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Der Israelit · 1899-01-19 · Heft 6 (19.1.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 6 (19.1.1899)
Date
1899-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWWWWM 101 Wir sollen gemeinsam fnr das Hohe deS Iudeiilhums kämpfen. Leider ist es uns nicht vergönnt, eine obere Behörde, die als Eentralsrelle de? Ganzen fungirt, zu haben. Gottlob haben aber die Organe der Selbstrerwaltnng erkannt, daß wir, was nnS das Gesetz nicht gegeben hat, freiwillig thnn und leisten sollen. In diesem §inn ist der Gemeindeblind ein hervorragender Schriit, wie es nicht minder erfreulich ist, daß ein deutscher R ab bin erverb and geschaffen worden ist, der ebenfalls Orthodoxie — traditionelle Richtung Witt ich es lieber nennen - und die anderen, welche nicht daran fefthalten, vereinigt. Gemeinsam haben ivir für so vieles zu kämpfen, daß wir außerordentliche Mitarbeiterschaft nehmen müssen, wo inliner wir sie finden. Gottes Segen wird auf unseren Arbeiten ruhen und wir wereen Erfolg haben zum Heile des Iudenthums. Ob wir auch heute noch ohne Staatsband sind, die Zeit wird kommen, wo uns ein gesetzliches Band, das über alle Berwaltungsangelegenheiten wacht, umfaßt, und dann wird schon eine Organisation vorherrschen, wie es der Nabbinerverband und der Gemeindebund ist." Diese Ausführungen und noch einige später ans dem Gemeindetag erfolgten, sind so vielsagend, daß ich vielleicht noch einmal darauf zurückkomme. Aus Süddeutschland. Wie wir der „Neuen Freien Presse" entnehmen, ist ein Werk des Astronomen Dr. Verthold Cohn, „Die definitive Berechnung der Laufbahn des Kometen von 1853", von dem Director der kais. Sternwarte Wien, Professor Weiß, der Akademie der Wissenschaften überreicht und von dieser angenommen worden. Wir gratuliren dem jungen strebsamen Gelehrten, der sich auch in jüdischen Kreisen durch die genaue wissenschaftliche Berechnung von nxx und “narr Tey bekannt gemacht hat, herzlich zu seinem Erfolge. Forbach. (Noch ein m a l über Forb a ch e r Zustände.) Die hinlänglich bekannte und leider dadurch nicht beseitigte Afsaire von der Verbindung einer Wittwe mit Kindern mit dem Bruder ihres verstorbenen Ehegatten, diese traurige Affaire soll heute nicht der Kernpunkt unserer Besprechung sein. Wir wollen vielmehr heute auf eine ebenso traurige Thatsache, wir betonen ebenso, und nicht minder schwere Vergehung gegen unsere heilige Thora Hinweisen, eine Vergehung, die nicht nur eine einzige Familie, sondern die ganze Gemeinde betrifft. Ich meine jenes heilige Reinheitsgesetz, welches unsere Thora jeder jüdischen Gattin zur unverbrüchlichen Pflicht macht, und welches der unerschütterliche Pfeiler ist, auf dem das Wohl und das Glück der jüdischen Familie aufgebaut ist. Wie ist es möglich, muß man sich fragen, daß Familien, die mit solchem Feuereifer und solcher Entrüstung gegen jene blutschänderische Ehe ausgetreten sind und nur Abscheu und Entsetzen über jene Entweihung unserer Ehegesetze empfanden, daß dieselben Familien ein Gebot der Thora übertreten, das ebenso heilig und ebenso unverbrüchlich ist. Ich will mich konkreter ausdrücken. Das rituelle Frauen-! bad in unserer Gemeinde war schon lange reparaturbedürftig, wurde aber immer noch benützt. Da traten durch die bekannte Skandalgeschichte furchtbare Wirren in der Gemeinde ein, ein großer Theil der Gemeindemitglieder verweigerte die Zahlung des Budgetgeldes und darauf stützte sich die Vorstandschaft und sagte: Solange ihr nicht zahlt, wird auch das Frauenbad nicht reparirt. Inzwischen ist dieses fast vollends verfallen und bleibt dadurch leider auch unbesucht. Die Gemüther haben sich seither etwas beruhigt und die Gelder füllen allmählich wieder die Gemeindekaffe, das Frauenbad befindet sich aber nach wie vor in einem trostlosen Zustande. Doch ist dies keineswegs eine Entschuldigung für die jüdischen Ehegattinnen, daß sie nun ihrer Pflicht überhaupt nicht Nachkommen, weil das Frauenbad hier nicht benutzbar ist. Gibt cs nicht rituelle Frauenbäder genug, die von hier ans ohne bedeutende Schwierigkeiten mit der Bahn zu erreichen finb? Was bedeuten diese kleinen Beschwerlichkeiten gegenüber den gewaltigen Opfern, die unsere Vorfahren noch vor hundert Jahren für unsere h ilige Religion gebracht haben! Wie lange ist cs überhaupt her, daß die Frauenbäder so luxuriös und elegant eingerichtet sind? Noch jedem von uns sind die Erzählungen unserer Großmutter bekannt, daß sie „kalt gingen," ja, daß sie mitunter erst das Eis aufschlagen mußten, um ihrer Pflicht zu genügen. Es soll gewiß nichts gegen die komfortable Ausstattung der Frauenbäder eingcwandt werden, jeder Mensch macht es sich so bequem,als möglich, solange die Pflicht nicht verletzt wird, aber zuweilen ist es doch nöthig, auf die Heldenhaftigkeit unserer Vorfahren hinzuweisen, auf ihre Pflichtreue und Opferwiüigkeit, um das Gewissen der Zeitgenossen aufzurntteln und an seine Pflicht zu mahnen. Mögen auch diese Worte, von Herzen kommend, zu Herzen dringen und der Appell an das Gewissen der jüdischen Ehegattinnen nicht ungehört verhallen! Cfchwetler, 12. Jan. So ist denn auch hier glücklich die Schächtfrage aufgekommcn. Anschließend an das Vorgehen der Stadt Rheydt, wollten sich auch hiesige Mitglieder des StadtveroronetenkollegiumS die Lorbeeren erringen. Schon im Sommer dieses Jahres kam die Angelegenheit zur Sprache, wurde aber auf einen günstigeren Zeitpunkt vertagt. Auf eine direkte Anfrage seitens der Aachener Regierung, ob die Stadl nichts zur „thunlichsten Einschränkung des Schächtens nach dem Prozentsätze der jüd. Bevölkerung", unternehmen wolle, kam die Angelegenheit wieder vor das Forum der städtischen Verwaltung. Nach Rede und Gegenrede, wo vielfach der Standpunkt der Toleranz betont wurde, wurde beschlossen, diese Angelegenheit der Schlachthofkom- Mission zur Prüfung zu unterbreiten, wobei der! Schlachthofdirektor und ein Mitglied der jüd. Ge-

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