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Der Israelit · 1899-02-06 · Heft 11 (6.2.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 11 (6.2.1899)
Date
1899-02-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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213 v. Heimburg und Sänger, soll sich diese Ausnahme auch auf Wittwen von Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft erstrecken. Der Antrag wird von dem Abg. Cidensly (C.) begründet. M.nister v. d. Recke erklärt sich mit ihm einv.rstanden. Abg. Dr. Lieber ((5.) erklärt sich ebens rlls mit der Abänderung einverstanden; bie drennanatlrche Präklusivfrist findet seine besondere Zustimmung. Abg. Sänger (Dem.) bittet ebenfalls um Annahme des Antrags und kommt noch einmal auf die Frage der Lehrrrgehälter zurück. Ec habe erfahren, daß nicht nur die israelitische Religionsgesellschaft, wie bereits früher mitgetheilt, sondern auch die israelitische Gemeinde sich bereit erklärt habe, ihren Lehrern die Gehaltsaufbesserungen zntheil werden zu lasten und zwar spätestens bis zum 1. April nächsten Jahres. Er hofft, daß es dem Kultusminister gelingen werde, die Einführung des No maletatS zu beschleunigen und ihn vor dem 1. April 1900 durchzuführen. Die Lchrer warteten schon seit zwei Jahren auf die Gleichstellung mit den staatlichen Lehrern. Damit schließt die Diskussion und £ 1 wird mit Abänderungs-Antrag anaenommen. Rach £ 2 hat der Oberpräsident von Hessen Nassau die Befugniß, auch Angehörige aus dem Bezirk der früheren Stadtgemeinde Bockenheim dem Frankfurter Synagogenbezirk einzuverleiben. Nach einem Antrag derselben Antragsteller soll Folgendes hinzugefügt werden : „Mtt dem Tag der Einverleibung treten in dem Bezirk der ehemaligen Stadtgemeinde Bockenheim an Stelle der die gemeinhertlichen Verhälmrste der Juden dort bisher regelnden Vorschriften die für den Synagogengemeindebezirk Frankfurt a. M. geltenden bezüglichen Vorschriften einschließlich dieses Gesetzes in Kraft. — Minister v. d. Recke hat auch gegen diesen Antrag nichts emzuwenoen, wenn er ihn auch für überflüssig hält. § 2 wird mit dem Anträge ebenfalls angenommen. Köln, 1. Februar. Die Kölner hatten Montag den seltenen Genuß, einer zionistischen Versammlung beizuwohnen. Herr Dr. Marr Nordau war hierhergekommen, um sich als heilverkündenden Messias betrachten zu lassen. Durch die Tagesblätter war für Bekanntmachung im reichsten Maaße gesorgt, und so war denn der kleine Saal der Wolkenburg dicht besetzt. Man sah auch viele christliche Besucher, die jedenfalls wie ein großer Theil des jüdischen Publikums, nicht wenig überrascht sein mochten, einem Vortrag beizuwohnen, der einem Antisemitenführer alle Ehre gemacht hätte. Denn der Hauptinhalt der Nordau'schen Rede bestand außer aus einigen schönen Phrasen, aus heftigen Angriffen gegen die reichen jüdischen Financiers, gegen die „Protest-Rabbiner" (welchen Namen Herr Nordau all denen Rabbinern beilegt, die Stellung gegen den Zionismus genommen) „und gegen die aus dem Mittelalter stammende, den Juden noch heute anhaftende gräuliche Schnorrsucht u. s. w. Uebrigens war die Rede für denjenigen Zuhörer, der des Morgens beim Kaffee das „Berliner Tageblatt" oder gar die Wiener Blätter schon gelesen", höchst langweilig, denn er hatte sie Wort für Wort bereits darin stehen sehen. Dr. Nordau hatte nämlich die gleiche Rede in Berlin und Wien gehalten und dort ein unglückliches Debüt gehabt. Es gehört eigentlich schon eine große Dosis Zumuthun; dazu, sich wie Nordau, vor ein jüdisches Publikum zu stellen, um sich mit seinem Atheismus, seinem Freidenkerthum, seiner vollständigen Religionslosigkeit zu brüsten. Wie kann ein Mann, der also gänzlich außerhalb des Judenthums steht, es wagen, die Bewegung, die er leitet, eine jüdische zu nennen! Wie kann er erwarten, daß auch nur einziger Jude seiner Führerschaft vertraut! Wie kann er alle „Protest-Rabbiner" oder alle übrigen nichtzionistischen Juden in einer geradezu empörenden Weise angreifen? Wer hat wohl mehr Liebe und Sehnsucht nach Zion im Herzen, als gerade der fromme Jude, dessen tagtägliches heißes Flehen zu Gott die Rückkehr nach Jerusalem ist? Glaubt denn Herr Dr. Nordau, daß seine Reden, die von einem neu zu erstrebenden Judenthum überfließen, während seine Lippen es verlernt haben, den Namen Gottes auszusprechen, wirklich auch nur den geringsten Erfolg haben? Glaubt er, daß diese eitle Selbstberäucherung Eindruck macht? Im Gegentheil! Wenn Herr Dr. Nordau weiter fortfährt, in Mißachtung jeder anderen Ueberzeugung, in seinen Gegnern nur „Verleumder" zu erblicken, dann wird es schließlich auch seinen Getreuen wohl zu bunt werden und einsam wird er am Ende seiner Laufbahn angelangt sein. Nur gute Vorbilder erwecken die Liebe zum Guten und solange nicht an der Spitze der zionistischen Bewegung Männer stehen, die voll und ganz Juden sind, die also volle Bürgschaft bieten, daß alles, was geschieht und was erstrebt wird, die Anfangs- und Endziele, auf streng religiöser Grundlage aufgebaut wird, so lange wird man der Bewegung keinerlei Interesse entgegen bringen. Die Nothwendigkeit, daß die Bewegung nur gedeihen kann, wenn sie auf dem Boden unserer heiligen Emunah stehe, brachte Herr Rabb. Dr. Nobel zum Ausdruck, der als orthodoxer Rabbiner seine Collegen gegen die Angriffe des Herrn Dr. Nordau vertheidigte. Die Rede des Herrn Dr. Nobel war überaus treffend und gehaltvoll; sie gipfelte in der Ansicht, daß strenge Religiösität wohl vereinbar sei mit Zionismus. Indem er den atheistischen Standpunkt des Herrn Dr. Nordau in sehr scharfer Weise geißelte, hob er hervor, daß es Ideale seien, die der Zionismus erstrebe und daß ein jeder Jude sich für diese Ideale begeistern solle. Er erklärte,

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