Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1899)
- Date
- 1899-01-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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131 unterstützt werden. Vor lausig sind dies die einzigen Lehrkräfte, die für diese Anstalt engagirt worden sind. Von den bisherigen Zöglingen des Seminarist nur ein einziger mit nach Florenz gegangen. Man glaubt jedoch, daß das Seminar nur vorläufig in letzterer Stadt bleiben werde, und daß es dann nach Livorno übersiedeln wird, um dort definitiv zu verbleiben. Rußland. 8 Wladiwostok. Rußland baut jetzt bekanntlich von Sibirien aus eine Bahn durch die Mandschurei nach der von ihm vor drei Jahren in Besitz genommenen chinesischen Hafenstadt Port-Athur. Einige jüdische Familien in Sibirien wollten nun aus diesem Anlasse nach der Mandschurei übersiedeln, um dort für die Bahnarbeiter Cantinen zu errichten. Sie wandten sich dieserhatb an den General-Gouverneur von Ostsibirien in Irkutsk, damit er ihnen die Erlaubniß dazu ertheile. Der General-Gouverneur wies jedoch ihr Ansuchen zurück mit der Motivirung, daß Rußland für diese jüdischen Ansiedler eigens Garnisonen in den Städten der Mandschurei halten müßte, um sie vor den Feindseligkeiten der dortigen tartarischen oder mongolischen Bevölkerung zu schützen. Interessant ist es, daß dieser russische Funktionär anderen russischen Unterthanen, wenn sie nicht der jüdischen Confession angehören, die Ansiedelung in der Mandschurei gestattet, ohne zu fürchten, daß diese von den Mongolen daselbst angefeindet werden dürften. Türkei.? Smyrna. Unser verehrter und ungemein beliebter Chacham-Baschi, Rabbi Abraham Halacci, ist im hohen Alter von V2 Jahren aus dem Leben geschieden. Die Nachricht von dem Ableben des verehrten Oberhirten kam nicht unerwartet, da derselbe schon seit einiger Zeit leidend war und hatten die Aerzte allgemein erklärt, daß in Anbetracht seines hohen Alters an eine Besierung nicht zu denken sei. Aber nichtsdestoweniger war Alles erschüttert von der Kunde v'pbu i: N22 *2, daß wieder eine göttliche Lampe, deren Licht bis in die ferntesten Gegenden Anatoliens strahlte, erloschen sei und allgemein wurde der Wunsch rege, der Todte möge mit außerordentlichen Ehren, die er sich durch seine große Gelehrsamkeit und seine nicht minder großen Tugenden erworben hatte, zu Grabe getragen werden. Das Leichenbegängniß fand heute unter Betheiligung von fast unserer ganzen Gemeinde statt und waren aus diesem Anlässe alle jüdischen Geschäftsläden geschlossen. Das griechische General-Consulat hier hatte zu Ehren des Todten, der Offizier des griechischen Erlöserordens war, feine Flagge halbmast gehißt. Feuilleton. Derfctuft* Eine Erzählung aus Ungarn. 39) Von Samuel B. Slosner. Nachdruck verboten. Ein Zug der Entmuthigung, der über sein Angesicht glitt, verrieth, daß er den Wink verstanden hatte. „Noch Eines, Schulamit," bat er leise und innig, „sehen Sie, ich bringe Ihnen da ein große- Opfer, so groß, daß ich selbst es kaum begreife, wie dies eigentlich möglich sei —" „Und Sie sind so wenig großmüthig, mir davorzuhalten," fiel sie ihm mit scherzhaftem Vorwurf ins Wort, in der Absicht, dem, was er noch sagen wollte und wovon sie sich dunkel beunruhigt fühlte, vorzubeugen. Er ließ sich aber nicht irre machen. „Ich bin noch weniger großmüthig .... Ich — ich — fordere sogar eine Belohnung für mein Opfer .... eine kleine, noch so kleine Gunst . . . ein Wort . . ." Ein Erschrecken malte sich in ihren Zügen und sie suchte mit den Augen, wie nach Hülfe spähend, die Thüre. Er ließ ihre Hand fahren und sprach muthloS: „Ich Thor, der ich mir einbildete — daß — Sie — zu mir — Vertrauen hegen und nun verrathen Sie eine Angst —" Ihre Wangen glühten, sie schien nach Athem zu ringen. „Ich — woll — te Sie nicht verletzen," sprach sie stockend und mit ihrer Aufregung kämpfend. Wie hätte sie ihn auch verletzen mögen, da er sie durch seine Fügsamkeit so unaussprechlich glücklich gemacht. Eine Weile blickte Schulamit mit gesenktem Haupte, die Spitze des kleinen Zeigefingers an den Lippen, sinnend vor sich hin. Plötzlich wandte sie ihm ihr tief erröthendes Gesicht zu und sprach im Flüsterton: „Wir waren einst Du und Du —" „Gottvoll!" jubelte er, „Sie — Du — Du — Sie — Sie gestatten . . . Theuere Schulamit." „Das gestatte ich nicht," vermahnte sie ihn lächelnd, „theuere" dürfen Sie nicht sagen —" „Also Du, Du, Du —" „Wenn — Niemand dabei ist, verstehen Sie?" Und wie vollkommen er sie verstand! So war es ihm recht, nur so und nicht anders. Sie vor aller Welt mit „Du" auzureden, dünkte ihm wie eine Trivialisirung seiner unaussprechlich zarten, heiligen Empfindungen. Jedoch dieses heimliche, verstohlene Du klang so köstlich vertraut, so