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Der Israelit · 1899-01-23 · Heft 7 (23.1.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 7 (23.1.1899)
Date
1899-01-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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um ISO feld, Syndikus Dr. Minden, Albert Philipp Meyer und Commerzienrath Friedländer. Ausschuß III. Sämmtliche Gemeindeangelegenheiten besteht aus den Herren: Geheimrath Blumenthal, Prof. Lewin, Rud. Mosse, I. Oppenheim, Leonhard Sachs, Geheimrath Senator, Justizrath Apolant, Prof. Geiger, Prof. Blafchke und Landgerichtsrath Löwe. Die Dringlichkeit eines Antrages des Gemeindevorstandes zum Ankauf von Büchern für eine zu errichtende Gemeindebibliothek der betreff. Vorberathungskommission 10,000 Mark zur Verfügung zu stellen, wird abgelehnt, und auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung verschoben. Berlin,21.Jan. (Preuß. Abgeordnetenhaus.) Kultusminister Boffe führt unter anderem aus: Wenn eine Schulvorsteherin jüdische Kinder zurückweise, so gehe ihn das nichts an, das sei Sache der Schulvorsteherin. Liege das Bedürfniß vor, so werde er, um den Jntereffen jüdischer Eltern entgegenzukommen, eine Konzession für eine jüdische Schule nicht verweigern. Auch die Beschwerde wegen den jüdischen Lehrerinnen in Berlin sei unberechtigt. Die Berliner Schulen sind ihrem Ursprung nach konfessionelle Schulen, und daran solle nichts geändert werden, wie auch der paritätische Charakter von Schulen dort, wo sie es von jeher gewesen sind, nicht verletzt wird. Jede Tendenz liegt mir fern. Ich stütze mich auf die Verfaffung und glaube durchaus gerecht gehandelt zu haben. (Beifall rechts.) Oester r.-Ungar. Monarchie. Wien. Am 27. und 28. v. M. hat hier der Verband österreichischer Religions-Mittelschullehrer getagt. Aus den Verhandlungen sei hervorgehoben, daß der Ausschuß im Mai v. I. dem Unterrichtsministerium eine Petition unterbreitet hat, welche dahin ging, daß 1. an solchen Lehranstalten, an denen die gesetzlichen Bedingungen vorhanden seien, Lehrstellen für den israelitischen Religionsunterricht systematisirt werden mögen; 2. an Orten, wo mehrere Mittelschulen vorhanden sind, für mehrere Anstalten zugleich, insofern für diese zusammen eine Lehrkraft mit voller Dienstleistung erforderlich ist, Lehrstellen systematisirt werden mögen; 3. daß, wo keine Systematisirung stattfinden kann, den Religionslehrern eine nach der durchschnittlich geleisteten Stundenzahl bemessene Altersversorgung zuerkannt werde; 4. daß dem israelitischen Religionsunterricht die gesetzliche Stundenzahl eingeräumt werde, und 5. daß, der Titel „Hilfslehrer" abgestellt werde. Von hauptsächlichem Interesse waren die Mittheilungen über die Rücksprache mit dem k. k. Sektionsrath von Wiener, der die Abstellung der amtlichen Bezeichnung „Hilfslehrer" als eine theilweife Gewährung der Wünsche bezeichnete, jedoch die Systematisirung von Lehrstellen für den israelitischen Religionsunterricht von der Vorbedingung abhängig machte, daß die Frage der Vorbildung der israelitischen Religionslehrer geregelt werden müffe. Allerdings sei das hohe Ministerium nicht abgeneigt, für bestimmte Personen und Orte definitive Lehrstellen zu verleihen. — Die „Wiener jüdische Presse," ein neues hier erscheinendes orthodoxes Blatt, bringt folgende Mittheilung: „Von den in Wien im vorigen Jahre geborenen 1200 jüdischen Knaben wurde bei circa 400 die Milah, d. h. die Aufnahme in den Bund Abrahams, nicht vollzogen. Von den in Wien wohnenden 130 000 jüdischen Seelen haben im vorigen Jahre rund 4000 ihren Glauben — wenn sie überhaupt einen hatten — abgelegt und sind einem anderen Bekenntniß beigetreten." Wenn diese statistische Notiz wahr ist, so ist sie geradezu erschreckend für den religiösen Verfall in unserer Gemeinde! Wien, 10. Jan. (Eine Lügengeschichte aus Galizien.) Wie gewiffenlos antisemitische Blätter oft Vorgehen, zeigt neuerdigs folgendes Beispiel: Kürzlich machte in vielen antisemitischen Blättern die Notiz die Runde, daß in Sanok (Galizien) ein jüdischer Wucherer Namens Nathan Lieber in der Wohnung eines verstorbenen Schuldners, während dieser aufgebahrt lag, eine gerichtliche Exekution durchführte, und zwar in der unglaublich rohen Weise, daß er Hand an das Cruzifix legte, welches man dem Todten auf die Brust gelegt hatte. Der Wiener „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" stellte über diesen Fall Recherchen an und zwar mit folgendem Ergebniß: Der Vorfall hat sich annährend so, wie er geschildert wurde, ereignet, nur war bei ihm kein Jude betheiligt und insbesondere existirt ein Nathan Lieber in Sanok nicht. Die Exekution wurde bei dem verstorbenen Ladislaus Mlodecka zu Gunsten des dortigen Bezirksvorschußvereins vorgenommen, bei dem kein einziger Jude betheiligt ist; richtig dagegen ist, daß der bei der betreffenden Amtshandlung thätig gewesene Beamte, der allerdings in sehr rücksichtsloser Weise vorgegangen sein soll, ein eifriges Mitglied des dortigen antisemitischen Vereins ist. Amtliche Aktenstücke bestätigen diese Darlegung. Italien.? Rom. Was wir schon seit Monaten befürchtet haben, ist nun eingetroffen. Das hiesige Rabbiner- Seminar wurde geschloffen und nach Florenz verlegt, wo es nun unter der Aufsicht des dortigen Oberrabbiners Dr. Margulies, der bekanntlich auch ein tüchtiger Talmudist ist, stehen wird. Dr. Margulies wird zugleich als Profeffor an dieser Anstalt wirken und dabei von Profeffor Racah

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