Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1899)
- Date
- 1899-02-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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185 London. 29. Jan. Fräulein Annie Landau, Lehrerin an der israelit. Schule „Westminüer", wurde als Lehrerin der Evelina de Rothschild's Mädchenschule in Jerusalem atiaeileüt. ffräulcin Landau ist die Enkelin des rühnuiäist bekannten Talmudgelehrten Rabbi Michael .Lohn in Kleinerdlingen (Bayern). Washington. Artikel X des svanisch amerikanischen Fricdensvertrages lautet: Den Einwohnern der Territorien, deren L ouverä» etirt Spanien aufgiebt oder abtiitt. soll freie Ausübung ihrer Religion gesichert werden. Feuilleton. Späte Sühne. Von Robert Hänlein. 11) Nachdruck verboten. Die Rabbinerin, die der Unterhaltung der beiden Männer bisher stillschweigend zugehört hatte, fragte, ob es ihr gestattet sei, ein Wort zu sprechen; und als es ihr mit großer Bereitwilligkeit gestattet wurde, bat sie um Erlaubniß, einen Imbiß für ihren Mann holen zu dürfen, da er seit drei mal vierundzwanzig Stunden weder Speise noch Trank zu sich genommen hatte. Entsetzt fuhr der Vorsteher empor, als er dieses hörte. „Ein Heiliger wie Ihr, legt sich solche Kasteiung auf, und ich wage es, Euch mit Fragen und dem Gerede der Welt zu belästigen?" Er wollte gehen, doch der Rabbi hielt ihn zurück, während die Rabbinerin hinweg eilte, um für den Gatten ein stärkendes Mahl zu bringen. „Ich habe eine Bitte an Euch", Hub der Rabbi an „versprecht mir durch Handschlag, daß Niemand durch Euch erfährt, daß Ihr mich fastend angetroffen habt. Unter der großen Aufregung der jüngsten Tage, kann ich es meiner Frau nicht verargen, wenn sie es Euch verrathen hat. Wollt Ihr?" „Seid mauchel, Lehrer und Meister, das möchte ich so rasch nicht versprechen. Das Gegentheil möchte ich thun. In Schul' möchte ich es ausrufen, von Haus zu Haus möchte ich gehen und es Groß und Klein in die Seele hinein reden: „Ihr wagt es über Eueren Führer und Meister zu urtheilen und ihn zu verurtheilen wegen einer Sache, die doch keinem so nahe gehet als ihm selber." Ich möchte wohl wiffen, ob von den Unzufriedenen, welche die Geschichte mit Proßnitzer gegen Euch ausspielen, sich auch nur ein Einziger befindet, der ihrethalben sich auch nur einen Tag Speise und Trank versage. Ja, ich möchte wissen, ob, wenn ein anderer von einem so großen Schaden an seinem Bcsitzthum betroffen worden wäre, er nicht auch dasselbe gethan haben würde, wenn er hätte hoffen dürfen dadurch wieder in den Besitz seines Eigenthums zu gelangen!" „Ereifert Euch nicht", unterbrach rhn besänftigend Rabbi Jesaja, „und empfangt zunächst meinen heißen Dank für die gute Meinung, die Ihr nach allem Vorgefallenen auch jetzt noch von mir habt. Ich weiß, daß Ihr in dieser guten Meinung zur Zeit ziemlich vereinzelt dastehen werdet. Um keinen Preis möchte ich das Verdienstliche, das meinem Fasten etwa anhaftet, dadurch in Frage gestellt wiffen, daß es ausposaunt wird, um mir die Gunst der Menschen zuzuwenden. Es würde auch nicht viel helfen. Die mich nach der guten Seite hin beurtheilen, werden es auch ohmdies thun, und diejenigen, die meine Handlungsweise zum Schlechten auslegen, werden sich dadurch kaum eines beffercn belehren laffen. Könnte ich aber wirklich zweifellos auf die von Euch vorgeschlagenen Weise einen Umschwung der ungünstigen Gesinnung bewirken, ich möchte es nicht einmal. Man verdächtigte in mir ja keinen Unschuldigen, ich habe das Unrecht begangen, das man mir nachträgt. Ich bin auch nicht damit entschuldigt, daß vielleicht andere ebenso und gar noch schlimmer gehandelt hätten. Der Rabbiner, der anderen als leuchtendes Vorbild vorangehen sollte, hätte am wenigsten so verfahren dürfen wie ich es gethan habe. Deßhalb möchte ich mein Unrecht nicht beschönigen und verschleiern vor der großen Menge. Vielleicht rechnet mir Gottes Gnade diese Mißachtung, der ich mich damit aussetze, als Sühne an. Deßhalb bitte ich Euch inständig, schlagt ein, um mir durch Tkias Kaf (Handschlag) zu versprechen, daß Niemand von meinem Fasten durch Euch erfährt." „Euer Wunsch ist selbstredend für mich maßgebend", erwiederte der Angeredete, indem er seine Rechte in die dargebotene Hand des Rabbi legte. „Aber, wenn es mir gestattet ist, ein Bedenken zu äußern, so möchte ich doch zu erwägen geben, ob der von Euch vorgesehene Weg der rechte ist. Ich finde es begreiflich, daß Ihr für Euch Euere Schuld so schwer auffaßt als Ihr es eben thut. Aber ob Ihr nicht gerade mit Rücksicht auf Euere Stellung berechtigt, ja verpflichtet wäret, der Welt gegenüber Euere Handlungsweise in einem milderen Lichte erscheinen zu taffen, darüber kann man doch wohl verschiedener Meinung sein. Wohlverstanden, ich möchte nicht, daß Ihr in Euerer Darstellung auch nur um eines Haares Breite von der Wahrheit abweicht. Aber wenn Ihr jedem, der es hören will, den Vorgang erzählt, wie Ihr ihn mir eben erzählt habt, dann kann Euch kein Unbefangener hart beurtheilen. Wenn Ihr aber selber als reuiger Büßender