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Der Israelit · 1899-01-19 · Heft 6 (19.1.1899) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 6 (19.1.1899)
Date
1899-01-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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115 schen Texte manche Mängel und selbst eine Reihe böser Fehler enthalten. Zu erkeren ^rechnen wir die völlige Vernachlässigung des Metheg, zu letzteren den häufigen Ausfall des Dagesch und positive orthographische Schnitzer in der Consonantenschrift. Auch die Beobachtung der grammatischen Gesetze ist nicht immer einwandfrei, und manche der gewählten hebräischen Wendungen ist zu beanstanden. Wir sind gern bereit, dem Verfasser mit Einzelheiten zu dienen. Nichtsdestoweniger darf sich das Buch lebhaften Beifalls erfreuen, eine zweite Auflage jedoch wird von diesen Fehlern gereinigt sein müssen. Die Ausstattung ist sehr elegant. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 12. Jan. Der Senior der Berliner Stadtverordneten, Sanitätsrath Dr. Neumann, dessen gegenwärtige Wahlperiode noch in diesem Jahre (1899) abläuft, vollendete am 6. Januar sein vierzigstes Amtsjahr als Stadtverordneter. Er trat am 6. Januar 1859 in die Berliner Stadtverordneten- Versammlung als Mitglied ein und wurde nach Ablauf des Mandats immer wieder gewählt, — im Ganzen siebenmal. Das seltene Ereigniß hat Magistrat und Stadtverordnete bestimmt, dem Jubilar an seinem Ehrentage eine werthvolle Glückwunsch- Adresse zu widmen. Auf eine vterzigjährige Dienstzeit als Gemeindeoertreter kann außer ihm nur noch ein Stantverordneter zurückblicken: der greise Gelehrte Professor Dr. Rudolf Virchow, der ebenfalls im Jahre 1859 in die Stadtverordneten-Versammlung eintrat und auch siebenmal wiedergewählt wurde. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die Prager „Politik", deren häßliche Tendenz es ist, gegen den gottlob feststehenden Dreibund fortwährend zu intriguiren, wußte kürzlich folgendes AuSweisungSgeschicktchen zu erzählen: Kürzlich erhielt ein österreichischer Reserveoffizier, ein Israelit, welcher in Schlesien bei einem großen Unternehmen angestellt ist, wie alle seine Glaubengenossen einen Ausweisungsbefehl. Er reiste nach Wien, erbat sich eine Audienz beim Kriegsminister und ersuchte denselben, ein ehrenräthliches Verfahren gegen ihn einzuleiten. Dies geschah auch mit möglichster Beschleunigung, und mit dem Attest des militärischen Ehrengerichts, daß absolut kein Anlaß, an der vollständigen Ehrenhaftigkeit der Betreffenden zu zweifeln, begab dieser sich nach Berlin. Dort war sein Fall bereits der österreichisch-ungarischen Botschaft zur Kenntniß gebracht worden, und mit der Empfehlung SzögyenyS versehen, begab sich der Offizier zum Minister v. d. Recke. Dieser ließ sich den Sachverhalt darlegen und gab seinem Erstaunen Ausdruck, daß in diesem Falle der BiSmarck'sche Erlaß zur Anwendung gebracht worden fei. Der Minister fragte: „Welcher Konfession gehören Sie eigentlich an?" worauf der Reserveoffizier erwiederte: „Der mosaischen." „Ah, das erklärt alles!" lautete die Antwort des preußischen Ministers. Die Ausweisung wurde aber doch rückgängig gemacht, und das ist die Hauptsache. (Die Berliner „Deutsche Tageszeitung" bezeichnet die ganze Geschichte als eine Ente. Red.) Belgien. Brüssel. Hier ist am 22. v. Mts. der rühmlichst bekannte Professor Dr. Gottlieb Gluge im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war einer der angesehensten Physiologen und Pathologen und gehörte zu den Ersten, die sich daran machten, mit Hilfe des Mikroskops krankhafte Vorgänge zu studiren, in der Absicht, für die richtige Deutung dieser Prozesse objektive Unterlagen zu gewinnen. Um die Bedeutung dieser Studien richtig zu schätzen, muß man sich vergegenwärtigen, daß sie noch in eine Zeit fallen — es ist die Mitte der dreißiger Jahre —, in der die Naturphilosophie in Deutschland noch in voller Blüthe stan). Gluge, 1812 zu Brakel in Westfalen geboren, hatte seine Schulbildung in Detmold und Minden erhalten und war 1831 nach Berlin gekommen, um Medizin zu studiren. 1835 promovirte Gluge in Berlin zum Doktor. Dann ließ er sich in Minden als ausübender Arzt nieder. Neben der ärztlichen Praxis widmete er seine Arbeit fortwährend der Wissenschaft. Mit Empfehlung des stets hilfsbereiten Alexander v. Humboldt ausgestattet, ging Gluge, da er als Jude in Deutschland damals keine Anstellung bekommen konnte, nach Paris. Mittlerweile war eine von der Berliner medizinischen Fakultät preisgekrönte Arbeit von ihm erschienen, eine historische pathologische Abhandlung über die Influenza. Diese wissenschaftlichen Arbeiten veranlaßten die belgische UnterrichtSverwaltung, Gluge 1838 die Professur der Physiologie an der Universität Brüssel zu übertragen. Seine wissenschaftliche Arbeit theilte Gluge zwischen Physiologie, Pathologie und praktischer Medizin. Seine Schriften auf diesen Gebieten sind sämmtlich von großer Bedeutung. Seit 1876 lebte Gluge im Ruhestande. Seit 1843 war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Brüssel und vom König mit hohem Orden dekorirt. Er war auch lange Zeit Leibarzt der Königin von Belgien. Dem Judenthum blieb er sein ganzes Leben hindurch ein treuer Anhänger.

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