Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 8 (26.1.1899)
- Date
- 1899-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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beißen Kampfe um das Brod vielleicht geneigt wären, 1 die Väter und Mütter zu beneiden, welche mühelos vor den Zeltthüren das Brod nur aufzusammeln hatten, so braucht man nur die Mahnung bz ns -p-n die ganze Wanderung durch die Wüste sich in ihrer Eigenart zu vergegenwärtigen, um vielleicht zu einer anderen Ansicht zu gelangen. Die Himmelspeise, die Gott reichte, durfte nicht den Bedarf des Tages überschreiten, an dem und für den sie gefallen war. Wer mehr davon sammelte, wer davon für den neueren Tag aufbewahren wollte, hatte es damit den Würmern überantwortet. Wenn in der Nacht ein hungerndes Kind Brod verlangte, so hätten die Eltern diesem Verlangen nicht entsprechen können. Sie durften nichts bis zun: anderen Tage übrig lasten. Dieser Umstand war es, der schon damals dos tägliche Brod zum Prüfstein für die ganze Gesinnung machte, mit dem sich unser Wandel in Gottes Wegen vollzieht. Wollten wir dieses rückhaltlose Gottvertraucn, zu dem uns das tägliche Brod in der Wüste erzog, auch in unserem heutigen Erwerbs- und Geuussesleben bewähren, so würde die Fristung unseres Daseins keinen Kampf erfordern. Was den Kampf des Tages entfacht und entfestelt, das ist die Sorge um den morgenden und um alle anderen Tage. Wären wir von der Wahrheit durchdrungen rrn anpa1? a-cnn, •jnxeK daß neu mit jedem Morgen Gottes LiebeSgröße in immer neu verjüngter Kraft waltet, dann schämten wir uns des Kleinmuthes, der trotz der heutigen Fülle für den morgigen Tag zittert. Diese Sorge aus der Brust zu bannen und die Gedanken an Gottes fürsorgende LiebeSwaltung, die jedem einzelnen gewährleistet ist, neu zu beleben, zu befestigen und unverlierbar zu bewahren und zu bewähren, das ist der Segen, den unser Tischgebet athnret und den es seinen Betern bringen möchte. Versetzen wir uns einmal in die Lage der aus Egypten in die Wüste? GezogenenSie verdankten ihr tägliches Brod einem, jeden Tag treu sich wiederholenden Gotteswunder und waren, wenn sie ihr zugemestenes Mahl verzehrt hatten, auf eine neue unmittelbare Himmelsspende angewiesen! Und wenn sie ausbliebe? Diese Frage nicht aufkommen zu lassen, ist der Segen der Beracha, die Moscheh angesichts des herniederfallenden Mannas sprach, und die wir ihm in unserem Tischgebet nachsprechen. Er,^ der das Universum in jedem Augenblick mit neuem Leben und verjüngtem Dasein ausgestattet, er ffrllte nicht-Brod für seine Menschen, für jedes Lebewesen bereit habt«, das er aus Fleisch und Blut gewoben? Nein, nein, der Gedanke; ist undenkbar! -i»a bzb an*? pr; -Pr abvn ns pn „der Gott, der das ganze Universum nährt, der giebt auch Brod jedem Fleische!" Es wird uns im Midrasch erzählt, daß Moscheh diese ewig weise, unablässige Fürsorge Gottes nicht begriffen und sie daher im Herzen bezweifelt habe. Da habe ihm Gott besohlen, zwei brennende Lampen in beide Hände zu nehmen und sie so lange zu halten, bis ihm Gott gestatte, sie wieder abzustcllen. Den ganzen Tag und tief in die Nacht hinein stand der treue Diener da, um dem göttlichen Willen zu genügen. Aber als ihm in später Nachtstunde für eine Sekunde die müden Augenlider sich senkten, fielen die Lampen klirrend zu Boden. „Siehst Du nun," sprach der Allmächtige, „welche Folgen es hätte, wenn sich Gottes Fürsorge auch nur einen Augenblick von ihrem Gegenstand abwendete? Ich halte zwei Lampen, die Sonne und den Mond und zahlreiche Sternenwelten. sie alle stürzten zusammen, wenn ich einen Augenblick mich ihnen entzöge." Seine gütige Wallung knickert nicht mit ihrer Liebe, sondern sie erstreckt sich “tra bzb unterschiedlos auf alle, wenn auch in verschiedenem Maaße. Es ist dies etwas was nur Gott eigentümlich ist, und von Menschen, selbst von dem edelsten, kaum begriffen und noch weniger verwirklicht wird. So wird uns im Talmud Baba Bathra Fol. k von Rabbi erzählt, daß er in einem Hungerjahre seine Vorräthe darbenden Thorakundigen öffnete, aber rohe Unwissende von dieser Wohlthat ausschloß und sich darüber grämte, als er einmal irriger Weise glaubte, er habe auch einen solchen Unwürdigen unterstützt. Rabbi, von dem uns besonders ergreifende Züge ungewöhnlicher Herzensgüte überliefert sind, die sich nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Thiere und selbst auf schädliche Thiere erstreckte, Rabbi sah sich zu dieser ungewöhnlichen Maßregel — wie k-irzur Stelle bemerkt — allerdings nur deßhalb genöthigt, weil er nur über beschränkte Mittel verfügte, so daß jede Berücksichtigung eines Unwürdigen einen Würdigen verkürzt hätte. Dieser Umstand fällt aber bei Gott weg, weit seine Liebe in ihren Mitteln unbegrenzt ist. Er kann jedem Geschöpf Brod geben, weit seine Gnade wie seine Segensfülle keine Schranken hat. an*? p-r: »n /"an aS'j^ *a ti Wenn nun trotz dieser großen Gottesgüte sich bei uns dennoch Mangel fühlbar machte und je fühlbar machen sollte, so kann die Ursache jeden Mangels nur in uns, nimmermehr aber bei Gott liegen, nr cb'yL -rer, i:b larr bm ub lan rrb -rar *.reai. „Bei seiner großen, beständig waltenden Güte hat er uns nichts fehlen laffen und wird er uns auch in aller Ewigkeit keinen Mangel leiden lassen." Den Mangel haben wir verschuldet.