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Der Israelit · 1899-02-02 · Heft 10 (2.2.1899) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 10 (2.2.1899)
Date
1899-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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186 erscheint, was soll dann die Welt erst von Euch reden? Ihr aber, so sollte man meinen, seid es doch der Ehre der Thora schuldig, die Ihr als ihr berufener Lehrer und Meister vertretet, nicht in einem unwürdigen Lichte zu erscheinen. Jeder Mensch gilt in erster Reihe in den Augen der Welt so viel und so wenig, als er selber aus sich macht. Hier in Euerer Lernstube, wo Ihr vor Gott allein und den heiligen Seforim steht, muß Euere Selbstanklage am Platze sein, aber der Welt gegenüber schmälert Ihr die Ehre der Thora, wenn Ihr auf Euere Ehre nicht achtet, hier gilt es den vollendeten Mann und Meister zu zeigen, als welche Euch die Welt mit Recht verehrt und bewundert. Vielleicht ist diese Wahrheit in dem bekannten Spruche der Väter enthalten: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich; bin ich aber für mich allein, dann (ist es gestattet von sich zu sagen) was bin Ich?" — Dazu kommt noch, daß Ihr in Wirklichkeit kein Unrecht gethan habt, wenn ihr alle erlaubten Mittel und Wege anwendet, um wieder zu Euerem Eigenthum zu kommen. Wenn die Polizei dann zu einer allerdings so unmenschlich grausamen Maßregel griff, die noch dazu aller Wahrscheinlichkeit nach einen Unschuldigen trifft, so habt Ihr das doch nicht gewollt und nicht beabsichtigt und die Verantwortung für diese Härte haben doch nur diejenigen zu tragen, die sie befohlen und vollzogen haben; Euch doch wahrlich nicht! Könnt Ihr wirklich sagen, daß Ihr mit Euerer Handlungsweise gegen einen Ausspruch von Schas und Poskim verstoßen habt?" Einen Augenblick schwieg Rabbi Jesaja auf diesen von leidenschaftlicher Freundschaft durchwehten Erguß seines ersten Vorstehers. Dieser Beweis der Freundschaft that seinem wunden Gemüthe offenbar wohl, aber ein wehinüthiges Lächeln verrieth dem aufmerksamen Beobachter sofort, daß die schwachen Stellen dieses Plaidoyers dem Scharfblick des Meisters nicht entgangen waren. „Ihr seid mir ein theuerer, treuer Freund", Hub er an, „aber, daß, wie die Weisen sagen, die Liebe das Gerade krumm macht, dafür seid Ihr jetzt eine sprechende, leibhaftige Bestätigung. Ein so treuer Freund eignet sich schlecht zum strengen, unparteiischen Richter. Wie könntet Ihr sonst nach Stellen in Schas und Poskim fragen, die über mein Thun den Stab brechen? Das können Euch die Kinder in der Schule sagen. Wenn Ihr nachher am Cheder vorüber geht, tretet einmal ein und laßt Euch von dem ersten Jungen, der Euch in die Hand kommt, die Erklärung von Raschi auf den ersten Vers unserer Sidra Mischpatim sagen. „Das sind die Rechtsfälle, die du ihnen vorlegen sollst." Ihnen, aber nicht außerjüdischen Tribunalen! Dort ist auch der Entweihung des göttlichen Namens, den wir tragen, gedacht, welche es bedeutet, wenn wir jüdische Rechtsstreitigkeiten, nicht nach dem Gesetz der Thora entscheiden, sondern vor die nichtjüdische Oeffentlichkeit zerren. Und wir haben hier doch Gott sei Preis und Dank, die Thora, unser richtig gehandhabtes jüdisches Rechtstribunal und ich, sein erster Beamter, rufe nach der Polizei." (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wScheitlieh ivelmal, Montags und Donnerstags, jedesmal ix mindestens jnci ftagm. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich »der oterteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per -uchhaudel verkehrt turch T. F. Pt et» »ck e r, Leipzig, U»hpüch 16. — Inserate 25 Pfennig die 4svaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfeunig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland uud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. Ssterr., für'- Ausland 16 Reichs-Mark, an die Spedition frane» ein-ufende». Eine «stdfe»dm»g »**««»** «otz aktiv» ei«gefa»dte« «amrferipten findet nicht statt, »»*» »ttttt stch »»» «So» •i*ftafctMs##it eine «opie zrrrückzirdehatte». Slalmlt (chanvtblatt). Lebender Artikel: Die Gesetzgebung. — Zeitungsnachrichten u. Corresvondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Fürth. Forbach. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Italien: Rom. — Vermischtes. — Feuilleton: Späte Sühne- (Fortsetzung.) Anhalt der ersten Bettaaei Leitender Arikel: Der Beginn des TageS für die religionsgesebliche Praxis. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Schenklengsfeld. Jnowrazlaw. Samter. Eschweiler. — Vermischtes. Feuilleton: Verkauft. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. München. Frankreich: Paris. England: London. Belletr. Bettage r Salomo als Knabe. — Sabbatblumen. Gxtra-Bettage r Spendenverzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hostuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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