Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1899)
- Date
- 1899-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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206 kann das Verfahren jener Zeitungen nur tadeln, aber sie fühlt sich nicht berufen, sich dieserhalb mit ihnen in eine Polemik einzulaffen." R. Lübeck, 31. Jan. Wenn ich Ihnen heute eine Mittheilung zugehen lasse, die im ersten Augenblick nach Reklame zu riechen scheint, so ist dies in Wirklichkeit doch nicht der Fall, denn bei meiner Mittheilung handelt es sich um einen ideellen Gewinn im Sinne des gesetzestreuen Judenthums. Es dürfte nämlich weite Kreise die Miltheilung interessiren, daß für Reisende, die Gebiete besuchen, wo überhaupt keine oder nur sehr wenige Juden wohnen, insbesondere für Seereisen und nach außereuropäischen Landern, jetzt durch streng rituelle Fleisch- und Gemüse- Conserven, auch Fleischertrakt für Suppen eine ausreichende und wohlschmeckende Beköstigung möglich ist. Derartige Conserven werden von der Fleischwaarenfabrik des Herrn B. Goslar in Lübeck in streng ritueller und fachmännischer Weise und bei bester Qualität unter Aufsicht des in orthodoxen Kreisen hochgeachteten Rabbiners Herrn Dr. Car letz a ch in Lübeck hergestellt. Uns sind viele Fälle bekannt, wo derartige Conserven als ausschließliche Nahrungsmittel auf Reisen und während längeren Aufenthaltes in Spanien und Sardinien, ebenso auf Seereisen nach Amerika und Australien dienten. Diese Conserven sind derartig zweckentsprechend zubereitet, daß, wie uns von authentischer Seite versichert ist, selbst solche, die die Reise hin und her, durch die Tropen und über den Aequator, also glühend heiße Gebiete, zurücklegten, in keiner Weise an Geschmack oder Frische verloren haben. Die betreffenden Reisenden haben, wie wir hören, es derartig praktisch gehandhabt, daß sie einen Stroh - korb, in der Form und in dem Aussehen, wie es bei Damenkoffern üblich ist, wählten, in welchem nicht nur die Conserven, sondern auch ein Spirituskocher, Teller und Besteck aus Nickel oder Neusilber rc. untergebracht waren. Für Seereisen oder wo sonst vielseitig Veranlaffung und Gelegenheit für derartiges Kochen ist, wird auch Kochgeschirr für Kartoffeln, Fische, Omelettes und last, not least ein Aufwaschnapf beigefügt. Die Conserven selbst werden in einfachster Weise in der Büchse selbst auf dem Spirituskocher erwärmt. Es bedarf also für den, der mit Suppe, Fleisch und Gemüse sich begnügt, keine weitläufige Beschaffung. Wir verdanken diese Mütheilungen dem Herrn Benjamin Hirsch in Halberstadt, dem ausreichende Erfahrungen zu Gebote stehen und hoffen, daß derselbe im Interesse dieser wichtigen rituellen Verpflegung für Reisende jede weitere noch zu wünschende Auskunft gern ertheilen wird. Würzvurg, im Januar. Herr Distriktsrabbiner Nathan Bamberger dahier versendet an die Gemeinden seines Rabbinats sowie an viele andere Personen nachfolgendes Circular: Die neuesten Berichte aus dem heiligen Lande lauten sehr betrübend, indem die Mehlpreise infolge schlechter Ernteaussichten fast um das doppelte gestiegen sind. Wenn nun unsere Glaubensgenossen dort stets auf die Unterstützung aus dem AuSlande angewiesen sind, so wird deren Lage durch solche außergewöhnlichen Verhältnisse um so drückender und sorgenvoller. Nebstvem rückt die Pesachzeit heran, welche es uns zu ganz besonderer Pflicht macht, diesen Armen tut heiligen Lande zur Deckung ihres M azzos-Bedarfes zur Seite zur stehen. Ich stelle daher die höflichste und dringende Bittte an Sie eine Sammlung zu M a z z o s in Ihrer Gemeinde vornehmen und deren Ergebniß baldigst anher senden zu wollen, damit diese Spenden rechtzeitig ihrer Bestimmung zugeführt werden können. Die öffentliche Nechnungsablage erfolgt wie bisher. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Aus Mähren, 29. Januar. (Wer Noth leidet, kehre hier ein, ihm soll geholfen werden.) Dieser Spruch ist mit goldenen Lettern im Herzen des Herrn Karl Beer r'.s in Holleschau geschrieben. Wir wollen keinem Menschen ein unverdientes Lob singen, denn ein solches Lob entwürdigt, aber anderseits muß Anerkennung dem gezollt werden, der es verdient. Und wahrlich wir sagen nicht zuviel, wenn wir Herrn Carl Beer, der Anfangs Februar mit seiner Gemahlin das 25jährige Hochzeitsjudiläum feiert, als einen Mann bezeichnen, auf welchen das Judenthum stolz sein kann. Es hat in den mährischen Gemeinden genug Philantropen gegeben, und es existiren gottlob noch heute eine stattliche Anzahl, sie alle aber reichen nicht heran an Karl Beer. Man wird umsonst Nachforschungen anftellen, um einen solch feurigen Glaubensgenossen, wie unser Jubilar es ist, in unserem engen und vielleicht auch weiteren Heimathlande zu finden, um einen solch tief religiösen Charakter, verbunden mit einer vor gar keinen materiellen Opfern zurückschreckenden Gottesfurcht, zu erspähen. Herr Bär ist Geschäftsmann, Inhaber einer Kleiderfabrik, aber nichtsdestoweniger verabsäumt er es nie, Talmud zu lernen und er hat sich durch seinen emsigen Fleiß eine solche Wiffensfülle angeeignet, daß er einer der bedeutendsten Talmudisten unseres Heimathlandes geworden ist. Um seinen Studien mit Eifer nachgehen zu können, hält derselbe einen Hausrabbiner, den gesetzestreuen Talmudgelehrten David Frankfurter Als im Jahre 1893 in Holleschau ein neuer Tempel gebaut wurde, da spendete er zu dem Zwecke, daß der Almemor in die Mitte gestellt wurde, eine sehr bedeutende Summe. Seine Liebe zum heiligen Lande war eine so glühende, seine Sehnsucht die Stätte zu betreten, allwo unsere Väer geweilt, gewirkt und gelitten, war eine so mächtige, daß er vor zwei Jahren, dem Drange seines Herzens folgend, eine Pilgerreise