Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1899)
- Date
- 1899-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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128 ließ sich nichts ändern. Er mußte jetzt den Richter zur Milde zu bestimmen suchen. Das war der nächste durch die Verhältnisse gebotene Schritt. Rabbi Jesaja hatte jedoch nicht lange Zeit, diesen Gedanken nachzuhängen. Kaum hatte ihn Herr von Dingeldein verlassen, als die Rabbinerin mit verstörter Miene bei ihm eintrat. „Weißt Du schon," sprach sie mit von Thränen verhaltener Stimme, „daß der Hausbochur von der Polizei in Ketten geschlossen ins Gefängniß abgeführt wurde, daß die ganze Judengasse von dem Silberdiebstahl spricht, der bei uns begangen wurde, und daß Proßnitzer der Dieb sein soll?" „Hältst Du es für möglich, daß Proßnitzer der Dieb sein kann?" fragte der Rabbi. „Eher hielt ich mich dafür, als diese brave, treue Seele." „Das war brav gesprochen. Ich bin ganz Deiner Meinung. Nun gehe aber zunächst hin und erzähle Jedem, der es hören will und vor allem Jedem, der eS nicht hören will, daß von unserem Silber kein Stück fehlt, daß also ein doppelter Jrrthum vorliegen müsse." „Darf ich das sagen? Unser theueres, von den Großeltern und Eltern überkommenes Silber haben wir doch in der Thal nicht mehr, darf ich eine solche Unwahrheit sprechen?" Rabbi Jesaja lächelte. — „Ich habe von Dir keine Unwahrheit verlangt. Wir haben unser Silber wieder." Und nun erzählte Rabbi Jesaja seinem wackeren Weibe alles Vorgefallene und als er mit der Erzählung zu Ende war, öffnete er den Wandschrank, in dem die Silbergeräthe unversehrt dastanden. Die Rabbinerin konnte sich nicht fassen. Sprachlos starrte sie dahin, bis ihr Gatte sie aus ihrem sinnenden Brüten durch die Frage weckte: „Glaubst Du auch jetzt noch an Proßnitzers Unschuld?" „Das Silber wieder an seinen Platz zu stellen, halte ich ihn für fähig, aber es fortzunehmen; das hat Proßnitzer sicher niemals gethan." „Die Erfahrungen der letzten Zeit haben Dich doch, Gott sei es gedankt, nachsichtiger in Deinem Uriheil gemacht. Möge uns nun Gott einen Lichtstrahl in dieses Dunkel fallen lassen, damit wenigstens kein Unschuldiger durch uns leidet. Jetzt aber muß ich den Stadtrichter Schaab aufsuchen, wenn ich diesen zur Milde stimmen kann, ist noch nicht alles verloren." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag, 26. Jan., 15. Schebath, itpy rwön. Areitag, 27. Jan., 16. Schebath. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 4 Uhr 45 Min. Samstag, 28. Jan., 17. Schebath, HTtJ' ‘W nbtBG. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 6 Uhr — Min. — Berlin 5 Uhr 27 Min. — München 5 Uhr 48 Min. — Hannover 5 Uhr 41 Min. — Stuttgart 5 Uhr 59 Min. — Prag 5 Uhr 35 Min. — Straßburg 6 Uhr 05 Min. - Posen 5 Uhr 13 Min. Der «scheint wfieheMtlich dreimal, Houtay;« aud Donneritag«, jedesmal in mindesten« «mI Bmn. Preis pro Vierteljahr bet d« Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjahrlich, halbjährlich ob« Vierteljährüch. Alle Bnchhandlnnße» und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der stvchtzavdet verkehrt knrch T /. sttrlvacker, tönfe DvWiatz M. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis d« Zette im Reelametbetl 76 Pfennig. — Dtrectr Francozafendu»« unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichliMaick ab« 8 st. ästerr., für'« Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franev einzusenden. Gl»e **»»*« U* #» M# IMiMiti Mauuseripter, studos nicht statt, «am dttttt »t«««*», stch »s» Giussudmrge» eine «opie zurückzudestattsu. Anstatt (Hauptblatt) Leitender Artikel: Ein merkwürdiger Umschwung der jüdischen öffentlichen Meinung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt .Köln. München. Hamburg. Buchsweiler. AuS Bayern. Oefterr.-Ungar. Monarchie: Deutsch-Kreuz. Mißlitz. — Personalien: Langenselbold. — Vermischtes — Feuilleton: Späte Sühne. (Fortsetzung.) Anstalt der Beilage s Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oefterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Italien: Rom. verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Jsraeltt", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerci-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierru eine Beilage.