Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1899)
- Date
- 1899-02-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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200 hat. Oeffne Deine Augen und siehe, ob es nicht den Anforderungen entspricht, die mein Herr und König an mich zu stellen die Gnade hatte." Und der König betrachtete den Ring von allen Seiten und er sah auch die drei Buchstaben, die eingegraben waren, einer neben dem anderen. „Was bedeuten die drei Buchstaben?" rief er dem Goldschmied zu. Doch dieser stand da und wußte nicht, was er antworten sollte. „Wenn Du nicht sofort die Deutung uns giebst, so bist Du ein Mann des Todes." Und der Goldschmied Hub an und sprach: „Mein Herr und König, das weiß ich selbst nicht. In meiner Herzensangst lief ich bis an den Thurm meines Herrn und dort war e'n Knabe von hoher Gestalt und gar lieblich anzuschauen. Er scherzte mit noch anderen Knaben und er hieß mich so zu thun, wie ich gethan." Und es sprach der König: „Wahrlich, kein anderer als mein Sohn Salomo war dieser Knabe, rufet ihn herbei, damit er uns verkünde, was diese drei Zeichen, eingegraben auf dem Rmge, bedeuten." Und der junge Salomo erschien vor dem Throne seines Vaters. Seine Augen leuchteten, als er seinen Vater erblickte. „Mein Vater und König," sprach er, „Du hast den Wunsch ausgesprochen, ein Kleinod zu besitzen, das Dir Deine trüben Gedanken verscheuche. Wahrlich, kein Kleinod, und wenn es auch das kostbarste sei, ist im Stande, dies so gut zu thun, wie der Gedanke an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Bedenke, daß auch die schlimmsten Zeiten einmal vorüber gehen werden und Du wirst Deine Seelenruhe wiedergewinnen. Deßhalb ließ ich auf den Ring schreiben: '' i' :, das heißt -ca?’ ca, auch dies wird vorübergehen." Und David weinte, umarmte und küßte seinen Sohn. Das Volk aber bewunderte die Weisheit, die Gott bereits dem jungen Salomo verliehen und es sprach Einer zu dem Andern: „Wenn dieser einmal König wird an Stelle seines Vaters David und er wird wandeln in den Gesetzen des Herrn, dann wird Israel nicht verlassen sein." a b b a t b l u m e n. Ein Märchen. Leise, leise streicht der Abendwind durch den Blumengarten. Jede Blume, die er wie kosend streicht, strömt um so lieblicher aus in Fülle dis, was ihr Innerstes Sein ausmacht, den Duft, ohne den eine Blume wohl das Auge entzückt, aber wie ein lebloses Gebilde, während die duftenden Blumen in einer Seelensprache zu uns sprechen. Königin auch in diesem Garten ist die Rose. In bunter Pracht und reicher Zahl prangt sie, halb offene, voll erblühte, große, duftende Blumen. Und sie neigen sich und flüstern unter der Berührung des Abendwindes und träumen einem neuen Tag entgegen und all dem Sonnenschein, den er bringen wird, träumen von dem Glanze, den sie entfalten wollten, stolz, selbstbewußt, wie die Rosen eben sind. Ein neuer Tag geht auf über dem Garten. Thaufrisch schauen die Rosen ihm in's leuchtende Angesicht, eben wachgeküßt von der Sonne belebendem Strahl. Mitleidig schauen sie herab auf ihre niedrigeren Gefährten, die Reseden und Levkoyen, die Nelken und Stiefmütterchen, sie bedenken nicht, daß ein Loos ihnen allen gemeinsam ist — zu blühen und zu welken. „Bin ich nicht schön und prächtig?" fragte die stolze schöne Rothe ihre gelbe Schwester. „Und wer kann mir etwas anhaben, da meine Dornen mich schützen?" Die Gelbe hat schon mehr Erfahrung, ihr Leben dauert schon einige Tage und sie weiß, daß alles vergänglich ist. Soll sie der schönen jungen Schwester den Jugendlraum stören? Wird sic ihr mehr Glauben schenken als dem bunten Falter, der ihr eben so köstliche Dinge von Leben und Jugend in's Dhr flüstert? Sie wiegt sinnend ihr Haupt. Sieh! da tritt ein junges Weib in den Garten, selber einer voll erblühten Rose vergleichbar, ihr voraus springen ein Knabe und ein Mädchen, zwei herrliche Menschenknospen. Die Frau trägt in der einen Hand ein Körbchen, in der anderen eine Scheere und weiß nicht, wem sie erst folgen soll, dem Knaben