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Der Israelit · 1899-02-02 · Heft 10 (2.2.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 10 (2.2.1899)
Date
1899-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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181 ja sie unterstehen sich sogar, die Wahrheit dieser Offenbarung zu leugnen. Ist denn ihnen das Zeugniß ihrer Vorfahren nicht genügend? Wagen sie es, ihre Väter der Unwahrheit zu zeihen? Ist es etwa denkbar, daß ein ebenso kluges, wie andererseits hartnäckiges Volk sich habe ein so umfangreiches Gesetz auferlegen lasten, wenn es nickt vollgültige Beweise der Wahrheit gehabt hätte? Würde Jisroel in Noth und Tod gegangen fein für ein Phantom? Oder will man gar jene lächerlichen Einwürfe gottesleugnerischer Menschen ernst nehmen, die da in ihrer Anmaßung und Albernheit, mit der sie alle großen Thaten, die der Herr für sein Volk verübt hat, nicht anerkennen, zu behaupten wagen, das Volk, das große Volk, dessen Kraft in Egypten durch schwere Arbeit gestählt und erprobt worden war, das Volk, welches Riesenbauten — man sehe sich nur die gewaltigen Pyramiden an — aufführen mußte — fast scheuen wir uns es jenen Gottlosen nachzusprechen — habe sich von Moscheh täuschen und durch natürliche Vorgänge, wie etwa starke Gewitter, in Angst und Schrecken jagen lasten? O, über die Armseligkeit solcher wahnwitzigen Ideen! Das Volk, das — wir wollen nur von nackten Thatsachen reden — das Sclavenjoch in Egypten überwunden, sich frei gemacht von den Fesseln der gewaltigen Bedrücker und endlich gegen krieggewohnte Volker gekämpft, sie aus ihren Felsennestern verjagt und besiegt hatte, dieses Volk, desten Heldenmuth mithin außer allem Zweifel steht, sollte sich wie Kinder gefürchtet undwie schwacheThoren habentäuschenlasten? O, wie versündigen sich doch diese Nachkommen, indem sie Schmach auf ihre Väter häufen und auf ihre große Vergangenheit! Fern liegt es uns, nach Beweisen zu suchen für die Wahrheit dessen, was uns unsere Voreltern überliefert haben. Aber betrachten wir das erste Gebot und die Zeit und Umstände seiner Ueberlieferung, und wir werden aus ihm selbst erkennen, daß nur der Ewige selbst solches verkündet haben kann. Es ist ja bekannt und natürlich, daß ein Mensch sich nur von vorhandenen und ihm zugänglichen Dingen einen Begriff machen kann. Will er sich beispielsweise einen Engel im Bilde darstellen, so wird er eine schöne Menschengestalt, mit Flügeln versehen, wählen. Will er sich das Böse verkörpert vor Augen vorführen, dann wählt er ein Bild des Abscheus; immerhin kann er sich nur ein solches denken, was in dem Bereiche der Natur liegt. In der damaligen Zeit nun, da Jisroel durch das ewige Wort begnadigt wurde, da herrschte noch der k-asteste Unglaube. Die Menschen dachten sich, da sie ja vom Uebersinnlichen, Unkörperlichen keinen Begriff haben konnten, auch ihre Götter mit Leibern nach der Natur der Irdischen und mit menschlichen Tugenden und Schwächen behaftet. Wie konnte man sich auch etwas rein Geistiges denken, da doch in der Natur nirgends so etwas zu finden war? Nur ein Wesen, daß außerhalb des Natürlichen, außerhalb des Irdischen, des Erschaffenen stand, konnte den Menschen über das Dasein eines rein geistigen Wesens belehren, dasseinesgleichen nicht hat auf der Erde und nicht im Himmel. Das konnte selbst ein Moscheh nimmermehr, denn er war ja auch in Egypten großgezogen worden, wo die Gottheit in körperlicher Form dargestellt und verehrt wurde, und wenn er auch der größte aller Menschen war, konnte er doch nicht eher von einem rein geistig aufzufaffenden Wesen reden, als bis er darüber belehrt worden war; und dies hat Ewige gethan, als er sich ihm im Dornbüsche zu erkennen gegeben und dem Volke auf Sinai erschien. Ja, gab doch Gott dem Moscheh noch später sogar Belehrung, indem er sagte: (2. Buch Moses, Kap. 33, V. 20) 'je jnrfc ^an uh 'n D-txn ’jxt vh '2. „Du vermagst Ntcht zu schauen mein Antlitz, denn nicht schaut mich der Mensch und lebt." Was also die Wahrhaftigkeit dieses großartigen Aktes der Gesetzgebung betrifft, so steht sie, abgesehen von dem vollen Zutrauen, welches wir unseren Vorfahren schenken, und welches zu verweigern, nur die Unnatur eines entarteten Gemüthes erregen wird, mithin unzweifelhaft fest. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. (Die Schenkung der Dr. A. Berliner's chen Bibliothek an die Frankfurter Stadtbibliothek.) Im Feuilleton der „Frankfurter Zeitung" Nr. 162 v. 14. Juni 1898 — zweites Morgenblatt — stand zu lesen: „Eine kostbare Privatsammlung hebräischer Bücher dürste demnächst wieder in's Ausland, nach England oder Amerika, wandern, wenn sich nicht bei uns ein Mäcen findet, der sie der deutschen Wistenschast erhält." Die Büchersammlung, die damit gemeint war und über deren werthvollen Inhalt der erwähnte Artikel sich noch im Einzelnen weiter verbreitete, ist die hebräisch jüdische Spezialbibliothek des Dr. A. Berliner, der durch zahlreiche Schriften um die Wistenschast des Judenthums hochverdienten Dozenten und Bibliothekars des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Heute können wir unseren Lesern mit Genuglhuung mittheilen, daß die Befürchtung jenes Arukels, die allerdings berechtigt genug erschien.

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