Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1899)
- Date
- 1899-01-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448962--47610-2497970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine andere ittdische Sage erzählt, daß schon zu Salomo's Zeiten jüd. Ansiedelungen in Spanien cx stirt haben, und hätten diese dann den Steuerkommisiär des Königs, Adoniram, als er bei ihnen die Steuern eintreiben wollte, gesteinigt. Etwas an diesen Sagen dürste auch wahr sein. Wahrscheinlich sind schon zu Salomo's Zeiten jüd. Kaufleute, als sie nach Tarschisch (wnsnn), dem heutigen Spanien, fuhren, nach Italien, vielleicht sogar auch nack Nom, gckommen. Soll doch sogar der Name Jtalia ein h'bräischer sein (n> bv u). Auch der Name Sicilien (Lateinisch: Siculia) soll vom Hebräischen herstammen, weil dessen Bewohner das Wort „Ja" mit „si" übersetzten. Daher Siculi 'ö sie sagen si). Aus Ostgalizien. (Confessioneller Friede.) Die „Neue Freie Preffe" meldet: Während in einem großen Theile Galiziens in Folge von demagogischen Umtrieben, an denen sich auch adelige und geistliche Agitatoren betheiligten, der Antisemitismus nach erprobten Wiener und Pariser Mustern sein Unwesen treibt, herrscht in Stanislau, wenigstens in der dortigen Gemeindevertretung, ungetrübter confessioneller Friede. Der Bürgermeister von Stanislau, Dr. Nimhin, ein Jude, erhielt das Ritterkreuz des Franz- Josephs-Ordens, und die Gemeindevertretung bereitete ihm neulich aus diesem Anlässe eine Ovation. Als Sprecher des Gemeinderathes fungirte der römisch-katholische Geistliche Eiselt. Nachdem er die hervorragenden Verdienste des Bürgermeisters um die Regelung der städtischen Finanzen, die Reorganisation des Magistrates, die Errichtung eines Kaiserin-Elisabeth-Gartens und eines Heims für Greise und Bresthaste, die Bau-Ordnung, sowie die Canalisirung und Beleuchtung der Stadt betont hatte, fuhr er fort: „Ich muß auch, Herr Bürgermeister, die Unparteilichkeit hervorheben, mit welcher Sie die Interessen aller Bewohner der Stadt ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität behandeln, in Folge dessen wir hier einträchtig für das Wohl der Commune arbeiten können; ferner die Zuvorkommenheit, mit welcher Sie den Bedürfnissen unserer Kirchen Rechnung tragen, und die Sorgfalt, welche Sie den Schulen und allen humanitären Anstalten unserer Stadt angedeihen lassen." Schließlich gab Pater Eiselt der Freude darüber Ausdruck, daß der Kaiser den Bürgermeister ausgezeichnet habe, und wünschte ihm, daß seine Thätigkeit für das Gemeinwohl vom besten Erfolge begleitet sein und ihn selbst glücklich machen möge. Bürgermeister Dr. Nimhin dankte für diese Anerkennung und beglückwünschte hierauf den der Gemeindevertretung angehörigen griechisch-katholischen Domprobft Facjewicz, welcher gleichfalls eine kaiserliche Auszeichnung erhalten hatte. Schweiz. Basel, 9. Jan. Gestern Abend, am Jahrzeitstage des unsterblichen Meisters S. R. Hirsch b"D, j 156 hatten sich die Freunde und Mitglieder unseres Vereins zur Gedächtnißftier zahlreich eingefunden. Bei dieser Gelegenheit hielt in Abwesenheit Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Cohn, einer unserer Vereinslehrer Herr stud. phil. L. Roth aus Bonyhad die Gedächtnißrede. In klarer, durchsichtiger Form und stellenweise lyrischer Erhabenheit, hat Herr Roth das Leben und Wirken des großen Mannes geschildert. In seinem historischen Rückblick hat er an der Hand reichen Quellenmaterials das Vor-Hirschische Judenthum am Continent in allen Strömungen aufgeführt. Nachdem er in wahrhaft meisterhafter Darstellung die springenden Punkte des Judenthums in den ersten drei Decennien dieses Jahrhunderts vorgeführt und ein Bild des Verfalles beschrieben, schilderte Redner die praktische und literarische Thätigkeit Hirschs. Ein besonderer Theil war der wissenschaftlichen Begründung des Hirsch'chen Gedankenganges gewidmet. Redner gelang es aufzuzeigen, wie sich sämmtliche Schöpfungen dieses genialen Denkers ergänzen. „Wenn wir von einer Hirsch'schen Wissenschaft reden, so ist dies wohl berechtigt, denn Hirsch's Verdienst ist es, nachgewiesen zu haben, wie die Ueberlieferung in der Thora wurzelt. Dies hat er mit dem großen philologischen Apparate begründet. Auf den Grundlagen dieser ächt wissenschaftlichen Darlegungen ist ihm zwischen Thora rsir und 2firs rrrr die innere organische Vollkommenheit zum Bewußtsein gekommen. Er zeigt, wie Talmud und Midrasch nicht snbjective Erklärungsweisen der Talmudisten sind, sondern daß allen ihren Auseinandersetzungen logische Nothwendigkeit inne wohne, so daß richtige Sprachforschung zur Neberzeugung kommen müsse, daß ry-ty der schriftlichen Lehre implicite imanent sind. Somit lasse sich die theoretische Leistung Hirsch's in dem Satze zusammenfassen: Die mündliche Lehre ist nichts, wie die nothwendige Continuität, das Eplicitum des Schriftlichen. Diesem theoretischen Gedanken parallel bewegt sich das praktische Schaffen dieses Mannes. Rach eingehender quellenmäßiger Darstellung schließt Herr Roth seine geistreichen Ausführungen: Wohl selten findet man in der Geschichte einen solch klaren Denker mit mächtigem Fühlen — noch seltener einen Mann, der einen solch merkwürdigen Parallelismus zwischen Denken und Sinn darstellt; aber in Jahrhunderten ist es nitr wenigen gegönnt, ihren Gedanken solches Leben zu geben, wie dem unsterblichen Hirsch." Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Ausführungen des Herrn Roth einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer gemacht haben, die sich in rauschenden Ovationen für den Redner Luft machte.