Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1899)
- Date
- 1899-01-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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116 England. London, 16. Januar. In der hiesigen Westend Synagoge Great Portland Street wurde die Bar- Mizwah des Sohnes des Baron Leopold de Rothschild gefeiert. Der Knabe trug in altherkömmlicher Weise seine und zwar laut und mit Nachdruck vor, was seinen Vater zu Thränen rührte. Lord Rothschild, der Onkel des Barmizwah, sowie die ganze Rothschild'sche Familie wohnte dem Gottesdienste bei. Der Chief Rabbi hielt eine begeisternde Ansprache und ermunterte den jungen Mann, der edlen Familie, der er angehört und dem Judenthum Ehre zu machen, und als treuer, echter mrr zu leben. Nach beendigtem Gottesdienste begaben sich die Familienmitglieder, der Chief Rabbi und die der Synagoge angehörenden Reverends zum Frühstück und der in religiöser Hinsicht volljährig Gewordene trug das Tischgebet "pco sehr nachdrucksvoll vor. Es wurde der aus Baron Edmund de Rothschild's Colonie „Rischon le Zion" kommende Wein servirt. — Heute Abend fand im hiesigen großen v'7-Ln (Dukes Place) eine höchst seltene und bedeutungsvolle Feier statt. Der verehrte Dajan Rev. Mr. B. Spiers *; vollendete das ganze ctf, nachdem er seit 23 Jahren Vorträge des x-M dreimal wöchentlich abhielt. Dieser L"? wurde um 8 Uhr in Gegenwart des Chief Rabbi's und sämmtlicher Talmudgelehrten Londons in höchst erhebender Weise vorgenommen und zwar traf sich, daß der vrL gerade auf den Jahrzeitstag des seligen Dr. Adler fiel. Nach dem Abendgebete hielt der Dajan einen englischen Vortrag über die Wichtigkeit des Talmudstudiums zur Aufrechterhaltung des Judeuthums. Dann folgte ein 8:282 über eine Stelle in rn; raos, die uns an die Zeiten der alten rrrtr erinnerte. Besonders treffend erklärte der Redner die letzte Stelle des Talmuds r'zbr, x8x ’ipr 8x daß die Praxis im Lebenswandel mit der Theorie der Thora Hand in Hand gehen, so die n:-8n mit der r-c8n harmoniren müsse. Man begab sich alsdann in die große Bibliothek-Halle, woselbst Getränke und Confitüren verabreicht wurden. Der Chief Rabbi Dr. Adler und der Chacham der Portugiesen Dr. Gaster sowie noch einige Talmudisten hielten höchst geistreiche Ansprachen. Dieser ereignißvolle Tag wird jedem Talmudkundigen in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. London, 1. Jan. Der verstorbene Baron Ferdinand Rothschild hat eine große Anzahl von Legaten hinterlasien, von denen erst ein Theil bekannt geworden ist. Darunter befindet stch eme Stiftung von zwei Millionen Mark für das Eoelina de Roihschilb-Hospital in London und 40u,00t) Mark für verschiedene Seemannsinstilute. Von jüdischen Anstalten ist bisher nur eine bedacht worden, der Jewish Board of Guardian hat 100.000 Mark erhalten. Der Parlamentssitz, der durch den To) des Baron Ferdinand Rothschild frei geworden ist, wurde zierst Leopold Rothschild angeboren, von diesem aber abgelehnt, und ist jetzt Walter Rothschild, der älteste Sohn des Lord Rothschild, der Kandidat der liberalen Unionisten in diesem Wahlkreis Mid-Buckmghamshire. Seine Wahl dürfte fast sicher sein, umsomehr, als b sher noch kein Gegenkandidat nominirt worben ist. Rumänien. Bukarest, im Jan. Außerordentlich viel Aufsehen hat hier bei Juden und Christen der Fall des Dr. K. Lippe in Jaffy erregt. Dr. Lippe, der sich trotz seiner 74 Jahre noch einer großen ärztlichen Praxis erfreut, war beschuldigt worden, eine ungesetzliche Operation mit tövtlichem Ausgang vorgenommen zu haben. Es fand eine Untersuchung statt, die Gutachten derAerzte und Chemiker lauteten aber übereinstimmend mit der Erklärung Dr. Lippes dahin, daß eine solche Operation überhaupt nicht vorgekommen sei. Man erwartete daher allgemein die sofortige Freisprechung Dr. Lippes, und dis Sache kam in Vergessenheit. Plötzlich wurde Dr. Lippe am 24. November verhaftet, und man erfuhr, daß auf eine Beschwerde des Generalstaatsanwalts Mandru eine neue Untersuchung anaeordnet wurde, und die Angelegenheit vor den Kaffationhof kommen würde. Dr. Lippe wurde in außerordentlich strenger Haft behalten, aber im Publikum, auch im nichtjüdischen, war die Sympathie für Dr. L ppe allgemein. Als die Angelegenheit im Kaffationshof zur Verhandlung kam, plaidirte selbst der Generalstaatsanwalt sehr warm für die Freisprechung, die auch sofort erfolgte, und das Gericht verfügte die sofortige Freilassung des Beschuldigten. Die Rückkehr Dr. Lippes in sein Haus gestaltete sich zu einem förmlichen Triumpbzug. LebenSverstcherirngS-Gesellschaft zir Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger). Es sind vom 1. Januar btS Ende November 1898 5933 Versickerungen über 45 917 500 Mkbeantragt worden,' als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 823 Mitglieder, die mit 5 747650 Mk. versichert waren. Der Vcrsicherungsbestand stellte sich Ende November 1898 auf 71400 Personen mit 539 Million. Mk Versicherungssumme, das Vermögen auf 168 Million. Mk. Für fällig gewordene Versicherungssummen sind bis jetzt ausgezahlt 115 Million. Mk, als Dividenden an die Versicherten gewährt 57 Millionen Mk. Divioendenreservcn in Höhe von 27 Millionen Mk. liegen zur weiteren Vertheilung an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschlüsse den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als 5 Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahre, wie bereits seit einem Jahrzehnt, 42% der ordentlichen Jahresprämie und bei abgekürzten Versicherungen außerdem l* 1/» °,0 der Summe der gezahlten Zufatzprämien.