Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1899)
- Date
- 1899-01-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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RP 168 nannte. R. Josua ben Chananja suchte das Volk zu beschwichtigen, indeß 132 (die Zeitbestimmung ist nicht ganz sicher) brach ein Aufstand auf, zum großen Theil durch R. Akiba veranlaßt, ein Mann von großem Optimismus. Bar Kochba, der eigentlich wohl Simon hieß und aus Kesib war, den R. Akiba aber Bar Kochba, den Sohn des Sterns genannt hatte, stellte sich an die Spitze, nahm 50 Erste Städte und 548 kleinere Plätze ein, eroberte auch Jerusalem und ließ hier Münzen prägen mit der Inschrift Tiferath Jeruschalayim. (In Frankfurt existirt eine ziemlich vollständige Sammlung seiner Münzen.) Jetzt gerieth Nom in Schrecken, Feldherr auf Feldherr kämpfte vergeblich mit den Juden, bis Hadrian sich genöthigt sah, seinen besten Feldherrn, Severus, aus Britannien, abzurufen und nach Palästina zu schicken. Es gelang ihm durch Zickzackzüge die Juden zu ermüden und ihnen alle Städte wieder abzunehmen. Nur die Festung Bethar vertheidigte sich heldenmüthig unter Bar Kochba lange Zeit. Endlich fiel Bar Kochba, die Festung mußte sich übergeben, aber theuer hatten die Römer den Sieg bezahlt, ihr Heer befand sich in entsetzlicher Verfassung. Römische Schriftsteller bezeugen die Todesverachtung und Tapferkeit der Juden und die schweren Niederlagen ihrer Gegner. Nun wendete sich Hadrian gegen alles Jüdische, auch das Gesetz durfte nicht mehr gelehrt werden. Bei der Übertretung dieses Verbots wurde R. Akiba ertappt und zur Strafe ihm die Haut und das Fleisch mit glühenden Zangen vom Leibe gerissen. Ihn und die anderen Märtyrer dieses Verbots verherrlicht die Selicha am Versöhnungstag. Seitdem ist viel Leid über das Volk gekommen und Mancher hat den Namen Gottes geheiligt. Es hat den Tod vorgezogen, wenn es auch sein Leben durch ein Wort oder ein Tropfen Wasser retten konnte; sein Gesetz schützt es gegen Verlockungen. Aber es ist nicht dazu berufen, die Erfüllung der göttlichen Versprechungen mit Gewalt zur Erfüllung zu bringen. Wenn es auch keine Kriege führte, hat es doch durch seinen Heldenmüthigen Jahrtausende langen Widerstand sich bewährt als eines der edelsten, vielleicht das edelste Volk. Württemberg. Der Rechenschaftsbericht des isr. Lehrerunterstützungsvereins pro lö97/yS ift ausgegeben worden. Der Verein ist nach ihm seiner Aufgabe in weitestem Maße nachgekommen, indem er bei nur 57 Mitgliedern 2800 M. Unterstützung verlheilte. Die zahlreichen Gaben aus den Gemeinden des Landes, von Freunden und Gönnern ermöglichten nicht nur diese hohe Summe zur Vertheilung zu bringen, sondern gestatteten dem Verein auch, seinen Grundstock, der jetzt 51164 M. beträgt, die Summe von 1100 M. zuzusühren. Der Tod des Herrn Bankier Sontheimer in Stuttgart, der so eifrig für die Interessen des Vereins dort thätig war, sowie der des Herrn Religionslehrers Königsbacher in Rottweil waren die schmerzlichen Anlasie, die der Verein in diesem Jahr zu verzeichnen halte. Doch war ihm auch die Freude vergönnt, seinem verehrten Vorstand Herrn Oberlehrer Stern in Eßlingen, an der Jubilfeier 25jähriger Thätigkeit eine dankbare Anerkennung für sein reiches Werken im Dienste der Lehrerschaft zu Theil werden zu lassen. Auch seinem Mitglieüe, Herrn Lehrer Strauß in Brannsbach, durfte der Verein zur 25jährigen Wirksamkeit dort herzliche Glückwünsche darbringen. Die jährliche Versammlung berieth über „die Verhältnisse der isr. Lehrer und Vorsänger des Landes und die Lage des Dienstes derselben." Eine umfassende Dankschrift an die König!. Isr. Oberkirchenbehörde war die Frucht dieser Versammlung. Möge Die Behörde den darin ausgesprochenen Wünschen in vollem Maße Beachtung schenken, damit die Lage der Lehrer Württembergs, die besonders für Die strebsamen und jungen Lehrer eine wenig beneidenswerthe ist, eine befriedigendere werde. Holland. Amsterdam, 15. Jan. (Fortsetzung; siehe „Israelit" vom 5. Januar). Die Correspondenz zwischen dem Magistrate und Dr. Dünner schloß mit ernem Brief des ersteren, des Inhalts, daß da der Oberrabbiner Anstand nahm, die Namen der Schüler und Lehrer zu nennen, die den Anlaß zu seinen Beschwerden gegeben hatten, die Sache nicht weiter verfolgt werden könne. Offiziell wurde denn auch nichts wichtiges mehr über die Streitfrage vorgebracht. Zwar kam sie auch noch im Abgeordnetenhaus zur Sprache, doch hatten die Debatten nur wenig Bedeutung. Der Minister des Innern war augenscheinlich nicht ganz gut unterrichtet, worüber man nicht erstaunen wird, wenn man bedenkt, daß unter den Glaubensgenosien, die in der Beamtenwelt eine Stellung einnehmen oder in anderer Weise mit den Ministerien in Verbindung stehen, kein einziger orthodoxer zu finden ist. Der Minister ist außerdem von einer politischen Richtung, die ein energisches Auftreten gegen die Lehrer, welche durch ihre moderne Weltanschauung die Neutralität unsere Staatsschule gefährden, kaum erwarten ließ. Hörte man also von Stadt- und Reichsbehörden nicht mehr viel in unserer Angelegenheit, um so heftiger wurde nun von Anderen der Streit geführt. Wochen lang waren die Tageszeitungen gefüllt mit Betrachtungen von Freunden und Gegnern. Daß die Blätter der nichtjüdischen orthodoxen Parteien es für Dr. Dünner aufnehmev, versteht sich von selbst; doch auch die vornehmsten liberalen