Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-01-30 · Heft 9 (30.1.1899) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 9 (30.1.1899)
Date
1899-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448963--47619-2497980
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

164 Zeitungen mußten zugeben — wie zögernd und widerwillig es auch mnstens geschah — daß es Thatsachen gab, die die Aeußerungen von Dr. Dünner vollkommen begreiflich machten. Die Gegner schwiegen jedoch auch nicht. Durchaus nicht. Es gab deren, die im auffallenden Gegensatz zu der vornehmen Ruhe von Dr. Dünner ein gewaltiges Geschrei erhoben. Und was dabei am unangenehmsten berührte — jedoch nichtsdestoweniger sehr gut zu erklären ist — Stammes genossen waren es, die den häßlichsten Ton anschlugen. Da war z. B. ein gewisser Advokat, Sohn eines ehemaligen braven, pflichtgetreuen Haager Schochet, der mit beispielloser Unverschämtheit seine Ansichten ausposaunte; da war ein Mitglied der Haager Repräsentanz, welches auf hämische Weise seine Meinung zum Besten gab, da war endlich — und wiederum im Haag — eine Anzahl von Mitgliedern der Sektion eines Vereins, welcher „zum Nutzen der Israeliten" wirken soll, die mit großem Getöse protestirten. Viel Vergnügen hatten die Herren jedoch nicht von ihrem Lärmen, denn von verschiedenen Seiten wurden die Unmanirlichkeit ihres Auftretens, das Unrichtige und Oberflächliche ihrer Behauptungen ins rechte Licht gestellt, während die erwähnte Haager Sektion mit ihrem Ersuchen an das Amsterdamer Hauptcomit«, eine außerordentliche Versammlung einzuberufen, welche gegen das Auftreten Dr. Dünner's Protest erheben sollte, glänzend Fiasko machte. Durch den hier bestehenden Verein zur Förderung der Interessen des Judenthums war inzwischen bereits die dringende Nothwendigkeit des Bestehens von jüdischkonfesfiomllen Schulen ausgesprochen. Wie bereits angedeutet, die Stellungnahme einiger Liberalen kann uns nicht wundern. Diese Herren verstehen nur allzugut. daß die Orthodoxie sich die besten Waffen verschafft, durch die Heranbildung von frommen, vielseitig gebildeten Staatsbürgern. Die Albernheit ihrer Behauptungen: es können Religion und Wissenschaft nicht zusammen gehen, es sei heutzutage für die Orthodoxie kein Platz mehr, würden ja dadurch zu deutlich kund werden. Dann gibt es aber noch einen anderen Grund von Bekämpfung für die Irreligiösen. Die meisten ihrer, die bei uns im politischen und im Allgemeinen im sozialen Leben eine Rolle spielen, haben es hauptsächlich durch die Stimmen und den Emfluß der Orthodoxen so weit gebracht. Würde nun nach und nach durch frisches, jüdisches Leben der Geist der Gesetzestreuen wieder rege, dann würde man bald einsehen, daß es nicht stets richtig war, die Liberalen in den Vordergrund zu schieben, und die letzteren würden ihren Emfluß zum großen Theil anderen überlassen müssen. Es darf dabei mcht übersehen werden, daß bis vor einigen Jahren außer Rabbinen und Rabbinaiskandidaten hier in Holland unter den frommen Juden kein einziger akademisch Gebildeter und überhaupt nur sehr wenige mit gründlicher profaner Bildung Ausgeftattete zu finden waren. Und auch heute ist ihre Anzahl noch nicht sehr groß. Dadurch meinte man von orthodoxer Seite, daß in nicht spezifisch jüdischen Angelegenheiten — bis vor sehr kurzem, sogar auch in Religionssachen!! nur die Freisinnigen das Wort führen müßten. Man „bewies Referenz" dem Doktorhüte und erstarb in Demuth vor einem Professor. Dieser Zustand beginnt so nach und nach besser zu werden und wenn nun Schulen gegründet werden, wo neben vorzüglichem Religions-, nicht minder trefflicher, profaner Unterricht gegeben wird, dann kann es einmal für unsere Freigeister noch viel ärger werden.- Wird nun — das ist die Hauptfrage — der gute Zweck bald erreicht werden? Darüber, sowie über eine Sitzung der hiesigen Repräsentanz, worin die „Affaire Dünner," wie sie genannt wird, behandelt wurde, das nächste Mal. England. London, im Jan. Die im östlichen Stadttheile wohnenden polnischen Glanbenbrüder sind mit dem Religionsunterricht der jüd. Freischule (Jewish Freeschool) nicht befriedigt und lassin ihren Kindern Privat-Unterricht in „Brbel-Uebersktzurig, Raschi rc. in der „Jargon-Sprache" des Abends, nachdem sie die Freischule besuchten, ertheilen. Es existiren mehrere hundert solcher Privat-Chedarim und man nimmt an, daß von den 3500 Kindern der Freischule circa 2000 die Chedarim besuchen. Lord Rothschild, der Präsident der Freischule, befürchtet nun, daß sich die Kinder überarbeiten und erließ nachstehendes Circulär, welches in mehreren Tausenden Exemplaren in der Jargon-Sprache — sowie im Englischen an die Kinder vertheilt wurde. Es lauter, wie folgt: .■mpc me tyswn 1898. -cyajy: .c-:'?y,EEt'y::*Ec ,py bbvz ‘■yzr1? cxr TC-sr* vz'bzv ,'W.vs c-c zxrr -pt “V^r: “x^rx y“rx pe pnrEyz-^x" -:x e** yy; vz'bzc“: -:x yrp-ysyyp y-y-'f y yr: ,y;yi vzbvr, -y-;*p >■'>*■: sm^y rc-vx x~ br^r. cm 7» :"2".x pyc^y ysr-rx . ~e crxryz rmycsr ,*y;yT x-t xfyccy-; fyr ,“y~:p y*r‘T -r rmycc* cycc (*yü rr'.rh p*T b~:c x*'t ~:x fyvy-ix y 7 x x**t "“r yyrLx -:x p** x”t 7PXT -' x fyccx“ x**t fr: tx *“r . c'-rrv yrcr- “: x jytp:j?a yrmycc* bv'z y ^yrzx -rvx?x -xs ~iz cz'p cy “yzx -,yx cy-ixc» px :;'Z3ncc*yz *iy\x px

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.