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Der Israelit · 1899-01-26 · Heft 8 (26.1.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 8 (26.1.1899)
Date
1899-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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139 Rabbi Schimeon ben Eleasar sagte: Alle meine Tage sah ich keinen Hirsch im Sommer Früchte sammeln, keinen Bären Lasten tragen und keinen Fuchs, der etwa Kaufmann war. Sie ernähren sich alle ohne Sorge und sind doch nur geschaffen, mir zu dienen. Ich aber bin geschaffen, meinem Schöpfer zu dienen, wie müßte ich mich ohne Sorge ernähren können. Aber mein verfehltes Handeln ist es, das mir die Nahrung entzieht. (Talmud Kidduschin Fol. 82.) Es ist nun eine bedeutsame, auf Gottes unergründlicher Liebe beruhende Eigenthümlichkeit aus dem Umstande, daß uns Gott bis jetzt keinen Mangel leiden ließ, zu folgern, Gott werde uns auch in Zukunft keinen Mangel leiden taffen. Nach beschränkter, mit ihrer Liebe geizenden, menschlichen Anschauung, ist das Gegentheil der Fall. Je mehr Wohlthaten wir bereits von Menschen empfangen haben, desto weniger Recht und Aussicht haben wir, die in der Vergangenheit erwiesenen Wohlthaten nun auch für die Zukunft zu beanspruchen. Nur bei Gottes unerschöpflichen Vaterliebe sind die bereits empfangenen Wohlthaten die Bürgschaft für ihre Fortsetzung auch für die Zukunft. Es ist dies eine Seite von Gottes liebender Wallung, die oft in unserem heiligen Schriftlhum wiederkehrt. So lesen wir z. B. im 7!2L'^-Gebete: ^x: inen rrew vfr. -pem imy .-;n hi? 'x n „Bis hierher hat uns dein Erbarmen beigestanden, hat uns deine vielseitig sich manisestirende Liebe nicht verlassen, du wirst uns (daher) auch nicht für die Ewigkeit preisgeben." Versetzen wir uns einen Augenblick in die Seelenstimmung eines Moscheh in dem Moment, als er beim ersten Anblick des Manna die Worte sprach: hj?i pns -ch’ btv i:b ^dh xP. — Wohl wußte ein Moscheh, daß wenn ihm Gott gebietet sein Volk in die Wüste zu führen, er ihm auch die Mittel zur Fristung des Daseins gewähren werde. Aber wie das Bedürfniß nach Nahrung für Millionen Seelen in der kahlen Oede befriedigt werden sollte, darüber mögen selbst ihm, auf dem für die menschliche Anschauung die ganze Verantwortung für diesen Zug in die Wüste ruhte, bange Zweifel beschlichen haden. Und nun sieht er die einzig dastehende Veranstaltung, die für jede einz lne Hütte, jeder einzelnen Seele den Tisch mit himmlischem Wunderbcod deckt! Durfte, mußte er nicht angesichts eines solchen Wunders seine Wiederholung voraussttzen? «ipvd xc’j irep -ra? x^ Das Wunder wäre ja zwecklos gewesen, wenn es sich nicht während der ganzen Wüstenwanderung täglich wiederholte. Es galt doch den Trägern Seines großen Namens! Es gilt noch heute den Brennern und Hu olden Gottes, dessen Sache jeder Bissen fördert, der sie mit neuer Kraft für den Dienst Gottes ausstallet! WenirMott sein^ganzes, großes Weltall speist und versorgt, vom Sonnenball über unseren Häuptern bis zum Wurm unter unseren Füßen, dann wiro er uns nicht Mangel leiden lassen am täglichen Brod. Er gibt es ja nicht nur seinen Geschöpfen, sondern er hat es noch früher geschaffen, als diejenigen, die es ernähren soll. Wie Gott den ersten Meuschen ins Dasein gerufen, nachdem er zuerst die ihn versorgende Welt geschaffen, so hat er noch heute allen seinen Geschöpfen das tägliche Brod vorbereitet — po pao — bevor sie desselben bedürfen. Das ist die tröstliche Wahrheit, welche selbst die Sorge uin das tägliche Brod nicht länger zum Gegenstand quälender Sorge macht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. TCR. Berlin, 15. Jan. Um dem um das Lehrlingsheim in Pankow hochverdienten verstorbenen Curator Herrn Adolf Ginsberg an seinem Sterbetage eine Ehrung zu beweisen, hatte sich am heutigen Tage eine Anzahl angesehener Glaubensgenossen im Festsaale^des Instituts versammelt. Die Feier begann mit der Absingung von Vers 8—11 des 15. Psalms, welcher von dem Knabenchor der alten Synagoge vorgetragen wurde. Anknüpfend an das Wort des deutschen Dichterfürsten „Edel sei der Mensch", hilfreich und gut, schilderte Herr Commerzienrath I. Löwe die Verdienste des Verstorbenen. Von dem Director der Anstalt Herrn Wilinsky wurde ein Gebet gesprochen, ein Zögling verrichtete das Kaddisch-Gebet, ein ehemaliger Zögling, Herr Willy Friedländer gelobte im Namen seiner Kameraden in den Wegen des verstorbenen Curators wandeln zu wollen. Das von der Familie geschenkte Portrait des edlen Todten zierte den Saal. Bemerken wollen wir noch, daß nicht ein einziges Mitglied des Gemeindevorstandes erschienen war. Nach Schluß der Feier forderte Herr Maurermeister Fränkel, dessen wohlgetroffenes Bild von heute ab im Empfangssaale aufgestellt ist, mit besonderem Danke für das zahlreiche Erscheinen zur Besichtigung der Räumlichkeiten auf. Auch wir wünschen dem segensreichen Institute Blühen und Gedeihen. Berlin, 23. Jan. (Abgeordnetenhaus). Abg. Rückerl: Der Kultusminister spricht davon, daß er sich durch zwei „jüdische" Stadtverordnete in seiner Haltung zur Frage der jüdischen Lehrerinnen nicht bestimmen lassen kann. Es war aber doch ihre Pflicht, sichrer Beschwerde anzunehmen. Thun es die Ehesten, dann sind sie Judenknechte, thun es-ditz.Judep-..danu

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