Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1899)
- Date
- 1899-01-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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162 nur mit dem Munde sondern auch mit dem Herzen „Zionisten" seid, sammelt, gebet, spendet, damit recht bald wieder eine große Summe an das Amsterdamer Central-Comitä abgeschickt werden kann. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. ER. Berlin, 22. Jan. In der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde verlas der Vorsitzende zunächst ein Schreiben des Herrn Bankdirektors I. Sachs, in welchem der Wunsch ausgesprochen wird den Repräsentanten-Stellvertretern die Theilnahme an den geheimen Sitzungen zu gestatten. Hierauf findet die Ergänzung von Kommissionen statt. In die Kommission für den Religionsunterricht werden die Herren Syndicus Dr. Minden und Prof. Blaschke gewählt, in die Kommission zur Beschaffung von Koscher-Fleisch Herr S ü ß kin d, in die Geschäftsordnungskommission Herr Justrzrath Apolant, welcher den Antrag stellt, die alte Kommission zur Wahl eines Rabbiners bestehen zu lasten. In seinem und im Namen der Neugewählten erklärt Herr Profeffor G ei g e r, er betrachte sich nicht als Vertreter einer einseitigen Richtung, die Gemeinde bedürfe eines orthodoxen und eines freisinnigen Rabbiners, eine neue Kommission könne sehr gut Beide wählen. Herr Maurermeister Fraenke l gibt die Erklärung ab, daß er kein Mandat für die Kommission zur Wahl eines Rabbiners mehr annchme. Zur Prüfung der Baurcchnung in der Synagoge Lützowstraße werden die Herren Leonhard Sachs und Albert Philipp Meyer ausersehcn, zur Auswahl von Synagogenplätzen die Herren Commerzienrath Friedländer und Albert PH, Mayer. Für den Norrnalbesoldungsetat werden die Herren Pros. Blaschke und Landgerichtsrath Löwe nominirt, in die Kantorenwahlkommission Herr Prof. Geiger. Dieser Kommission wird das Recht zugeftanden drei musikalische Mitglieder zu cooptiren. Die Zuwendung der Frau Franziska Ginsberg, geb. Sachs an die Waisencommission im Betrage von 3000 M. wird entaegengenommen. Für die Zinsen des Eugen Rieß'schen Legats c. 105 M. sollen die Zöglinge des R-nchenheim'schen Waisenhauses in die Feriencolonien gehen. Bei Punkt 5 Verwendung des Felix Blumenthalffchen Nachlasses entstehen große Debatten. Der Vorstand beantragt die Hälfte dem Relictenfonds für Beamte der jüdischen Gemeinde zuzuwenden, die Repräsentanten fordern die ganze Summe. Das Endresultat ist unklar und erregt Lachen in der Versammlung. Die Bewilligung einer Beihilfe an die David H e r z o g'sche Freitischstiftung von 500 M. wird gewährt, desgleichen 726 M. zur Anlage einer Gasleitung auf dem Friedhof Weißensee, ebenso 620 M. zur Herstellung von Trennungswänden in der Veranlagungscommission. Gegen die Gummiwaarenfubrik C. Müller wird eine Schadenersatzklage angestellt. Diese Firma hat ihre giftigen Abwässer auf den Friedhof in Weißensee laufen lassen, es find hiedurch in einer Reihe von Erbbegräbnissen die Blumen abgestoßen und der Erdboden für neue Anpflanzungen unbrauchbar geworden!!! — In geheimer Sitzung wird ein Betrag von 10,000 M. für die zu errichtende Gemeindebibliothek doch nur zu Händen des Vorstandes bewilligt. Frankfurt a. M. Am 16. Januar sprach im Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Prof. Dr. A. Sulzbach über die letzten Erhebungen der Juden unter römischen Kaisern. Schon zur Zeit des Tempels waren Gemeinden am Euphrat, in Nordafrika und Italien entstanden. Alle waren durch ein geistiges Band verbunden, alle hofften auf Rückkehr nach dem heiligen Lande. Nicht lange nach der Zerstörung des Tempels versprach Kaiser Trajan ihn wieder ausbauen zu lasten (nicht Hadrian, wie man bis vor 18 Jahren glaubte), weil er an dem Judenvolk eine feste Stütze zu haben hoffte. Allein in Folge der Bemühungen der Samaritaner soll er unannehmbare Bedingungen gestellt haben, wie die seitliche Verlegung vom geweihten Platze weg (Redner ist der Ansicht, daß unter den Samaritanern hier die neue Sekte der Christen, und zwar die Heidenchriften zu verstehen sind, denen eine Kräftigung des Judenthums ein Dorn im Auge sein mußte.) Eine allgemeine Empörung bemächtigte sich der Gemüther und ein Aufstand brach in allen von Juden bewohnten Gegenden aus. Die jüdischen Anführer waren Andreas und Antimon; schreckliche Kämpfe wurden geführt, jahrelang dauerte das Blutbad, noch zwei Jahre nach Trajans Tod wüthete der römische Feldher Quietus. Große Trauer beherrschte die Gemüther, alles Gepränge verstummte, aller Gesang wurde eingestellt, auch der Gebrauch der griechischen Sprache wurde verboten, nur die Todten wurder reich geschmückt und bekränzt. Aber auch dies wurde, der Armen wegen, von R. Gamliel abgeschafft und die einfachste Bestattung im weißen Gewände vorgeschrieben. 119 wurde Quietus von Hadrian zurückberufen. Auf letzteren richteten sich nun die Hoffnungen der Juden. Allein er fürchtete nur zu große Unzufriedenheiten in seinem Reiche zu erregen, wenn er den Tempel wiederherstellte und schlug nun den entgegengesetzten Weg ein,-indem er die Stadt zu einer heidnischen machte, eine Statue des Zeus dort errichten ließ und sie Aelia Capitolina