Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1899)
- Date
- 1899-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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124 wählen wurden die statutengemäß ausscheidenden Mitglieder, die Herren Joseph Wohlfarth (Vorsitzender), A. I. Hofmann und Louis Hamburger wiedergewählt. — Möge es auch im kommenden Jahre dem Jubiläumsjahre des „Me kor-Chaj im-Vereins/ demsslben vergönnt sein unter Gottes Beistände den eingeschlazenen Weg weiterwandeln zu können, hinauf zu dem hohen Ziele, das alle Mitglieder gemeinsam erstreben, zur Vermehrung echten ThaurogeisteS und wahrer jüdischer Pflichttreue. Köln, 19. Januar. Zur Bildung eines Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen hatten sich vor einigen Tagen etwa 60 Herrn in der Rheinlandloge versammelt. Der Herr Stadtrath Rechtsanwalt Dr. Elzbacher, gleichzeitig Vorsitzender des Kuratoriums vom hiesigen jüdischen Asyl, eröffnete die Versammlung, erläuterte den hohen und edlen Zweck, israelitische Mädchen dem Berufe der Krankenpflege zu widmen, und erklärte, daß obige unter seiner Leitung stehende Altersversorgungsanstalt dem anzustrebenden Ziele zur Verfügung stehe. Auch Herr Dr. Auerbach sprach in längerer Rede über das Bedürfniß und die Wohlthat der Pstege von Kranken in Familien ohne Unterschied der Konfession und hob die ethische Seite einer solchen Institution hervor. In gleichem Sinn befürwortete Herr Rabbiner Dr. Frank die Tendenzen eines solchen Vereines vom speziell jüdischen Standpunkte aus. Nunmehr ging man zur Berathung des Statuts sowie einer Pensions-Stiftung für die betreffenden Damen über; ein Vorstand, bestehend aus fünf Mitgliedern, dem außerdem die beiden Oberärzte und zwei Mitglieder des Kuratoriums vom Asyl angehören, wurde gebildet. Wir sehen mit den besten Hoffnungen dem Zustandekommen dieser der leidenden Menschheit gewidmeten Stiftung entgegen, umsomehr, da schon an demselben Abend ansehnliche Beiträge gezeichnet wurden, und sämmtliche anwesenden Herren als Mitglieder beitraten. München, 19. Jan. Die Antisemiten, deren Erfolge in den letzten Jahren freilich recht üppig in die Halme geschossen sind, müssen zuweilen auch gewahr werden, daß „bei den Rosen auch gleich die Dornen stehen". Wie unangenehm ist es, wenn ein Parteihäuptling, der als großer Reformator, als theuerer Gottesmann und als unerschrockener Streiter verhimmelt wurde, sich vor Gericht einen Falscheid Nachweisen lassen muß und später als Jntriguant der schlimmsten Sorte entlarvt wird, so daß die eigene Partei ihn abschütteln muß; oder wenn einer der Selbstbewußtesten, der in dem Parlament und in der Presse sozusagen eine erste Violine spielte, als Fälscher und Betrüger ins Zuchthaus wandert; oder wenn ein gewaltiger Parteihauptmann, der an die Spitze eines großen Communalwesens berufen wurde, um mit wuchtigem Schwert das „Teutschthum" zu schützen und die Götzen des Kapitalismus zu stürzen, schließlich vor dem Großkapital selbst schimpflich capituliren muß, oder wenn ein jugendlicher Halbgott, dessen Schönheit und Anmuth von den Parteifreunden marktschreierisch ausgerufen wird, ein ihm durch Wahl anvertrautes Amt so geistreich verwaltet, daß ihn die Regierung absetzen muß, weil er sich weniger gleich einem Stadtoberhaupt, als gleich einem mangelhaft erzogenen Jungen erwiesen hat u. s. w. u. s. w. Was nun neuestens den Unmuth der hiesigen Antisemitenpresse weckte, ist freilich nicht von der Tragweite, wie die vorerwähnten Facta, aber immerhin auch sehr schlimm. Das hiesige Antisemitenblatt hat nämlich die schreckliche Entdeckung gemacht, daß in einem Cyclus von fünf Vorträgen, welchen die „Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller" veranstaltet, vier jüdische und nur ein „deutscher" Redner vertreten seien. Die betreffenden Redner sprechen natürlich alle in Anbetracht des humanen Zweckes ohne jeden Anspruch auf Entschädigung. Wenn die Juden in Handel und Verkehr eine wichtige Rolle spielen, so zetert die Antisemitenmeute über ihre Habsucht und ihre Geldgier; wenn sie uneigennützig die Früchte ihres Forschens und ihre geistigen Fähigkeiten in den Dienst des allgemeinen Wohles stellen, so ist das natürlich auch nicht recht. Nebenbei ist die Behauptung der antisemitischen Presse von den vier jüdischen Rednern wie gewöhnlich erlogen. Herr General-Intendant von Possart wird als „Judenstämmling" präsentirt; derselbe ist als Christ geboren. Aus Paul Lindau wird ein Jude gemacht; nur wer sich ein klein wenig mit der modernen deutschen Literatur befaßt der weiß, daß Paul Lindau Sohn eines protestantischen Pfarrers und tadellos getauft ist. Also mit der Behauptung: „Vier Juden und ein einziger Deutscher" ist es wieder einmal nichts. Es wird übrigens noch einige Zeit darüber vergehen, bis sich Jemand findet, der die antisemitischen Preß- Mameluken um ihr Urtheil darüber befragt, wer deutsch ist und wer nicht. Nach der Bildung und Gesittung, die in den antisemitischen Blättern zum Ausdruck kommen, kann man ihre Schreiber weit eher für Tartaren oder Hottentotten halten, als für Deutsche. Hamburg« Im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur sprach im Schweizer Saal bei Sagebiel Herr Professor Dr. Stachau. aus Wolfenbüttel über „ Unterricht und Erziehung bei den Juden im Mittelalter." Nach einer kurzen Einleitung bemerkte der Redner, vom 8. bis 14. Jahrhundert habe in Deutschland und Nordfrankreich die Bildung der Juden hauptsächlich, ja fast ausschließlich auf dem Studium des Talmuds und der heiligen Schrift beruht, da ja auch die Bildung der Christen zu jener Zeit