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Der Israelit · 1899-02-02 · Heft 10 (2.2.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 10 (2.2.1899)
Date
1899-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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nicht eingetroffen ist, daß die Berlinersche Bibliothek der deutschen Wissenschaft erhalten bleibt und, dank der Fürsorge und Liberalität einer Anzahl von Mitbürgern, künftig einen Bestandtheil unserer Frankfurter Stadtbibliothek bilden wird. Auf Anregung der Herren Charles L. Hallgarten und Rabbiner Dr. Horovitz dahier wurde die zu ihrem Ankauf erforderliche sehr namhafte Summe durch Beiträge zusammengebracht, welche Herr und Frau Baron Wilhelm v. Rothschild, die Herren Cb. L. Hallgarten, Georg Speyer, Theodor Stern, W. Bonn und Ed. Cohen sowie ein im Ausland lebender Frankfurter spendeten, worauf die genannten Herren Hallqarten und Dr. Horovitz die Berliner'schv Bibliothek endgültig erwarben und Namens sämmtlicher Beitragenden dem Magistrat für die Stadtbibliothek zum Geschenk machten. Dieselbe wird bereits in den nächsten Tagen übernommen und hierher überführt werden. Mit der Erwerbung dieser Sammlung, welche gegen 6000 Bände stark ist und deren Beschreibung ihr seitheriger Eigenthümer, Dr. A. Berliner, ein besonderes Buch („Aus meiner Bibliothek, Beiträge zur hebräischen Bibliographie und Typographie": Frankfurt, I. Kauffmann 1898) gewidmet hat, erhält die schon jetzt bekanntlich äußerst hervorragende Abtheilung der Hebraica und Judaica unserer Stadtbibliothek einen so bedeutenden Zuwachs, daß die letztere damit für diese Fächer, was Druckschriften anlangt, zweifellos an die Spitze aller öffentlichen Bibliotheken des Festlandes tritt. Es ist von großem Interesse, das stufenweise Wachsthum dieser Hebraica- Sammlung der Stadtbibliothek von bescheidenen Anfängen bis zu ihrer heutigen Bedeutung etwas näher zu verfolgen und so möchte ich mir gestatten, dasselbe im Folgenden wenigstens in den Hauptzügen zu skizziren. Ich folge dabei bezüglich der speziellen literarischen Würdigung ihrer einzelnen Hauptbestandtheile den Notizen, welche mir mein Mitarbeiter, der z. Zt. mit der Schlußredaction des in Vorbereitung findlichen wissenschaftlichen Katalogs unserer Hebraica und Judaica betraute Herr Dr. A. Freimann, freundlichft zur Verfügung gestellt hat. Die erste Grundlage unserer heutigen Sammlung legte das Legat des berühmten Sprachgelehrten Hiob Ludolf (1624 bs 1<Ü4), welcher der Stadtbibliothek am 31. Mai 1703 den größten Theil seiner orientalistrschen Bibliothek vermachte. An speziell hebräischen Werken enthielt sie freilich, den Studien der damaligen, vor Allem auf vergleichende semitische Sprachforschung gerichteten Gelehrten entsprechend, fast nur Btbelausgaben, diese allerdings in großer Zahl, und grammatikalische Schriften. Erst nach mehr als hundert Jahren kamen durch die auf Grund des Reichsdeputationshauptbeschlusses erfolgte, aber erst 1822 zum thatsächlichen Vollzug gelangte Säkularisation der Klosterbibliotbeken auch hebräische Bücher anderer Gattung an die Stadtbibliothek, wie z. B. Ausgaben der Mischno, des Talmud und selbst Gebetsammlungen, welche in jene geistlichen Bibliotheken wohl durch Coufiskation ihren Weg gefunden haben mochten. Einen weiteren bedeutenden Zuwachs erhielt die Sammlung sodann im Jahre 1861 durch die der Statbiblothek vermachte Bibliothek des 1860 als Lehrer an der Realschule der israelitischen Gemeinde (Pdilaatropin) verstorbenen Dr. Isaak Markus Jost. Ihr Werth besteht vor Allem in der großen Zahl von Broschüren über die Emanz'pationsfrage, sowie von Schriften über die Reform des Judenthums. Wenige Jahre nachher, 1867, schenkte unser Mitbürger, Herr Justizrath Dr. S. Fuld zum Gedächtniß seiner Eltern, des Kaufmanns Aron Moses Fuld (1,90—1847) und seiner Gattin Schönchen Fuld, geb. Schuster, die Bibliothek seines gelehrten Vaters, aus einer an und für sich nicht allzu großen, aber auserlesenen Zahl von Büchern bestehend, die zweifellos den werihvollsten Bestandtheil in der seitherigen Zusammensetzung der hebräisch jüdischen Abtheilung bildeten. Es ist eine Mustersammlung rabbinischer Schriften, in der kaum ein Werk vermißt wird, das ein Rabbiner für seine praktische Thätigkeit brauchen könnte. Ihren Werth erhöhen noch die vielen handschriftlichen Bemerkungen, die der gelehrte Fuld an den Rand der Bücher gesetzt hat, und welche, mit einer Einleitung von M. Horovitz versehen, in dem Werk „Beth Aharon" im Jahre 1890 zum Theil herausgegeben worden sind. Groß an Bänoezahl und an Werth ist endlich die Btbliothek des 1891 dahier verstorbenen Rabbiners Dr. Rehemias Brüll, welche die Stadtbibliothek mit dankenswerther Unterstützung der israelitischen Gemeinde und mehrerer Privatpersonen ankaufte. Sie erstreckt sich auf alle Wissensgebiete der jüdischen Literatur und besitzt namentlich eine sehr große Anzahl jüdischdeutscher Schriften; ihr Hinzulritt zu dem schon Vorhandenen war es erst, der die hebräische Abtheilung zu einer Sammlung größeren Stils erhob, vre auch eines ferneren systematischen Ausbaues würdig war. Ein solcher wird ihr nunmehr durch die Schenkung der Bibliothek Berliner, einer Sammlung, wie sie von einem Privatmann wohl selten auf diesem Gebiet zusammengetragen wurde. Seit fast 25 Jahren alljährlich längere Zeit zum Zweck seiner Studien in Italien weilend, hat sie ihr Eigenthümer mit seltener Fachkenntniß und mit großem Geschick erworben. Vor Allem seien aus ihren Beständen einige bibliographisch bisher nicht verzeichnete Unica erwähnt. So zuerst ein Gebetbuch für den Ritus der romanischen Gemeinden, im März 1510 in Konstantinopel gedruckt, sodann Festgebete nach dem Ritus von Aleppo, um die Mitte des 16. Jahrhunderts

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