Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1899)
- Date
- 1899-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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n» Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum Begründet von Dr. fe^mann in Iftlains. Donnerstag, de« 2. Leitender Artikel. Die Gesetzgebung. (Zu DU' «na.) Von Simon Frankfurter, Wesel. Wer ist eS, der da in Worte zu kleiden vermag die Macht der Gefühle, die den von der ewigen Wahrheit der Allmacht Gotttes durchdrungenen Jehudi überkommen, so oft er jene gewaltige Schilderung des großartigsten aller Ereignisse, der Gesetzgebung, verlesen hört. Wie so mannigfach und überwältigend stnd die Eindrücke, welche die Betrachtung jenes großen Moments der Geschichte hervorruft, durch welchen unser Volk die erhabene Berufung erhalten hat, ein Zeuge der ewigen Wahrheit, Verkünder der Einheit des Weltenschöpfers und Träger der sittlichen Idee zum Wohle der ganzen Menschheit zu werden. Welche Fülle der Erinnerungen aus unserer großen Vergangenheit regen unser Gemüth mit übersinnlicher, unbeschreiblicher Macht an und geben uns gar sehr Veranlassung zum Nachdenken. Vor allem werden wir von Dankgefühl gegen den Höchsten erfüllt, der uns aus den Sklavenfesseln befreit und uns vor seelischer Umnachtung bewahrt und zur Quelle des reinsten Lichtes geführt hat. Von Selbstbewußtsein und Befriedigung werden wir erfaßt und zur Begeisterung hingerissen, wenn wir erwägen, wie der erhabenste, alles beherrschende König aller Könige, dessen Herrschaft sich über die unermeßlichen Weiten des Raumes und der Zeit hinaus erstreckt, uns, das winzigste aller Völker auserwählt und uns den kostbaren Schatz zur Bewahrung und Behütung anvertraut hat, durch den alles, was Lebensodem in sich trägt, glück¬ Februar 5659 <1899). lich werden soll. An dem in unserer Mitte strahlenden Lichte sollen sie alle, die Völker der Erde, ihr Feuer entzünden; und die uns überlieferte Wahrheit, sie wird am Ende der Tage den Sieg davontragen. Inniges Vertrauen und feste Zuversicht aber erfüllt uns, wenn wir das Wunder unserer Erhaltung betrachten. Während mächtige Völker trotz der in ihnen wohnenden scheinbar unverwüstlichen Kraft vom Erdboden verschwunden sind, ist unser Volk, das winzig und verlassen dasteht und dem Drucke und der Peinigung ausgesetzt war und so Furchtbare» erdulden mußte, dennoch erhalten geblieben und von dem Schöpfer dK Himmels und der Erde nach der Verheißung bestimmt, Wonne und Freude als Lohn für getreues Ausharren zu schauen. — Aber auch Wehmuth, unnennbare Wehmuth beschleicht uns, wenn wir es mitansehen müssen, wie so viele unserer Brüder jenen hehren Schatz so gar gering achten und treulos gegen seinen Geber handeln und gefühllos gegen diejenigen, welche mit ihrem Leben dieses kostbare Gut gehütet, und als treue Kämpen mit ihrem Blut ihre Wahrheitsliebe besiegelt haben. We tauschen doch jene Bethörten unseres Volkes Eitles gegen Werthvolles ein und geben, indem sie ihre Vergangenheit verleugnen, auch ihre Zukunft preis. Wohl empfinden wir auch Schmerz darüber, daß unsere heilige Lehre, daß wir selbst von den Völkern verkannt werden; wir beklagen die Opfer, die ehemals in finsteren Jahrhunderten der Unduldsamkeit anheimfielen, und diejenigen unserer Brüder, die noch heute von dem Fanatismus zu leiden haben. Ja, der aufs Neue in der Heutzeit wiedererstandene Haß trifft unser Gemüth in mancher Beziehung noch schwerer, als der früherer Jahrhunderte, denn er liefert den Beweis, wie lange es dauert, bis selbst einem erleuchteten Zeitalter das Morgenroth der Liebe und des Friedens dämmert, nach dem ja alle» zu trachten wähnt und vorgibt. Aber trotz all dieser.