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Der Israelit · 1899-02-02 · Heft 10 (2.2.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 10 (2.2.1899)
Date
1899-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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180 von anderer Seite uns zugefügten schweren Unbilden und Ungerechtigkeiten, viel schmerzhafter noch, viel nachhaltiger wirkte aus uns der Jrrthum unserer Brüder, die unserer heiligen Lehre den Rücken wenden. Denn jene finsteren Geister der Bosheit und des Fanatismus, sie werden von der Gottheit gebannt werden, sie schwinden, wie die Schatten der Nacht der überwältigenden Kraft und dem Glanze des Tagesgestirnes weichen, vor dem Antlitze des Höchsten, wenn er sie anschaut in seinem Grimme, und sein hoher Wille ihnen ein Ende bereiten will. Aber diejenigen, welche aus unserem Volke abtrünnig sind, sie halten von uns zurück diese allgewaltige Macht der göttlichen Gnade, die nahe ist, sobald wir uns ihr nähern. Daß es aber die Unsrigen sind, die sich und ganz Jisroel soweit vom Ziele aller Hoffnungen entfernen, das ist es, was uns jene Freude, jene Wonne trübt, von der wir erfüllt sein dürfen, wenn wir an die Wichtigkeit unseres Berufes, an jenes große Ereigniß der Offenbarung uns erinnern. Vergegenwärtigen wir uns nur jene unvergeßlichen Momente, in denen der Ewige sich unseren Vorfahren in seiner Hoheit offenbarte! Lassen wir auf uns einwirken die ganze Macht jenes großen Weltereigniff s! Versetzen wir uns in jene dem großen Tage vorhergehende Nacht! Weit gestreckt, in tiefe Nacht getaucht, liegt sie da die schier endlos scheinende Wüste — ein Bild der finstern, langen Nachr des Elends, in welcher das eben befreite Volk so lange geschmachtet hatte. Tiefe Stille herrscht ringsumher," nur zuweilen wird das unheimliche Geschrei der Hyänen und Schakale vernommen — so mochte dem Volke die Stimme seiner Bedrücker, die es zu hartem Dienste und schwerer Frohnarbeit in trostloser Mizraitrscher Knechtschaft antrieben, gräßlich geklungen haben. — Wohl ziehen der Sterne Heere dort oben am Firmamente ihre Bahnen, aber ihr Licht ist nur ein schwaches — so war auch dem Volke, so lange es in Mizraim's Finsterniß geweilt hatte, ein schwaches Licht in seinem tiesbetrübten Herzen und Gemüthe, eine dunkle Ahnung von jener Verheißung verblieben sein, die der Ewige dem Erzvater Awrohom gegeben hatte, als er ihn hinausgeführt und hoch über das Irdische, zu höheren Welten erhoben (siehe Raschi zu 1. Buch Moscheh, Cap. 15, V. 5) und die Nachkommen mit den Sternen verglichen hatte. — Aber schwach, wie das Licht der Sterne, war auch des Volkes Hoffnung gewesen, denn zu sehr hatte unter dem körperlichen Drucke auch sein Geist gelitten. — Da, siehe! Fern am östlichen Rande der Wüste zeigt sich ein lichter Streifen, die Sterne beginnen immer mehr zu erblassen, je mehr er an Ausdehnung gewinnt. Noch ist es ruhig und stelle im Lager der Israeliten, die einem sorgenlosen Schlafe sich hingegeben haben, denn sie wissen unter Gottes Schutz in dieser Wüste sich sicher. Hier athmen sie ja frei auf, und fühlen sich wie Fürsten, während sie in dem fruchtbaren Lande Mizraim's kummervolle Nächte voll der Angst und Sorge durchwacht hatten. — Aber der Ewige harrt selbst der Erfüllung des von ihm gegebenen Wortes und, (siehe Raschi 2. Buch Moscheh, Kap. 19, V. 16), wenn es irdischer Brauch ist, daß der Untergebene der Ankunft seines Herrn und Gebieters, der Schüler seines Lehrers erwarten muß: Der Allmächtige schritt früher an das große Werk, bevor noch das Volk sich eingefnnden hatte. Die Dämmerung, die war herangebrochen, das goldene Morgenroth des Tages der geistigen Erlösung erglänzte, und siehe gewaltige Stimmen aus der Höhe machten die Erde in ihren Grundfesten erbeben, grelle Blitze durchzuckten die Lust und schwere dichte Wolkenmassen hatten sich um den Sinai-Berg gelagert, und himmlischer, dröhnender Posaunenton erscholl urkräftig und unbeschreibbar gewaltig durch die fernsten Weiten. Berge erzitterten und Hügel wankten, es war als ob das Weltall in ein Nichts verwandelt werden sollte. Als das Volk die Stimme der Allmacht vernahm, da bemächtigte sich seiner furchtbarer Schrecken, und der Geist des Lebens schien ihrer sich zu entwinden. Wie einstens in Mizraim plötzlich das Donnerwort des göttlichen Mannes Moscheh und die Zeichen des Ewigen Pharao mit Entsetzen erfüllt hatten, so wurden von heftiger Angst ergriffen die Kinder Jacob's, ob der Stimme des auf Cherubim Thronenden. Und der göttliche Führer geleitete das Volk dem seiner harrenden Gotte entgegen, wie die Braut dem Bräutigam entgegengeführt wird, hin brachte er sie zu dem Berge, der zum Trauhimmel erkoren war (siehe Sohar zu jwwna). Und wie der Bräutigam der Geliebten den Ehebrief überreicht, so verbindet sich der Ewige mit seinem Volke durch die offenbarten Worte des Gesetzes, und willig und freudig gingen sie diesen Bund ein, die Söhne der felsenfesten Ahnen, und sie nahmen alle Verpflichtungen, die ihnen aufgetragen wurden von Gott und seinem getreuen Diener Moscheh willig an, mit der Versicherung, alles erfüllen zu wollen im vollen Vertrauen auf den Höchsten {2. Buch Moscheh, Cap. 24, V. 7) ihjjmi nw: *n *m „Alles, was der Herr redet, werden wir ausüben und hören, riefen sie einmüthig aus, sie setzen das new „wir wollen es ausüben" dem vsv: -wir wollen hören" voran, d. h. sie unterzogen sich dem Willen des Höchsten, versprachen nach seinem Willen zu handeln, bevor sie alle, die sie verbindenden Gesetze vernommen hatten. Vor allem Volke waren diese erhabenen Ereignisse geschehen, sie alle, die Kinder Jsroeil haben das Wunderbare geschaut, und dennoch sind ihre Nachkommen später vom rechten Pfade abgewichen;

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