Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1899)
- Date
- 1899-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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245 des Judenthums gewidmeten Blättern, einen ehren« den Nachruf zu erhalten. Unter allen Schülern Professor Oppenheim's, war es Junker, der den Meister am besten erfaßte und der Einzige unter denselben, der im Stande war, die „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben" in einer Weise fortzusetzen, die den Genius deS gottbegnadeten Lehrers erkennen ließen. Es war uns erst vor kurzer Zeit vergönnt, die hervorragendsten Werke des entschlafenen Künstlers im „Israelit" zu reproduciren, und der allgemeine Beifall, dessen sich diese Bilder erfreuten, zeigte uns, wie Junker es verstand, durch seine Kunst auf das jüdische Gemüth zu wirken?) Es war aber auch wunderbar, wie tief der Dahingeschiedene in alle Sitten und Gebräuche de- Judenthums eingedrungcn war, wie er auf seinen Gemälden alles Jüdische bis in den kleinsten Details berücksichtigte. Wenn man in Betracht zieht, daß Junker einem anderen Glauben angehörte, so kann man ermessen, wie viele Studien dieser Künstler gemacht haben muß, um in seinen Werken solch treuen Spiegel altjüdischen Lebens schassen zu können. Leider blieb unsere Anregung, die wir s. Z. in diesen Blättern ergehen ließen, daß nämlich irgend ein jüdischer Mäcen die Original-Gemälde erwerbe, um mit dem Erlös den Lebensabend ihres Schöpfers zu verschönen, ohne Erfolg, jedenfalls müßte nunmehr, wo der Nach! -ß Junkers voraussichtlich veräußert wird —der Entschlafene war nicht verheirathet — es Pflicht der jü drfchen Museen sein, diese werthvollen Zeugen jüdischer Geschichte in ihren Besitz zu bringen. — Nach Dem Aussprüche unserer Weisen haben die Frommen aller Nationen Antheil am zukünftigen Leben und so schließen wir diese Zeilen mit dem Wunsche, daß auch Hermann Junker, der so viel zur Verherrlichung des Judenthums beitrug, und der auch als Mensch in seiner edlen Bescheidenheit sich die Sympathien seiner Mitbürger erwarb, eingehen möge zur ewigen Seligkeit. — lieber Hermann Junker's Beerdigung entnehmen wir der „Frankfurter Zeitung." Heute Vormittag» wurde der am Freitag gestorbene Maler Hermann Junker zur letzten Ruhe bestattet. Ein großes Gefolge von Leidtragenden gab dem in weilen Kreisen geschätzten und beliebten Künstler das letzte Geleit. Am Grabe rühmte Konsistorialrath Pfarrer Dr. Basse das hohe Streben, die muftergiltige Pflichttreue uns die gewinnende Herzlichkeit Junker's. Für die Loge „Karl zum Lindenberg" widmete Dir. Kohn *) Diese Bilder waren die folgenden: »Die Prüfung der Bramleute", „Die Brautschau", „Sabbatfische" und „Ta- Neumondgebet". Junker selbst hatte eine Beschreibung dazu geliefert. dem dahingeganqenen Bruder die drei Rosen der Erinnerung, des Dankes und der Liebe. Prof. Dr. Valentin brachte eine Lorbeerspcnde de» Freien deutschen Hochstifts dar, das den Verlust eins seiner ältesten und eifrigsten Mitglieder tief betrauert. Namentlich um alles, wa» mit Göthe zusammenhing, hat sich Junker im Hochstift unverwelkliche Verdienste erworben, von denen seine Werke noch Zeugniß geben werden, wenn alle, die ihn kannten, längst abgeschieden sind. Redakteur Pfeilschmidt legte im Namen der „Kleinen Presse" dem erfolgreichen Mitarbeiter, dessen Anvenken in treuer Hut bleibt, den Kranz des Danke» auf das Grab. Frankfurt a. M., 12 Febr. Am 4. Februar, hielt Herr Pfarrer Friedrich Wilhelm Battenberg in den Räumen der Palästinaausstellung vor einem geladenen Publikum einen hochinteressanten Vortrag über „Reise-Eindrücke in Palästina." Herr Pfarrer Battenberg, der ein Mitglied des Ausstellungs-Comitss ist und die Ausstellung in rühmlichster Weise fördert, hat die Kaiserreise mitgemacht und hatte Gelegenheit, während seine» 12tägigen Aufenthalt» dortselbst Betrachtungen über die Juden im Allgemeinen und die Eolonisten insbesondere anzustellen. Der Redner bemerkte, daß er sich zwar der Gefahr aussetze, von den Antisemiten Judenknecht geschimpft zu werden; daran sei ihm aber wenig gelegen. Denn jeder ehrliche Christ müsse aus nationalen und religiösen Gründen gegen die wilde Hetze der Antisemiten fein. Gr vergesse nie, daß der Stifter der christlichen Religion jüdischen Fleisches gewesen sei und die meisten Aussprüche au» dem alten Testamente entnommen haben. Er nehme ein lebhaftes Interesse an der Judenfrage und wolle als neutraler Beobachter seine subjektive Ansicht über die Erfahrungen, die er gemacht, der Versammlung mittheilen. E» gelang auch dem Redner, ein vortreffliches Bstd von Palästina, Land und Leuten, insbesondere von Jerusalem und den Colonien zu entwerfen. Was uns blonder» interessiren dürfte, ist die Ansicht des hochgeachteten Geistlichen über die Colonien und die Zukunft Palästina'». Seinen Ausführungen seien entnommen: Die jüdischen Eolonisten hatten bisher wüste» Land zum Paradies gemacht. Diese Colonien seien eine große Leistung; sie auf« Thatkräftigste zu fördern und zu begünstigen und den Armen ein menschenwürdige» Dasein zu begründen, sei die heiligste Pflicht aller Menschenfreunde, besonder» der besser sttuirten westeuropäischen Juden. Da» bisherige Almosensystem demoralisire nur die Leute, während sie durch Arbeit ein gewisse» Selbstbewußtsein erlangen. Endlich aber beweise da» Prosperire« der Colonien, die Jnhaltlosigkeit der von den Antisemiten gegen die Juden geschleuderten