Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1899)
- Date
- 1899-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448967--47711-2498076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
244 sie ihn in die Grube geworfen, wo er Todesängste ausgestanden, ihn später als Sklaven verkauft, als sie zu ihm nach Mizrajim kamen und ihn nicht erkannten, gegen diese seine Brüder unterdrückte Joseph die in ihm aufkommenden Gefühle der Vergeltung und züchtigte sie nicht einmal durch körperliche Strafen für das ihm zugefügte Unrecht, er drückte vielmehr den liefen Groll, den er vielleicht in seinem Innern gegen sie empfand, nieder. Mit den schönen Worten cp*?# hk kt 'Jk gab er ihnen die Beruhigung, daß er kern Unrecht zu begehen fähig sei, daß nur Einer von ihnen bei ihm Zurückbleiben müsse, die Uebrigen aber mit dem Getreidevorrath zur Stillung des Hungers zu ihrem Vater zurückkehren dürfen. Auch die drei Tage Gefängniß, mit welchen er seine Brüder bestrafte, hatten nach dem Au-spruche der Weisen wohl nicht den Zunck, um an ihnen Rache zu üben, es geschah dies vielmehr Bworb, um damit ihre Vergehen gegen Gott einigermaßen zu sühnen. Seine Absicht war, mit dieser kleinen Strafe seinen Brüdern Gottesfurcht einzuflößen, daß sie zu Gott zurückkehren sollen. Dieses Verdienst Josephs stand seinem Nachkommen Josua bei, daß er gleich seinem Vorahnen Joseph kein persönliches Rachegefühl gegen Amalek in sich aufkommen ließ, und nur zu Ehren Gottes den Vernichtungskampf gegen Amalek führte, weil ep^K K-' mhi, weil dieser Gott nicht fürchtete und sich gegen seine Allmacht aufgelehnt. Dieses ist auch in den Midraschstellen angedeutet: cipjk Mb in: 12K mrs r.K i2KP spi' bv U2 p 82' ,wkv2 1N2 7ivd ,cr6:r Kii Cp*?K KT K^l 2712"! p^OSD OR^'I KT 'JK C’p^K ES kvMINe der Enkelsohn dcS Joseph, welcher durch den Ausspruch „Ich fürchte Gott", gezeigt, daß er kein eigenes Rachegefühl gekannt, und bekämpfe den Amalek, von welchem es in der Thora heißt, „daß er Gott nicht fürchtete," da er es gewagt gegen sein auserwähltes Volk aufzutreten. Aus diesem Grunde hat Moses den Josua zum Kampfe gegen Amalek aufgefordert und ist n i ch t s e l b st denselben entgegengetreten, weil, wie unsere Weisen erklären, unser großer Lehrer Moses bei den N2'i2 '2 gesündigt, indem er seinen Zorn nicht zu bemeistern vermochte, und dem ungehorsamen Jsrml die strengen Worte cTsn kj ivop, „Höret doch ihr Widerspenstigen" zugerufen. Daher hat MoseS es gar nicht versucht den Kampf mit Amalek selbst auszunehmen, weil er sein leicht zum Zorne geneigtes Grmüth gekannt, und wohl daran zweifelte, ob sein Kampf ganz allein für die Ehre Gottes, und dabei nicht auch ein Gefühl des persönlichen Hasses gegen Amalek für das Ueble, daß dieser Israel zugefügt, mit ein Ansporn zu dessen Bekämpfung wäre. Doch Josua, der ein Nachkomme des Joseph, der die Fähigkeit im Beherrschen seiner Leidenschaften des Hasses und der Rachegier, bei dem Zusammentreffen mit seinen Brüdern so glänzend bewährt, dieser war der richtige Mann dazu den Gotteskampf auszunehmen. Nach dieser Betrachtung werden die Worte p^2i? ^b npy um* dk T2t besser verständlich: Gedenke was dir Amalek gethan auf dem Wege als ihr aus Mizraim gezogen, wie er dich auf dem Wege überfiel und hinter dir her die Schwachen erschlug, als du müde und matt warst, und er fürchtete Gott nicht". Israel soll beweisen, daß es den Kampf gegen Amalck nicht seinethalben führe, n'cht um Vergeltung für die ihm von diesem zugefügten böswilligen Angriffe und Feindseligkeiten zu üben. Es heißt deshalb Wetter Tran "T 2*222 p2\* iro -p^K t tjnz irr RDBTi üb d'cbtt 2IR712 ptey 127 *iK. Wenn dev Ewige, dein Gott, in dem Lande, das er dir zum Besitze geben will, von allen deinen Feinden umher wird Ruhe verschafft haben, sollst du das Andenken Am Keks austilgcn unter dem Himmel, dieses vergiß nicht." Damit ist auch angedcutet, daß der Kampf gegen Amalek und seine Nachkommen nicht nur ein Racheakt sein soll, sondern nur Gott 51t Ehren geführt werden möge. So mögen denn unsere Brüder in Israel den eigentlichen Sinn oben angeführter Bibclworte beherzigen und beim Bekämpfen alles Schlechten und Unmoralischen, nicht sich zu Liebe, sondern Gott zu Gefallen den Kampf aufnchmen. Dann ist der Sieg unausbleiblich. H. L. Zeitungsnachrichten und <5orresponden;en. Deutschland. Berlin, 10. Feb. Der unter Leitung von Frau Cücilie Friedländer, Bellevuestraßc 9, stehende Kinder-Sparverein hielt am 14. Januar seine diesjährige Komitee-Sitzung ab. Es wurde der Bericht über das vergangene Jahr erstattet und dem Schatzmeister Decharge ertheilt. Für die ersten sechs Monate d. Js. wurden 5000 Mark zur Bertheilung bewilligt und außerdem Mark 500 für den jüdischen Kindergarten und Mädchenhort, Keibelstraße 40. Die Leerung der Sparkästchen wird zwischen dem Io. und 15 April d. Js. vorgenommen werden. Die Wiederwahl der Herren und Damen in den Ausschuß sowie als Revisoren erfolgte per Akklamation. Ein spezieller Jahresbericht wird in diesem Jahre wieder erscheinen und allen Inhabern von Sparkästchen zugehen. Frankfurt a. M«, 11. Febr. Heute Nachmittag verschied nach langem, schweren Leiden Herr Hermann Junker dahier. Der Heimgegangene, obgleich nicht der jüdischen Religion angehörend, verdient es trotzdem, gerade in diesen den Interessen