Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 12-13 (9.2.1899)
- Date
- 1899-02-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448966--47703-2498067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
HWMWM - 237 mit beredten üßotten alt den gangbarsten Artikel, an welchen man leicht Echod beechod *') verdienen kann, zum Kauf anzubieten. Reb Herschel, froh, auf so leichte Weise zu einer so billigen Sechore kommen zu können, willigte sogleich zum Kaufe ein und kaufte um die Hälfte seines Geldes, nämlich um 500 Gulden Schuhleisten. Kaum hatte er die Verkaufsbude verlaffen, als ihn schon der Inhaber der anderen angrenzenden Bude zum Kaufe einlud mit der Bemerkung, daß er sich beeilen müffe, da die Meffe bald beendet und er sein Waarenlager baldigst einräumen müffe. „Was habt Ihr denn?" fragte Reb Herschel. „Schofroth,^) wie Ihr sehet," antwortete der Budenbesitzer, „ein großartiger Verkaufsartikel, an dem sich das Doppelte verdienen läßt, und welcher ein nothwendiger Bedarfsgegenstand für uns Juden ist. Ich gebe Euch das Stück um einen Gulden. Ihr könnt jedes Stück für drei Gulden verkaufen. Entschließt Euch schnell, ich muß einräunten, da die Meffe bereits beendet. Eine solche Mezieh bekommt ihr sobald nicht mehr!" Reb Herschel, die Wichtigkeit des Schofars an Rosch Haschono^) erwägend, dachte nicht daran, daß Schofroth eine sogenannte Bowelsechore sei, der Consum derselben ein sehr spärlicher, weil wenn Jemand einmal einen Schofar gekauft, er niemals mehr einen solchen braucht, und der Gebrauch deffelben sich höchstens auf die paar Synagogen in der Gemeinde beschränkt. Er dachte nur an den ihm in Aussicht gestellten dreifachen Rervach43) und kaufte für den ihm noch übrig gebliebenen Baarvorrath von 500 Gulden Schofroth, schon im Vorhinein über seinen Schwiegervater und deffen Verwunderung triumphirend. Mit der Bitte an die beiden Kaufleute, ihm die Maaren gut zu verpacken und nachzusenden, empfahl er sich denselben, die Beide ins Fäustchen lachend, sich immer soche Käufer, als es Reb Herschel gewesen, wünschten. Mit dem nächsten Zuge trat Reb Herschel wohlgemuth die Heimreise nach P. an. Kaum zu Hause angelangt, begrüßte ihn sein Schwiegervater mit den Worten: „Schalem Alechem,") nun wie ist es gegangen, was hast Du eingekanft?" Mit strahlender Miene und guter Laune erwiederte Reb Herschel „Alechem Scholaum!'42) Schwiegervater, ein großartiges Geschäft habe ich gemacht." „So, was hast Du eingekauft?" „Schuhleisten." 37) Das Doppelte. 38) Posaunen, ein aus dem Horne eines Widders angeiertigtes Instrument, mit welchem nach Vorschrift an den Neujahrstagen in den Synagogen geblasen wird. 33) Neusabrsfest. 40) Profit. 41) Friede sei mit Euch. 42) Mit Euch sei Friede. „Um wie viel Geld?" „Um 500 Gulden einen ganzen Wagen voll." „Bist Du meschugge?"43) schrie ihn Reb Scheftel an, „die kannst Du ja Dein Leben lang nicht verkaufen," und nichts Gutes ahnend fragte auf's Höchste erregt Reb Scheftel weiter, „und was hast Du für die übrigen 500 Gulden gekauft?" „Schofroth.'" „Schofroth?" platzte es aus dem Munde Reb Scheftels heraus. „Zwei Monate nach Rosch Haschono Schofroth? Mit Dir ist's nicht richtig im Kopfe. Wer braucht überhaupt Schofroth, da doch alle Schulen damit versorgt sind. Im besten Falle kommt emal e Gabbe44) von eine neue Schul' und kauft einen, und hat er einen Schofar, dann hat er ihn ewig und da kaufst Du zwei Kisten voll, Du Schlemilsalnek! Du bist mir der richtige Socher. Geh lieber in Dein Cheder4^) und lern', das verstehst Du, sonst nichts. Haft e' Schaden für das schöne Geld!" Nachdem der erste Sturm vorüber, versuchte Reb Herschel Erwiederungen zu machen, daß man an denselben Echod beechod verdienen kann, wenn ein Kone43) kömmt. „Ja, wenn ein Kone kömmt, einmal in zehn Jahren!" replicirte ironisch Reb Scheftel, erregt das Zimmer verlaffend. Reb Herschel begann aber nach diesem Auftritte mit seinem Schwiegervater, den Stuß,4?) den er gemacht, einzusehen und war von seinem Wahne plötzlich Socher zu werden, gründlich geheilt, und mit doppelten Fleiße ging er nun ans „Lernen." Inzwischen waren aber die von ihm bestellten Waaren von Leipzig angelangt und Reb Scheftel hatte Mühe, die Schuhleisten, von denen eine ganze Wagenladung und die Schofroth, welche in zwei Kisten vor dem Hausthor abgelagert wurden, auf den Boden und im Keller seines Hauses unterzubringen. Run sann er nach, und es ging sein einziges Trachten dahin, wie er diesen „Bofel" auf eine schöne Art, ohne viel zu verlieren, los werden könnte. In P. existirten zu dieser Zeit zwei tüchtige Makler, Reb Boruch und Reb Schlome. Er ließ vorerst den Makler Reb Boruch, rufen, und nachdem er ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit den dummen Streich seines Schwiegersohnes erzählt, bat er ihn, gegen eine gute Provision, die von demselben eingekauften Schuhleisten um jeden halbwegs annehmbaren Preis zu verkaufen, oder bei Unmöglichkeit des Verkaufes, sie wenigstens gegen andere Waaren umzutauschen. Nachdem sich Reb Boruch zu dieser Mission einverstanden erklärt und der Wagen mit den Schuh- 43) Wahnsinnig. 44) Synagogenvorsteher. 43) Zimmer. 46) Käufer. 47) Narrheit.