Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1899)
- Date
- 1899-01-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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132 voll herrlicher Minnesüßigkeit, daß es ihn in einen wahren Sinnesrausch versetzte. Sie war ihm durch dieses eine Wörtchen so nahe gerückt worden, daß ihm nichts einfacher schien, als sie mit seinen Armen zu empfangen und voll wahnsinniger Liebesgluth an die Brust zu Pressen . . . Er mochte eine verdächtige Bewegung gemacht haben, denn sie entfernte sich eilend zur halboffenen Thüre. Ihre Bewegungen brachten ihn zur Besinnung. „Schulamit", rief er ihr nach, „jetzt aber bleiben — bleibst Du wieder bei uns?" „Jetzt," entgegnete sie mit reizendem, beziehungsvollen Lächeln, „reise ich erst recht ab. Aber —" setzte sie zögernd hinzu. — Sie vollendete nicht den Satz .... Er sann lange über den Sinn dieses „aber" nach und je länger er darüber nachdachte, desto fester war er überzeugt, daß es nur den einen Sinn haben könne: „Aber Du weißt, wo Du mich wiederfinden kannst." Als er sich wieder ermannte, da war Schulamit bereits lautlos wie eine Fee durch die Thüre verschwunden. „Schulamit!" flüsterten seine Lippen unbewußt und ebenso unbewußt setzte er mit den Worten des königlichen Sängers hinzu: „Fürstentochter" . . . . Ja, sie war ein Fürftenkind, an Geist sowohl wie an Körper! Und der Gedanke, daß das Herz dieses herrlichen Geschöpfes ihm gehöre, erfüllte ihn mit solchem Glücke, daß es ihn fast betäubte. Sie hatte es ihm nicht gesagt, und dennoch wußte er es . . . Ihre Blicke, ihr holdes Erschrecken und Erröthen sagten ihm mehr, als es viele Worte hätten thun können . . . . . . „Aber — Du weißt, wo Du mich wiederfinden kannst . . ." Ja, er wußte es und er wird sie wiederfinden. Seine Gedanken flatterten in die Ferne, zu dem waldumkränzten Dorfe und zu jenem Hause des Dorfes, welches in der nächsten Zeit um so Vieles glücklicher sein wird als er. Schulamit stand allein im dunklen Boudoir am Fenster und schaute gedankenvoll in die Winternacht hinaus. Wie sie nun so an das Fenster gelehnt daftand, legten sich von rückwärts zwei Arme um ihre Schultern. Es war die Professorin, die sie stürmisch an sich zog und einen Kuß um den andern auf ihre Lippen drückte. „O Du mein gesegnetes, süßes Kind," sprach sie halblaut, „wie fühle ich mich Dir zu Dank verpflichtet." ES war ein Glück für Schulamit, daß es im Zimmer dunkel war. Die Professorin konnte nicht sehen, wie sie bis zu den Haarwurzeln erröthete. Sie wußte nicht, wieso das Geheimniß verrathen wurde, aber es mußte verrathen worden sein. Und sie gab sich keine Mühe, die Anspielung der Professorin zu widerlegen, denn sie fürchtete, mit jedem hierauf bezüglichen Worte das Schamgefühl zu steigern, das sie brennend empfand. Wie sollte sie die Blicke all dieser Menschen ertragen, die nun alle ihr Geheimniß kannten? Am liebsten hätte sie sich heimlich im Dunkel der Nacht fortgeschlichen, um Keinem in dem Hause mehr unter die Augen treten zu müssen. Aber allmählich beruhigte sie sich wieder. Was hatte sie denn von den lieben Menschen zu fürchten, die ihr in so herzlicher Weise zugethan waren? War es nicht mehr als thöricht von ihr, Spott zu befürchten für das, was ihnen Allen so großes Glück gebracht hatte? Klang nicht aus den Worten der Professorin der innigste Herzton mütterlicher Liebe? Die Professorin fragte sie nicht, warum sie die Gesellschaft verlassen habe und Schulamit wußte ihr Dank für diesen rücksichtsvollen Zart sinn. Sie ergriff die Hand der Professorin und fiihrte sie an die Lippen. „Ich weiß nicht," sprach sie leise, „aber die Sehnsucht nach der Heimath gewinnt immer mehr Kraft über mich. Ich fürchte, ich kann ihr nicht länger Stand halten." Die Professorin küßte Schulamit auf die Stirue. „Du weißt gar nicht Kind, wie schwer mir der Gedanke fällt! Du willst uns also wirklich verlassen?" „O, bitte, sind Sie mir nicht böse deswegen. Ich denke — nächsten Dienstag-" „Was Du möchtest noch vor Peßach fort? In dieser Jahreszeit? „Nein, das ist unmöglich!" Und nach vielem Drängen ließ sich Schulamit das Versprechen entlocken, ihre Abreise bis nach Peßach zu verschieben. Es kam der Professorin wie selbstverständlich vor, daß Schulamit abreisen wollte und sie versuchte nicht ernstlich sie von diesem Vorhaben abzubringen, weil sie voll stolzen, mütterlichen Glückes das zarte Geheimniß ahnte, welches sich hinter dieser fluchtartigen Abreise verbarg. * * * Fortsetz. f. Re vision der Lagerbestände anlässlich der Neu-Uebernahme veranlassen uns, noch f. kurze Zeit den -wirklichen Ausverkauf ——- sämmtl. Damenkieiderst. f. Frühjahr, Sommer. Herbst, u.Wintor fortzusetz. u. offer. beispiolsw.: 6 Met. solid. Mestor-Zephir z. Kid. f. Mk. 1.50 6 „ „ Araba-Sommerst. „ „ ,, „ 1.80 6 „ Abadier-Nouv. „ ,, „ „ 2-70 6 ,, „ Dament. u. Lod. „ „ ,, „ 8,90 Ausserd. neueste Eingänge für d. Frühj.- u. Sommer-Saison. Modernst. Kleideru. Blousenstoffe in allergrösst. Ausw. vers. i. einz, Metern, bei Auftrag, v. 20 Mk. an frco. Oetttnger u. Co., Frankfurt «i h. 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