Anschein, als ob dieselben den Austritt oder Glaubenswechsel in ihrer HeimathSgemeinde scheuen. Schweiz. Basel. Ueber den Zionismus äußert sich das soeben erschienene „politische Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenossenschaft" auch dieser Jahr in abfälliger Weise. Es knüpft seine Bemerkung an seine vorjährige Beurtheilung resp. Verurtheilung, welche im Auszug lautet: ,/Fragt man nach dem Resultate dieses Kongresses, so wird dasselbe nicht bedeutender sein, als das der alljährlichen Friedenskongresse. Die sehr bemittelten Juden halten sich diesen Bestrebungen fern und aus den anderen Kreisen wird es schwierig werden die nöthigen Summen für eine Auswanderung im großen Styl zu bekommen, selbst wenn die Schilderung der durchschnittlichen Armuth des jüdischen Volkes in der sich einzelne Kongreßredner ergingen, eine Ueber» treibung enthalten sollte. Auch abgesehen davon aber dürfte e» äußerst schwer halten, den dermaligen In-

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