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Der Israelit · 1899-01-26 · Heft 8 (26.1.1899) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 8 (26.1.1899)
Date
1899-01-26
Page
– (sequence 19)
Language
German
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155 ZettungSnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 23. Jan. Der unter Leitung von Frau Cäcilie Friedländer, Bellevuestraße 9 stehende Kinder-Spar-Verein hielt am 14. Januar seine diesjährige Comitü-Sitzung ab. Es wurde der Bericht über das vergangene Jahr erstattet und dem Schatzmeister Decharge ertheilt. Für die ersten 6 Monate dss. Js. wurden 5000 Mark zur Vertheilung bewilligt und außerdem 500 Mark für den unter Leitung von Frau Dr. Maybaum stehenden jüdischen Kindergarten und Mädchenhort, Keibelstraße 40. Die Leerung der Sparkästchen wird zwischen dem 10. und 15. April dss. Js. vorgenommen werden. Die Wiederwahl der Herren und Damen in den Ausschuß, sowie der Revisoren erfolgte per Akklamation. Posen. Der Verein zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden hielt seine Hauptversammlung ab. Der stellvertretende Vorsitzende Herr Ludwig Manheimer gedachte des verstorbenen Vorsitzenden des Vereins, des Kommerzienraths Milch, und knüpfte hieran die Mittheilung, daß die Hinterbliebenen dem Verein 10 000 Mark als Moritz Milch-Fonds überwiesen haben, mit der Bedingung, daß die Zinsen für Zwecke des Vereins verwandt werden sollen, während das Kapital nicht angegriffen werden darf. Herr Rechtsanwalt Placzek erstattete den Geschäfts- und Kassenbericht. Bei Beginn des abgelaufenen Geschäftsjahres waren 15 Zöglinge in der Fürsorge des Vereins; mit Beendigung der Lehrzeit waren drei Lehrlinge ausgeschieden, während sieben neu hinzukamen, so daß, da ein Knabe wegen Körperschwäche die Lehre wieder aufgeben mußte, sich am Schluffe des Geschäftsjahres 18 Zöglinge in der Fürsorge des Vereins befanden. Von diesen erlernen einer die Bäckerei, zwei die Schlofferei, zwei die Schneiderei, einer die Tischlerei, drei die Schuhmacherei, einer die Buchbinderei, einer die Steinmetzkunst, einer das Tapeziergewerbe, drei junge Leute widmen sich dem Maurerfach, zwei der Elektrotechnik, einer der Zahntechnik. Entsprechend der größeren Anzahl der Unterstützungen sind auch die Ausgaben, welche im ersten Vereinsjahr 1557 Mark, im zweiten Vereinsjahr 2059 Mark betragen haben, gewachsen: sie belaufen sich auf 3520 Mark. Dem Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden ist der Posener Verein als Mitglied beigetreten. Dresden, 19. Jan. In einer letzten Sitzung hat da» Dresdener Stodtverordneten-Kollegium einen bemerkenSwerthen Beschluß gefaßt. Zur Berathung stand das Naturalisationsgesuch eines jüdischen Kaufmanns aus Oesterreich, der hier wohnt. Es fand darüber eine eingehende Erörterung statt, und schließlich wurde das Naturalisationsgesuch des österreichischen Juden abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit kam auch zur Sprache, ob man nicht in Zukunft grundsätzlich die Naturalisation ausländischer Juden verweigern solle, und wenn auch dieser Grundsatz nicht geradezu aufgestellt wurde, so konnte man doch nicht in Zweifel darüber bleiben, daß die Dresdner Stadtverordnetenversammlung in ihrer weitaus überwiegenden Mehrheit entschlossen ist, derartigen Naturalisationsgesuchen in Zukunft die erforderliche Genehmigung zu versagen. Hamburg, 23. Jan. Der kürzlich verstorbene Privatier Louis Levy hat fein nicht unbedeutendes Vermögen zum Zwecke einer Stiftung für Freiwohnungen vermacht, welche Bedürftigen, die der deutsch-israelitischen oder der portugiesischen Gemeinde angehör^n, gegen eine geringe Vergütung, unter besonderen Umständen auch ohne dieselbe Wohnungen zur Verfügung stellt. Nach dem Tode der Ehefrau fällt auch deren Vermögen im Betrage von 50,000 M. an die Stiftung. Außerdem sind in dem Testamente der israelitischen Gemeinde in Seegeberg, dem Geburtsort des Testators, sowie der hiesigen Gemeinde mehrere Legate für WohlthätigkeitSzwecke ausgesetzt. Zum Testamentsvollstrecker ist der Gemeinde- Vorsteher Herr Dr. Max Cohen ernannt. —Unter dem Namen „Wolff Gerson-Stiftung" hat die kürzlich hier verstorbene Frau I. GaSpary zum Andenken an ihren dahingeschiedenen Bruder dem Vorstand der Gemeinde ein Kapital von 27,OOU M. vermacht, dessen Zinsen zu Miethe-Unterstützungen für Wittwen dienen sollen. — General der Infanterie Freiherr von Wrangel übersandte gelegentlich der silbernen Hochzeit des Herrn D. Bloch, der zwei Feldzüge mitgemacht hat, sein Bilo mit folgender eigenhändiger Widmung: „Zu Ihrer silbernen Hochzeit gratulirt herzlich Ihr alter Kriegsgefährte und ehemaliger Divisions-Kommandant." Oester r.-Ungar. Monarchie. Wten (Das Grab des Romulus entdeckt. Der Telegraph meldete bekanntlich diese Woche aus Rom, daß man dort das Grab des Romulus, des Gründers der ewigen Stadt, entdeckt habe. Diese Nachricht hat auch für uns Israeliten einiges Interesse, dann nach einer alten jüdischen Sage — ich glaube dieselbe kommt auch im Josippon (jibw) vor — soll Romulus, der ein Zeitgenosse Salomo'S war, eine solche Furcht vor diesem Könige gehabt haben, daß er die Mündung der Tiber mit Kupferplatten ausschlagen ließ, damit die jüdischen Kriegsschiffe nicht in dieselbe eindringen können.

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