Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 12-13 (9.2.1899)
- Date
- 1899-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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221 leben /“ p-ai*? bmw vib rrm, so daß die Gesammtheit Israels vor Gott in Erinnerung komme, so daß Gott uns nicht als Einzelpersonen, mit ihren Einzelfehlern und Einzelverqehen, betrachte, die da für sich nur sorgen, oawB: by -imS und auf diese Weise auch jedem Einzelnen vergeben kann. Diese große Bedeutung des halben Schekel schwebe uns vor nicht zur Zeit, wo wir ihn bringen sollen, sondern durchdringe uns zu jeder Zeit, damit wir alle Zeit stark und fähig sinv, für den gemeinsamen Gedanken und das gemeinsame Ziel unsere Kraft einzusetzen. Zeitungsnachrichten und Corresporrderrzerr. Deutschland. Berlin. (Berliner Briefe HI.) Es ist für Ihren Correspondenten schwer mit den zu registrirenden Ereignissen Schritt zu halten, zumal wenn man auch gern die Jntermezzo's mitnehmen möchte, die sich hie und da einstellen. Ein solches ist die Aufmerksamkeit, welche ein hiesiges jüdisches Blatt meinem zweiten Briefe geschenkt hat, dem ich die Antwort nicht schuldig bleiben möchte. Für diejenigen Leser, welche meinem jüngsten Briefe nicht diese Aufmerksamkeit geschenkt haben sollten, will ich seinen Inhalt kurz wiederholen. Ich habe daran erinnert, daß verschiedene Redner, die beim Jubiläum des Rabbiner-Seminars, öffentlich gelobt haben dem Vorbilde Rabbiner Dr. Israel Hildesheimers Beispiel zu folgen, diesem Vorsatz untreu geworden sind, schon bevor sie ihn ausgesprochen hatten und zwar durch ihren Anschluß an den Allgemeinen Rabbinerverband, der von Seminardirektor Rabbiner Dr. Hildesheimer in öffentlichen Kundgebungen des schärfsten perhorrescirt wurde, von welchen ich eine im Wortlaute citirte. Ich habe den Zwiespalt zwischen den Worten und Thaten dieser Redner mit ihrer Verwechslung des persönlichen und des principiellen Moments zu erklären versucht und daran erinnert, wie die Unterdrückung der früheren rüden Gehässigkeit seitens der neologen Kanzel und Presse und das Anschlägen einer milderen, freundschaftlichen Tonart die Vertrauensseligen täusche. In Wirklichkeit seien aber die Wortführer des Reformjudenthums ihrer Gesinnung und Handlung nach dieselben geblieben und es gäbe thatsächlich auch heute keinen 1.TT7 für den von Hildesheimer anno 84 ausgesprochenen *r»m. Das hiesige jüdische Blatt leitet nun sein Raissonement mit der Erwähnung einer anonymen Broschüre ein, welche sich ebenfalls gegen die Betheiligung gesetzestreuer Rabbiner an dem Allgemeinen Rabbiner- Verband wendet. Ueber diese Darlegungen behauptet das Blatt kein Wort verlieren zu wollen, vergißt aber ganz kurz darauf diesen Vorsatz und verliert doch einige und zwar recht derbe. „Soweit aber hier", heißt es dann wörtlich weiter „wie kürzlich in einem — natürlich gleichfalls anonymen —Zeitungsartikel der Versuch unternommen wird, unter verdeckter Maske den Namen Dr. Israel Hildesheimer für bestimmte Parteizwecke auszuspielen und feige Verleumdungen zu verbreiten, glauben wir uns doch befugt und verpsiichtet, das Gedächtniß gewisser Herren etwas zu schärfen. Anonyme Scribenten von gleichem Kaliber haben auch das Wirken Dr. I Hildesheimers selbst begleitet, mochte es sich nun — wir begnügen uns mit wenigen Beispielen — um seine Begründung des Rabbiner-Seminars oder um seine Thätigkeit für Palästina im Vereine „Lemaan Zion" handeln; sie haben bei Gelegenheit seiner öffentl. Erklärung über Talmud und Schulchan Aruch im Verein mit Rabbinen anderer Richtung genau dieselben Lamentationen erhoben und Mittel angewandt, wie jetzt gegen einen Theil seiner intimen Gesinnungsgenossen. Wir dürfen sie also zunächst bitten, ihre plötzlich erwachte anonyme Verehrung für Dr. Hildesheimer etwas weniger geräuschvoll zu handhaben; sie täuschen damit doch keinen Anhänger des Wirkens Dr. Hildesheimers." Hier hat man einmal schwarz aus weiß eine Probe von dem hohlen Pathos und Brustton, von dem ich in meinem jüngsten Briefe sprach. Wenn ich aus dem bombastischen, journalistischen Jargon den Kern herausschäle, so wird gegen mich geltend gemacht: l. Daß ich anonym geschrieben habe. 2. Daß ich unter verdeckter Maske Hildesheimers Name für bestimmte Parteizwecke ausspiele. 3. Daß ich feige Verleumdungen verbreite. 4. Daß ich ein schwaches, der Schärfung bedürftiges Gedächtniß habe. 5. Daß anonyme Skribenten schon früher Hildesheimers Wirken bei diversen Anlässen begleiteten und 6. daß ich auch zu diesen Skribenten gehöre und daß meine Verehrung für Hildesheimer eine anonyme, plötzlich erwachte sei, die weniger geräuschvoll gehandhabt werden müsse. 7. Ich suche die Anhänger des Dr. Hildesheimer'schen Wirkens zu täuschen, ohne daß eS mir gelingt. Angenommen, das alles wäre so wahr und zutreffend, wie es leer und unerwiesen ist, ist eS dann nicht wieder dieselbe heillose Verquickung der Sache mit der Person? Was hat denn mein Persönchen mit der Sache zu thun, von der hier die Rede ist?