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Der Israelit · 1899-02-02 · Heft 10 (2.2.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 10 (2.2.1899)
Date
1899-02-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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189 Weinberg, ein auch in weiteren Kreisen geachteter Jehudi und p zugleich, ahnte nicht, daß ihm an seinem Ehrentage so zahlreiche Ovationen zulheil werden würden. Herr Provinzialrabbiner D r. C a h n ein stets gern gesehener und gehörter Gast in unserer Gemeinde, war zu dem Zwecke hierhergereist, um dem Jubilar die eignen und die Glückwünsche des Provinzial-VorsteberamtS in Fulda zu überbringen, das in einer künstlerisch ausgestatteten Adresse Dank und Anerkennung für die seitens des Jubilars geleisteten Dienste zum Ausdruck brachte; die hiesigen Synagogenältesten überreichten ein kostbares Geschenk. Der Synagogenälteste Herr Jakob Plaut begrüßte in sinnigen Worten den Herrn Kreisvorsteher, der ob dieser Ansprache tief gerührt war. Auch Herr Lehrer Spiro hier feierte den Jubilar als guten Jehudi und wackern Helfer in allen Lagen des religiösen Lebens. Die Herren Vorsteher der Gemeinde Hersfeld ließen durch Herrn Dr. Cahn einen werthvollen Pokal, begleitet mit einem nach Form und Inhalt gleich schönen Dankschreiben, überreichen. Selbst der Landrath des Kreises, Herr Geh. Regierungsrath von Schleinitz, pries in einem eigenhändigen an den Jubilar gerichteten Schreiben die Pflichttreue und Gerechtigkeitsliebe des Herrn Kreisvorstehers. Der Jubilar dankte den erschienenen Gratulanten in längerer Rede, die er mit den Worten begann onem b» Samstag Abend fand sich ein größerer Kreis von Freunden des Jubilars in deffen Wohnung ein, um in gemüthlicher Weife denselben zu feiern. Halten wir beim Gottesdienste schon Gelegenheit, die hinreißende Beredsamkeit des Herrn Provinzialrabbinen Dr. Cahn n zu bewundern und uns an dem das Gepräge der Liebe und Begeisterung für rrw und tragenden Inhalt der herrlichen Predigt zu erbauen, so sollten wir nicht minder Gelegenheit haben, uns an der humorgewürzten Toastrede auf den Jubilar zu begeistern. Es war eine erhebende Feier, deren Eindruck nicht leicht verlöschen wird. Dem wackeren Jubilar rufen wir wiederholt zu sani rts. Jrrowrazlaw, 24. Jan. Wie ich aus sicherer Quelle erfahre, ist vom 1. Februar d. I. die verwaiste Klausrabbinerstelle am Bet-Hamidrasch, die seit zwei Jahren unbesetzt geblieben ist, von Herrn Rabbiner Dr. Bamberger aus Würzburg angenommen worden. Man hofft, daß derselbe auch als Religionslehrer an der hiesigen Religionsschule fungiren wird. Wir wünschen demselben viel Glück zu diesem Amte. Sarnter, 17. Jan. Der Senior unserer Stadtverordneten, Herr Holländer, feierte vor Kurzem seinen 70jährigen Geburtstag. Aus Anlaß dieser Feier schenkte der Jubilar der jüdischen Gemeinde, in der er bereits über 35 Jahre Vorstandsmitglied ist, eine prachtvoll ausgestattete Gesetzesrolle, die in der Synagoge durch Gesang und eine von Herrn Rabbiner Dr. Wreschner gehaltene Predigt feierlichst eingeweiht wurde. Zur Ausschmückung des Sitzungssaales der Stadtverordnetenversammlung, welcher der Jubilar schon mehr als 20 Jahre angehört und in der er das Amt des Schriftführers verwaltet hatte, stiftete der Jubilar Bilder unserer drei Kaiser. Herr Bürgermeister Hartmann brachte ihm die Glückwünsche der Stadt sowie der Elementarschule, deren Vorsteher der Jubilar mehr als 30 Jahre ist, dar. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde überreichten im Namen der Korporation, des Repräsentanten-Kollegiums und des Schulvorstandes einen prachtvoll silbernen Pokal. Eschweiler, 31. Jan. In unserer Nachbarstadt Jülich wurde die Einschränkung des Schächtens von den Stadtverordneten abgelehnt. In Aachen wurde der Rechtsanwalt Dr. Franken von einem antisemitischen Studenten des Polytechnikums von^Samson-Himmelstierna in seiner Wohnung angeschoffen, und in der Annahme, ihn getötet zu haben, erschoß sich Letzterer. Grund war eine angebliche Beleidigung des Studenten durch Dr. Franken. Eine Wiederbeleidigung des Dr. Franken wurde gerichtlich gesühnt. Dr. Franken ist nur leicht am Oberschenkel verletzt. vermischtes. LSgel, 4. Schebat. Einen schweren Verlust hat die hiesige Gemeinde durch den Tod des hier allfeitS geachtete» und belieben Kaufmann Weinberg erlitten. Derselbe, einer der Tüchtigsten und Vesten unserer Gemeinde, hatte einen reichen Geist, ein reines Herz und ein heiteres Gemüth. Er war ein streng-gesetzest>euer Jude, bewährte sich als ein tüchtiger Thorakenner und stellte fein bestes Wissen und Können ans die uneigennützigste Weise in de» Dienst seiner Gemeinde. Er war ein vorzüglicher N"Vp 7JD und als trefflicher pll in der ganzen Umgcge d berühmt. Diese Aemter bekleidete er besonders an den hohen Festtagen, und noch in seinem 91. Llbensjahre hatte er mit lauter und reiner Stimme daS .-»'pl-Gebet -um Erstaunen, aber auch zur Freude der ganzen Gemeinde verrichtet. Herr Kaufmann Weinberg ist in seinem 94. Lebensjahre nach kaum zweitägiger Krankheit sanft aus dem Leben geschieden. Es war ein überauzahlreiches Gefolge, welches dem Verstorbenen das Geleite nach der letzten Ruhestätte gab. Auch von den Nachbargemeinden waren viele zu diesem Zwecke herbeigeeilt. Ebenso hatten sich Nichtisracliten dem Trauergefolge angeschlossen, um dem ältesten Manne unserer ganzen Bürgerschaft die letzte Ehre zu erweisen. .irawn Insterburg. Im hiesigen Verein deutscher Lehrerinnen hat in dieser Woche der Kreisrabbiner Dr. Beermann einen gedankentiefen und formschönen Vortrag über „Hoffnungsideale der Volker" gehalten. In prachtvollen Aphorismen und geistreichen Apercus zeichnete der Redner nacheinander das Hoffen der Inder, Griechen und Römer und wieS nach, wie sie bei aller Innigkeit vaterländischer Gesinnung sich nicht zur Höhe allgemeiner Menschheit-Hoffnung zu erheben vermochte. Nur Israel giebt in seinen meffianischen Zukunftsbildern der gelammten Menschheit Antheil und er-, weitert seine nationalen Hoffnungen zu den universalistischen Heilsidealen aller Völker. Reicher Beifall lohnte die anregende» Ausführungen deS verehrten Redners.

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