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Der Israelit · 1899-02-15 · Heft 14 (15.2.1899) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 14 (15.2.1899)
Date
1899-02-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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261 Haber von Palästina zur Aufnahme einer jüdischen Masseneinwanderung zu bewegen und noch weniger könnte er sich zu einem Verkaufe des Landes Herbeilaffen, dessen Hauptstadt eine der heiligen Städte des Islam ist. Denn von dort aus erstieg der Prophet auf seinem Esel Barak den siebenten Himmel, und dort wurde zu Ehren des ersten Eroberers, des Chalifen Omar, die große Moschee auf dem ehemaligen Tempelplatze errichtet, die nächst der Kaaba von Mecca das größte Heiligthum und der größte Wallfahrtsort der mohamedanischen Welt ist. Anfänglich sollte sogar in der Richtung nach Jerusalem gebetet werden, erst im zweiten Jahre der Hegira änderte Mohamed die „Kibla" d. h. die Gebetsstellung nach Mecca hin. Es besteht auch eine Prophezeihung, daß der Sultan selbst, wenn Konstantinopel in die Hände der Ungläubigen zurückgefallen sei, seine Residenz in Jerusalem aufschlagen werde. Unter solchen Umständen ist an eine freiwillige Abtretung gar nicht zu denken, sondern Jerusalem wird mit dem Schwert wieder gewonnen werden müssen, wie es schon mehrmals so gewonnen und verloren worden ist; aber orthodoxe Juden dürfen dieses Ende ihres Galuth (Exils) nicht eigenmächtig beschleunigen, sondern müssen es, in treuem Festhalten an ihrer Religion und ihrer Volkseigenthümlichkeit erwarten. Für die modernisierten Freidenker hat Palästina keine besondere Bedeutung; sie könnten ebenso gut und leichter in ein anderes Land auswandern und dort einen eigenen Staat errichten, wie es auch schon vorgeschlagen worden ist. Als Zeichen derZeit aber hat dieser Kongreß seine Bedeutung. Er beweist, daß die ganze Reform-Richtung im Judenthum, welche den Israeliten rieth, sich möglichst mit den anderen Völkern, deren politische Angehörige sie sind, zu assimiliren, also, Deutsche, Franzosen, Engländer, statt Juden zu werden, ihr Ende gefunden hat. Die Juden sind geblieben, was Dr. Herz! in seiner Rede aussprach; die modernen Völker haben sie nicht in sich ausgenommen. Daraus sollten sie schließen, daß dies ihre Bestimmung nicht ist, und daß sie ihre Erlösung als Volk nur von einer treuen Befolgung ihrer Religionerwarten können. Das 28. Kapitel des V. Buche- Moses schildert so deutlich, als nur möglich, den Zustand dieses Volkes, wie er wirklich, und zwar schon mehrmals, eingetreten ist, und aus dem nur Gott selber es jeweilen befreien kann, keine Agitation und keine jüdische Nationalbank. Zahlreiche Stellen 1) Vgl. Jahrbuch X pag. 5(>8. - Dieser Hinweis, der sich auf einen Vorschlag Ah l Wardts bezieht, den Türken Palästina abzukausen und die Juden zwangsweise dahin ui schicken, enthält die feine, unausgesprochene Ironie, daß die »Stele der Zionisten und Antiscntiten vollständig dieselben sind. A. d. (5or. ihrer eigenen Religionsschriften z. B. V. B. M., XXVl/l6—19, XXX, 1.—7 V. Mose«, XXXIII, 28; Ps. 106, 40—45. Jeremias I, 13—19 III., 22—22 zeigen ihnen ganz deutlich den Weg; einen anderen gibt es für sie unseres Erachtens in alle Ewigkeit nicht. Dieser aber steht unerschütterlich fest (III. Mos. XXVI 42—44) und wird zur Regeneration dieses Volkes im großen Style führen, sobald es zuerst sich selbst wieder gefunden hat." Die neueste Ausgabe de« politischen Jahrbuches gibt diesen Anschauungen auch im Hinblick auf den zweiten Kongreß Ausdruck und verweist noch auf andere Stellen der heiligen Schrift, welche die Zukunft Israel» als von Gott gewährleistet zum Gegenstand haben. „Einstweilen" heißt e« zum Schluffe, „nimmt die Judenverfolgung überall zu, selbst in Frankreich, wo die Juden lange Zeit ambestengestellt waren. Dazu tragen aber auch ihre eigenen Leute, Cornelius Herz, Dreyfuß u. a. m. viel bei. Solche Leute sind e«, die den Juden am meisten schaden und die sie selbst perhoreSciren sollten, stall sie mit allen Mitteln der Agitation zu unterstützen." Dazu muß noch Folgende» angemerkt werden. — Seine Ansicht über den Fall Dreifuß äußert der Verfasser in einer Anmerkung zu dem Aufsatz „Vergeltung" in folgenden Worten : „Wenn schließlich selbst einmal Einer unschuldig in Strafe geräth, so hat er e» entweder ein anderes mal reichlich verdient — das ist sogar in der Regel der Fall — oder e» wird ihm tausendfach versüßt und vergütet. Der Fall Dreyfuß scheint uns ein Fall der ersteren Art zu sein." Das wird gewiß jeder Unbefangene unterschreiben können. Aber dann ist'» auch nicht abzusehen, warum man für da» in diesem Falle verletzte Recht nicht agitatorisch eintreten dürfe. Für Leute vom Schlage eine» Cornelius Herz war man aber unseres Wissen» von Seiten der Juden niemals agitatorisch thätig. Rußland. 7 Petersburg. Im Ministerium werden neue Vorschriften für die Handelssteuern ausgearbeitet. Bei dieser Gelegenheit werden abermals den Juden neue Beschränkungen auferlegt. Konnten dieselben bisher gegen Zahlung der Steuern die Erlaubniß erhalten, ein Geschäft zu eröffnen, so ist für die Zukunft diese Erlaubniß geknüpft an den Nachweis der erfüllten Militärpflicht, auch sollen diese Erlaubniß - scheine nur ausnahmsweise an Juden außerhalb des Ansiedlungsrayon» gegeben werden. Fremde Juden vollen» bedürfen einer speziellen Erlaubniß dreier Minister, des Finanzministers, des Minister« des Aeußern und des Ministers des Innern. — Die steigende Auswanderunng der Juden hat die Aufmerksamkeit der Regierung neuerdings erregt

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