Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1899)
- Date
- 1899-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448967--47713-2498078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WW 246 Beschuldigungen, daß sich dieselben nicht zum Acker- und Landbau eignen. Irrig sei e» aber, darin eine endgiltige Lösung der Judenfrage zu erblicken, sei es im Sinne des Zionismus, sei es im Sinne der praktischen Zionisten oder Halb-Zioniften, wie der Redner sie nannte. Man glaube nicht, daß durch Ansiedlung von 100 oder 200 Tausend Juden die Judenftage gelöst sei. Der Gründung eines Judenstaates aber, wie es die Zionisten erstreben, stünden große Schwierigkeiten entgegen. Denn, abgesehen von den politischen, würden auch Schwierigkeiten seitens der Konfessionen zu überwinden sein, da das Christenthum zumindest ein ideale» Recht auf Pa» lästina habe. Einen Staat könne man nicht in der Studirstube gründen. Die zionistische Bewegung sei der antisemitischen sehr ähnlich, beiden liege der Gedanke der Separation zu Grunde. Die meisten Juden Deutschlands würden sagen, überall hin, nur nicht nach Palästina. (? Red.) Nach Palästina hinein, hieße au» Europa hinau». Das Ziel der Juden sei Assimilation, die» bedeute nicht Aufgabe der Religion. Nachdem noch der Redner die Colonisation, besonders aber die Förderung der Palästina-Jmport-Gefellschaft, die die Produkte der Colonisten dem Weltmärkte zuführt und die von ihr veranstalteten Ausstellungen wärmsten« empfahl, schloß er seine hochintereffanten Ausführungen unter rauschendem und wohlverdienten Beifalle der Anwesenden. Dem Herrn Pfarrer Battenberg für den lehrreichen Vortrag und für das Interesse des Redners an der Ausstellung im Namen de» Comitß» und der Anwesenden dankend eröffnete der Vorsitzende Herr W iS loch die Diskussion. An dieser betheiligten sich verschiedene Herren. Herr PerlS, Beamter der Palästina-Jmport-Gefellschaft gedachte der Vorzüge und Güte der Produkte auS den jüdischen Colonien, deren Concurrenzfähigkeit mit dem europäischen Markte, der Verdienste des großen Philantropen Baron Edmund von Rothschild um die Colonisation. Herr Dr. Holzmann schilderte den vorigen Redner ergänzend, in treffenden Worten die Strapazen, die die Pioniere der Colomsation zu überwinden hatten, deren Fleiß und Ausdauer bewunvernswerth seien. Die glänzenden Resultate seien größtentheilS der Liebe und Opferfreudigreit für da» heilkge Land zu verdanken. Nach einigen Bemerkungen der Herren Leopold Hamburger und Sinai Sa lomon schloß nach nochmaligen Dankesworten an den Referenten der Vorsitzende die Diskussion. Die zahlreichen Anwesenden nahmen noch einige Kraftproben der verschiedenen Weine ein und verließen hochbefriedigt die Ausstelluna. Hamburg, 5. Febr. Das seltene Fest de» neunzigjährigen Geburtstage» feierte dieser Tage in voller geistiger uno körperlicher Rüstigkeit Frau M. Seligmann, geb. Meyer. Die Jubilarin, eine geborene Wandsbekerin, wohnt bereits seit 18 Jahren in Hamburg an der Wanvsbeker Chaussee und hat eine Familie von 11 Kindern, 76 Enkeln und 35 Urenkeln; sie erfreut sich bis zur Stunde einer ausgezeichneten Gesundheit, unternimmt Spaziergänge, besorgt selbst ihre Küche und verfolgt mit besonderem Jntereffe die Vorgänge auf politischem Gebiet, die sie Abends au» dem „Hamburger Fremdenblatt", da» sie mit Vorliebe liest, ersieht. Unter den vielen Geschenken, die der Greisin zu Theil wurden, erregte besonders ein weißseidener, die ganze Zimmerwand füllender Synagogenvorhang unsere Aufmerksamkeit, den ein Sohn zum Ehrentage der Mutter für die Synagoge in Wandsbek gestiftet hat. Im edlen, romanischen Stil entworfen, gereicht derselben sowohl wegen seiner schönen Zeichnung, wie auch wegen der in Silber ausgeführten Stickerei dem hiesigen Kunststickerei-Atelier von Eduard Joel, St. Anscharplatz, dem er entstammt, zur besonderen Ehre. Der ganze Vorhang ist auf einem einzigen, fast zwei m breiten Stück gestickt; ein geschmackvoller, in gleich appartem Stil gehaltener Ueberhang, Quasten rc. vervollständigen das sinnige Geschenk, das ein ehrenvoller Zeugniß der Hamburger Kunstindustrie auch auf diesem Gebiete bildet. Kiel. Die folgende gerichtliche Entscheidung dürfte auch die Leser des „Israelit" interessiren. Vom Plöner Landrathsamt wurde unterm 18. Nov. 1893 eine Polizeiverordnung erlaffen, welche die Ueberreichung von Gaben an bettelnde Wanderer bei Geldstrafe verbot, eine Verordnung, die seiner Zeit viel Aufsehen erregte. Neuerdings hat sich der Hofbesitzer Lange gegen diese Verordnung vergangen, indem er bettelnden Personen Gaben verabreicht hatte. Gegen ein Strafmandat erhob er Einspruch, aber das hiesige Schöffengericht verurtheilte ihn zu einer Geldstrafe. Auf die vom Angeklagten eingelegte Berufung hob die Strafkammer zu Kiel die Vorentscheidung auf und sprach den Angeklagten frei, da die beregte Polizeiverordnung ungültig sei; die Polizeibehörde sei wohl berechtigt, der Bettelei und den Bettlern entgegenzutreten, sie habe aber nicht das Recht, die freie Verfügungsgewalt des Staatsbürgers zu beschränken und das Verabreichen von Gaben zu verbieten. Gegen diese Auffaffung legte die Kieler Staatsanwaltschaft Revision beim Kammergericht ein und diese ist nunmehr für begründet erachtet worden und die Sache behufs Festsetzung der Strafe an die Kieler Strafkammer zurückgewiesen. Das Kammergericht erachtet die fragliche Polizeiverordnung für unbedingt rechtsgültig. Q. Hattftadt (Ob.-Els.), 4. Febr. Infolge eines Herzschlages starb zu Colmar, am Bahnhof unser allseilig geachteter Vorbeter D. Bloch. Heute