Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1899)
- Date
- 1899-02-02
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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55 Bericht des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1897. (IV. Fortsetzung.*) I had the honour to be present at the public examination of tbe school before-the Passover vacation and I also took part in the tests to which the pupils were subjected. I was d^eply impressed by the soundness and thoroughness of the Instruction imparted in this school, While I noted with pleasure a complete absence of ostentation and of work done to produce an ,.effect“ upon the visitor, I soon became convinced that in this school the teachers are conversant with the best educatioual theories of the present day, and that they kuow how to turn this theoretical knowledge to practical account. Another praiseworthy feature is that the Programme is full without being over-Ioaded. It is ad mirable in itself, and admirably suited to the needs of Jerusalem. It seeks a high ideal, but the ideal is one which is well within the scope of the boys’ capacity. The result is an education of first-rate quality, an education which at once trains the faculties and provides the mind with knowledge, which not only ensures that the boy shall know but also that he shall think. Since the examination I have seen several of the boys and have found them well informed and also intelligent, an Observation which confirms the Impression made by the examination itself. On the latter occasion, after the departure of the Austrian Consul, I remained and spent some considerable time in examining the boys in Hebrew and Talmud. There, too, I was much pleased by the proficiency and Intelligence of the boys, they answered my questions lucidly in Hebrew, they narrated episodes in Jewish history both Biblical and Medieval, they gave me biographies of men like Saadiah Gaon, Maimonides, Rashi and Iben Ezra, they read and expounded the Talmud, they responded to all inquiries regarding the geography of the Holy Land and in all these subjects, with many others which it would be superfluous to enumerate, they showed not only a deep acquaintance with facts, but also manifested that Hebrew is becoming with them a living language. In the Director Mr. E. Cohn, and in Mr. David Yellin, Dr. Grünhut and Mr. Press the von Lämel-School possesses a staff of exceptional strength and talent. Israel Abrahams, Lecturer in Jews’ College, London. (Ich hatte die Ehre, bei der öffentlichen Schulprüfung vor den Pessach - Ferien zugegen *) 8. Nr. 686. zu sein, und betheiligte mich auch an der Prüfung der Schüler. Die Gründlichkeit des Unterrichts, der in dieser Schule ertheilt wird, machte tiefen Eindruck auf mich. Während ich mit Vergnügen die vollständige Abwesenheit von Ostentation und von Arbeit, welche auf den Besucher einen Effekt ausüben sollen, bemerkte, kam ich bald zu der Ueberzeugung, dass in dieser Schule die Lehrer mit den besten Erziehungstheorien der Jetztzeit vertraut sind, und dass sie diese theoretischen Kenntnisse in die Praxis zu übertragen verstehen. Ein anderer lobenswerther Punkt ist, dass der Lehrplan reichhaltig ist, ohne überladen zu ssin. Er ist an sich bewundernswerth und den Bedürfnissen Jerusalems wunderbar angepasst. Er strebt nach einem hohen Ideal, aber das Ideal ist ein solches, das wohl im Bereiche der Fähigkeit der Knaben liegt. Das Resultat ist eine Erziehung erster Güte, eine Erziehung, welche zugleich die Fähigkeiten bildet und dem Geiste Kenntnisse zuführt, die nicht allein sichern, dass der Knabe wisse, sondern auch dass er denke. Seit der Prüfung habe ich verschiedene Knaben gesehen und habe sie wohl unterrichtet und auch intelligent gefunden, eine Beobachtung, welche den durch die Prüfung selbst gemachten Eindruck bestätigt. Bei letzterer Gelegenheit blieb ich nach dem Weggange des österreichischen Konsuls, und brachte einige Zeit damit zu, die Knaben im Hebräischen und im Talmud zu prüfen; auch da erfreute mich die Tüchtigkeit und Intelligenz der Knaben. Sie beantworteten meine Fragen klar auf Hebräisch, sie erzählten Episoden aus der jüdischen Geschichte, sowohl der biblischen als mittelalterlichen, sie beschrieben das Leben von Männern, wie Saadjah Gaon, Maimonides, Raschi und Ibn Esra, sie lasen und erklärten den Talmud, sie beantworteten alle Anfragen bezüglich der Geographie des heiligen Landes, und bei allen diesen Gegenständen, sowie vielen anderen, die aufzuzählen überflüssig wäre, zeigten sie nicht allein eine genaue Bekanntschaft mit Thatsachen, sondern zeigten auch, dass bei ihnen das Hebräische zu einer lebendigen Sprache wird. In dem Direktor, Herrn E. Cohn, und den Herren David Yellin, Dr. Grünhut und Press, besitzt die Lämmelschule ein Lehrerkollegium von außergewöhnlicher Tüchtigkeit und Talent. Israel Abrahams, Professor in Jews’ College, London.)