Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1899)
- Date
- 1899-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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wmmm 207 nach Kanaans geweihtem Boden unternahm. Daselbst besuchte er die heiligen Erinnerungsstätten, ließ ausschließlich auf seine eigenen Kosten ein Haus für zwei L'22n bauen und spendete daselbst für seine dürftigen Glaubensgenossen namhafte Summen; aber auch jetzt entzieht er seinen Brüdern im Morgenlande seine mildthätige Hand nicht und immer wieder schickt er durch seinen Hausrabbiner neue Summen dorthin. Als in Holleschau das Bedürfniß nach Reftaurirung des schadhaft gewordenen, den sanitären Anforderungen nicht entsprechenden r?'p^ sich geltend machte, da ließ er sie fast ganz auf seine eigene Kosten Herrichten und mit allen Bequemlichkeitsvorrichtungen versehen. Als der orthodoxe Rabbiner in Ung.-Brod, Dr. M. Jung, ein jüdisches Privatgymnasium errichten wollte, da war er einer der ersten, der zu diesem Zwecke eine namhafte Summe zeichnete. Noch mehr als seine Religiosität in traditionellen Angelegenheiten, ist seine Freigiebigkeit zu rühmen, wobei zu bemerken ist, daß seine Mildthätigkeit auch den christlichen Nothleidenden zugute kommt. Nicht armselige Spenden, nicht verächtlich hingeworfene Almosen, nicht unbedeutende Gaben sind es, womit er der bedürftigen Menschheit zu Hilfe kommt, nein, er unterstützt dieselbe in solcher Weise, daß sie im Stande sind, die in Stockung gerathenen Vermögensverhältnisse zu ordnen und sich wieder zu neuer Arbeit schaffensfreudig emporzuraffen. Vorschüße und Darlehen ohne Zinsen, Bürgschaftsleistungen :c., diese Mittel wendet er an, um den gesunkenen Mitbruder wieder emporzurichteu. So sehen wir in ihm einen vollkommenen Jehudi, bei dem die Worte “rx 2722 r&r.v. rrrn anwendbar sind und eine würdige Frau, die ihn in seinem thatkräftigen Wirken unterstützt, steht ihm zur Seite, eine rsrx im wahren Sinne des Wortes. Brauchen wir noch zu erwähnen, daß ein solch edler Sohn nur der Sprosse edler Eltern sein könne? Wahrlich, die Frömmigkeit und Wohlthätigkeit seiner Eltern b": war in Holleschau sprichwörtlich, und wenn man seine Erzieher fragen mochte, wie es ihnen möglich geworden, in einer Zeit, in der jeder Sinn für das wahre Judenthum zu ersterben drohte, einen solchen Sohn zu erziehen, dann konnten sie ganz einfach wie der Vater Hillels zur Antwort geben: „Wir lehrten ihn Jon 7p\s‘ •“! r,x." Möge es diesem hervorragenden Philantropen vergönnt sein, seinen Ehrentag in ungestörter Freude, umgeben von seinen Lieben feiern zu können und möge Gottes schützende Hand ihm nie fehlen! England. London, 29. Jan. Herr Rehftsch, früherer Lehrer an der Unterrichtsanstalt der israelitischen Volksschule zu Frankfurt am Main, später Direktor der hiesigen Talmud-Thora-Schule, wurde als amtlicher Dolmetscher beim Gerichte im östlichen Stadttheile, woselbst die eingewanderten polnischen Glaubensbrüder domiciliren, angestellt. Wie der Jewisb Cbronicle berichtet, hatte die Wahl-Commission erklärt, daß von den vielen Candidaten keiner für diesen Posten sich meldete. Herr Rehfisch dagegen, der sich nicht meldete, berufen werden solle, da er alle Eigenschaften und Fähigkeiten, die für diesen wichtigen Posten erforderlich sind, besitzt. Rußland. Kurland. Zur Geschichte der Juden in Kurland geht der „Düna-Zeitung" von Herrn I. Lewinsohn eine Zuschrift zu, der wir Folgendes entnehmen: „Das neue bürgerliche Jahr 1899, das jetzt begonnen, ist für die kurländischen, respektive Rigaschen Juden aus dem Grunde von besonderer Wichtigkeit, weil am 14. (26.) März 1899 ein Jahrhundert verstoßen sein wird seit dem Tage, an welchem die erwähnten, seit Jahrhunderten daselbst zwar domicilirenden, aber bis dahin bloS tolerirten Juden das definitive, dauernde Wohnrecht in den ehemaligen Herzogthümern Kurland und Semgallen erhalten haben. Dabei ist auch der Umstand nicht außer Acht zu lassen, daß der eigentliche Kern der hiesigen Hebräergemeinde, oder mit anderen Worten, die ersten israelitischen Emwanderer in Riga jedenfalls zum allergrößten Theil kurländische Juden waren. So verlockend es auch dem Schreiber dieser Zeilen sein mag, hier auf die Geschichte dieser Juden näher einzugehen, so muß er doch, wenigstens vorläufig, davon Abstand nehmen, da diese Arbeit für den Nahmen eines Zeitungsartikels zu umfangreich ist, und wir behalten uns daher vor, diese historische Studie auf Grund offizieller eventueller neuer authentischer Quellen in einer besonderen Schrift zu veröffentlichen. Was nun die Geschichte der Juden in der alten Dünastadt anbetrifft, so wird, wie wir an maßgebender Stelle erfahren, über dieses Thema Heuer ein Werk aus der bewährten, rühmlichst bekannten Feder des Herrn Dr. A. Buchholtz erscheinen, das gewiß Alle befriedigen wird. — Für die literarische Seite wird also genügend gesorgt sein; cs bleibt daher erwähnten Hebräern bloß übrig, diese für sie hochwichtige Säculärfeier würdig zu begehen. — Wir sind weit davon entfernt, unseren Glaubensgenossen in dieser Hinsicht irgend welche Vorschläge zu machen und glauben geirost, dieses ihrem freien Entschlüße überlaßen zu können; nur ein Factum wollen wir hervorheben, daß nämlich der Tag der Befreiung der Juden in Kurland (14. (26.) März) gerade am Jahrestage der Befreiung der Juden aus Egypten (15. des Monats Nissan), also auf den ersten Tag des künftigen Passah- (Oster-) Festes fällt. Vor