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Der Israelit · 1899-01-26 · Heft 8 (26.1.1899) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 8 (26.1.1899)
Date
1899-01-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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MWWWMWWWMWWW 144 „Was wünschet Ihr? Aber macht's kurz, denn meine Zeit gehört noch anderen Besuchern, die nicht lange warten können," herrschte der Oöerrichter von seinem Schreibtisch aus den Eintretenden an. „Ich komme, wegen eines jungen Mannes, der vor etwa zwei Stunden als eines Diebstahls verdächtig in Untersuchungshaft genommen wurde." „Und was soll ich dazu thun?" „Der Herr Oberrichter wolle mir gnädigst gestatten, den Gefangenen auszusuchen." „Was geht Euch denn der Gefangene an?" „Er war bei mir Hauslehrer und ist, wie es scheint, dadurch in Verdacht gerathen, einen Diebstahl bei mir begangen zu haben, der eigentlich diesen - Namen gar nicht verdient, da sich sämmtliche verloren geglaubten Gegenstände wieder an Ort und Stelle befinden." „Von dem Fall habe ich amtlich noch gar keine Kenntniß und kann sie gar nicht haben, da bei den vielen Verhaftungen, die jetzt täglich erfolgen, gewöhnlich einige Tage verstreichen, bevor ich meinen Rapport erhalte. Aber, daß Ihr einen Gefangenen sprecht, der sich in Untersuchung befindet, das geht in keinem Falle an. Wollt Ihr sonst noch etwas?" „Allerdings, Herr Oberrichter. Es liegt hier ein eigenartiger Fall vor, der die Anwendung einer milden Auslegung des Gesetzes gestattet und vielleicht verlangt, und darum wollte ich gehorsamst bitten. Ich, der Bestohlene, verlange keine Bestrafung des verdächtigten Jnhaftirten, da es sich herausgestellt hat, daß meine gestohlen geglaubten Gegenstände sich unversehrt an Ort und Stelle befinden." „Das ist ja sehr schön. Die Untersuchung wild das ja feftstellen. Erweist sich die Unschuld Eures Lehrers, so wird er keine Stunde zurückgehalten, im anderen Falle müffen wir dem Gesetz seinen Lauf laffen." „Nehmen wir an, Herr Oberrichter, daß der Jnhaitirte unschuldig sei, so muß er bis zu seiner Freisprechung eben unschaldigerweise im Gefängniß und in der quälenden Ungewißheit über den Ausgang seiner Sache verbringen; das möchte^ ich Ldem armen Menschen ersparen. Ich ließe es mich gerne eine große Summe bis zu tausend Gulden kosten, wenn der gefänglich Eingezogene sofort auf freien Fuß gesetzt werden könnte." Bei diesen Worten fuhr der Oberrichter zornig empor: „Ihr wagt es, mir eine Bestechung anzubieten? Ich hätte das Recht, Euch daraufhin sofort selbst zu verhaften, zumal mir diese angelegentliche Verwendung für den Dieb ganz ungeheuerlich vorkommt." „Verzeiht, gnädiger Herr! Ich bin selbst Richter in meiner Gemeinde. Als solcher weiß ich, wie das uns in gleicher Weise heilige GolteSwort jede Bestechung verbietet. Das Gotteswort bezeichnet als Folge der Bestechung, daß sie die Augen der Weisen blendet, und die Worte der Gerechten verdreht. Noch niemals ist mir die tiefe Wahrheit dieses Wortes so in ihrer ganzen Bedeutsamkeit zum Bewußtsein gekommen, als in diesem Augenblicke, wo ich sehe, daß der bloße Gedanke an die Möglichkeit einer Bestechung genügt, um den Blick eines unserer weisesten Richter damit zu trüben, daß er den Rabbiner der Frankfurter Judengemeinde einer solchen Sünde fähig hält. So war's nicht gemeint. Ich wollte eine Summe bis zu tausend Gulden für den Gefangenen aussetzen, etwa als Caution oder in welcher Form es sonst statthaft ist, um darzuthun, wie sehr mir an der Freilassung oder milden Beurtheilung des Gefangenen gelegen ist." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelis erscheint wSehemtlieh Hontag« und Donnerstags, jedesmal in mindesten« «Mi Bo««. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder »krteljährttch. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an_Per Buchhandel verkehrt durch E. / fitriuacker, Lmnio, Kohptu- 16. — Inserate 25 Pfennig die 4soaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Rerlametbril 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. ästerr., für'« Ausland 16 Reichs-Mark, an oie Expedition franeo einzusenden. mint do» O»dßo «odaktis» ein-efarrdterr Mannseripter, findet nicht statt, «a« dtttet deShatd, sich da» aste» Girrserrdtmee« eine Topie r«rückr»dehatte». Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Das tägliche Brod. (Zu roiio 's.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. Altona. Zierenberg. Rumänien: Bukarest. — Personalien: München. —* Vermischtes. Feuilleton.: Späte Sühne. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage r Leitender Arikel: Die Vertretung der Talmudwiffenschaft am Rabbinerseminar zu Breslau. Von Wolf Dünner. Kaufmann zu Köln. — Zeitungsnachrichten u Correspondenzen: Deutschland ^Frankfurt a. M. Düsseldorf. — Feuilleton: Verkauft, t Fortsetzung.) Jabalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die Nahrung des gesunden u. kranken Magens. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. Hamburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Aus Ostgalizien. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Jsraelrt". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Bettagen.

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