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Der Israelit · 1899-02-09 · Heft 12-13 (9.2.1899) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 12-13 (9.2.1899)
Date
1899-02-09
Page
– (sequence 20)
Language
German
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238 leisten aufgeladen war, ließ er sich den anderen Makler, Reb Schlome rufen, und stellte auch an diesen das Ansuchen, bei guter Provision die Schofroth unter denselben Bedingungen zu verkaufen oder gegen andere halbwegs annehmbare Waare umzutauschen. Reb Schlome machte wohl eine saure Miene, als ihm die Mission die zwei Kisten Schofroth an den Mann zu bringen, übertragen wurde, doch da er sich den schönen Verdienst nicht entgehen lasien wollte, willigte auch er ein, und nachdem die zwei Kisten mit den Schofroth auf den herbeigeholten Wagen geladen, trat auch er die Reise an, um in den in der Umgegend liegenden Ortschaften sein Glück zu versuchen. Doch seine eifrigen Versuche, die Bofelwaare durch Verkauf oder Umtausch los zu werden, scheiterten. Nicht besser ging es dem einige Tage vorher dieselben Ortschaften besuchenden Collegen Reb Boruch. dessen Beredsamkeit an der Weigerung der Leute, seine Waare zu kaufen, zu Schanden wurde. Schon wollte er unverrichteter Weise die Rückreise antreten, als ein glücklicher Zufall ihn in einer Restauration eines Städtchens mit seinem Collegen Reb Schlome Zusammentreffen ließ. „Scholem Alechem, Reb Schlome," begrüßte er den eben die Gaststube betretenden Collegen. „Was macht Ihr hier?" „Ich habe eine schöne Parthie von Schofroth zu verkaufen." „O weh', Schofroth nach Rosch Haschonoh! Und wie viel sind es denn?,, „Ich habe nur zwei Kisten!" „Zwei Kisten?" bemerkte schmunzelnd Reb Baruch, „da habt Ihr gerade genug bis zum nächsten Jowel oder vielleicht gar bis Moschiach^) kömmt!" Reb Schlomes Nase ward bei diesen spöttischen Worten immer länger, und gereizt fragte er seinen Collegen Reb Boruch, was ihn denn eigentlich hierhergeführt. Doch dieser beruhigte ihn mit den Worten: „Nun, ich Hab akurat eso Stückel Sechore, wie Ihr zu verkaufen, oder wenn es nicht möglich ist, gegen eine andere Waare umzutauschen." „Was für eine Sechore habt Ihr denn?" „Schuhleisten," replizirte Reb Boruch. „O, weh geschrieen!" sagte Reb Schlome, einen Luftsprung machend, „dies ist noch eine größere Bofel sechore, als meine Schofroth. Alle Schuster haben Leisten und in der jetzigen aufgeklärten Zeit, wird keiner eso geschwind ein Schuster, man läßt die Kinder lieber studieren." „Nu, Nu! Reb Schlome, nur nicht schimpfen, wer schimpft, der kauft. Ich werde Euch eine Ezoh Tauwo^) geben, womit mir und Euch geholfen wird. Machen wir miteinander ein Tauschgeschäft. Ihr gebt mir Eure Schofroth und ich geb' Euch meine Schuhleisten. Dagegen wird mein und Euer Baol Bothos nichts einzuwenden haben, da doch Beide ein Tauschgeschäft, im Falle die Waare nicht zu verkaufen ist, erlaubt haben, und zu verkaufen ist Euere und mein Bofel Sechore nicht. Wollt Ihr darauf eingehen, so ist das Geschäft gemacht." Reb Schlome besann sich nicht lange und acceptirte mit Freuden den ihm von seinem Collegen gemachten Antrag und Beide bekräftigten das gemachte Geschäft durch einen Handschlag. -ft * * Einige Tage darauf konnten die Nachbaren Reb Scheftels zwei Leiterwagen vor dem Hause desselben halten sehen. Neugierig stürzte Reb Scheftel zum Hausthore, als er hiervon benachrichtigt wurde. Es waren zu seiner Ueberraschung die beiden Makler, Reb Boruch und Reb Schlome, die doch nicht wußten, daß ihr Auftraggeber eine und dieselbe Person, nämlich Reb Scheftel war, vor dessen Hause sie mit ihren Wagen angelangt waren. Das Gesicht Reb Scheftels, welcher ganz über die von den beiden Maklern gegebene Aufklärung verblüfft war, war würdig, von einem Maler festgehalten zu werden. Seine Wuth über die zurückgebrachte Bofel sechore, für welchen Umtausch er noch obendrein den beiden Maklern die ausbedungene Provision zahlen mußte, war grenzenlos. An diesem und auch an den folgenden Tagen durfte sich sein Schwiegersohn Reb Herschel vor ihm nicht sehen lassen. Doch die Zeit heilt alle Wunden und so verschmerzte Reb Scheftel auch später den Verlust. Was nun mit den Schofroth und den Schuhleisten geschehen, wissen wir nicht. Vielleicht liegen diese noch heute auf dem Boden Reb Scheftels, wenn er dieselbe nicht, um sich Raum zu schaffen, verschenkt hat. Doch dessen Schwiegersohn Reb Herschel, ist von seinem Verlangen, Socher zu werden, für immer geheilt. 48) Jubeljahr. 49) Der Mesias. 50) Guten Rath. 51) Herr Auftraggeber.

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