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Der Israelit · 1899-01-19 · Heft 6 (19.1.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 6 (19.1.1899)
Date
1899-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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99 soll jede Richtung aus der Opferfreudigkeit schöpfen, deren Maaß das religiöse Pslichtenbewußtsein ihrer Anhänger bestimmen wird. Unmöglich aber ist es, ein Widersinn, eine Leugnung des eigenen Prinzips bedeutet es, „einem Bekenntniß und seiner Verneinung zugleich ein und dasselbe Gotteshaus, eine und dieselbe Kanzel, eine und dieselbe Religionsschule zu errichten." Will die Reform in Köln mit der Einweihung der neuen Synagoge ihren Weg antreten — mag sie es thun: wir gehen dann den unsrigen! Doch die Schuld geleitet sie auf den Weg, den Bruder hintergangen, ihn zur Trennung gezwungen zu haben; uns hebt und kräftigt das Bewußtsein, uns stärkt der Muth, ohne Hemmnis unsre Ueberzeugungen entfalten, ein jüdisches Gemeindeleben erwecken zu können, und das alte unverfälschte Judenthum zu vererben nachstrebenden Geschlechtern. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Berliner Briefell.) Ich habe Ihnen die herzerhebenden Eindrücke zu schildern versucht, welche das Jubiläum des Rabbiner-Seminars bei allen Betheiligten zurückgelassen hat und wollte Ihnen andererseits aus einigen Aeußerungen des offiziellen Organs unseres hiesigen Resormjudenthums die unverkennbaren Anzeichen des Niedergangs dieser Modereligion und ihrer Faiseure veranschaulichen. Aber wie alles in der Welt haben auch diese Zustände ihre beiden Seiten und diese Kehrseite der Medaille ist es, auf welche ich heute zu sprechen komme. Es sind zwei fast gleichzeitig erschienene Publikationen, welche dazu führen: „Das Stenographische Protokoll des 8. Gemeindetages des Deutsch-Israelitischen Gemeind ebun de s" und „Verhandlungen und Beschlüsse der G eneral-Versammlung des Rabbiner-Verbands in Deutschland zu Berlin am 1. und 2. Juni 189 8." Die Lektüre dieser beiden Berichte gibt dem aufmerksamen Leser viel, viel zu denken und zu fürchten. Sie zeigt, daß auch bei unserer Orthodoxie nicht alles Gold ist was glänzt, daß sie ihre ganz bedenkliche Auswüchse hat, und daß andererseits das abgewirthschaftete Reformjudenthum alleKaft einsetzt, um sich über Wasser zu halten und eine rührige Propaganda zu seiner Rehabitilirung entfaltet. Das Betrübende dabei ist, daß der unleugbare Erfolg dieser Propaganda des Resormjudenthums lediglich den Handlangerdiensten zu verdanken ist, welche Bekenner des orthodoxen Judenthums leisten! <5ie liefern die Steine zu ihrer Steinigung, sie tragen die Holzscheite zu ihrem eigenen Autodafe, sie sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen und glauben dabei, sie reichten Steine zum Aufbau eines -17 ny p», sie legten Opferholz auf die Feuerstätte ihres Opferaltars, und schnitten nicht sich, sondern dem Gegner den Lebensweg ab. Sie glauben, indem sie es untergraben, so sicher dem orthodoxen Judenthum zu dienen, daß sie über die fernab von diesem Gebühren besorgt und betrübt dastehenden Genossen, verwundert den Kopf schütteln, weil sie die neue Zeit und die neue Parole des Anschlußes und der Verbrüderung mit unseren ausgesprochenen und unausgesprochenen Gegnern nicht begreifen! Aber selbst auf die Gefahr eines solchen Kopfschüttelns hin: ipex \\* rr: sb'Z'bs Wenns nicht schwarz auf weiß dastünde, wenns nicht noch in unseren Ohren gellte, man wäre versucht, das was unsere Augen sehen und unsere Ohren hören, als einen neckischen, der Wirklichkeit entrückten Traum zu halten! Wir hören noch die begeisterten Jubiläumsredner, wie sie sich's gelobten in ihrem Meister und Lehrer, ihrem väterlichen Freund und Patriarchen das Vorbild ihres eigenen Lebens erblicken zu wollen, wie sie — ipsissimo verbo — den Treueid leisteten, den Weg des Königs, des Thorafürsten Rabbiner und Seminardirektor Dr. Israel Hildesheimer zu gehen und nicht nach rechts oder links von ihm abzubiegen, und wie stehts damit in Wirklichkeit? Da erscheinen wenige Tage später die Verhandlungen und Beschlüsse des Rabbiner- VerbandS, den keiner so entichieden perhorreScirt hat als eben Rabbiner Dr. Hildesheimer, und vorn stehen dieselben Schüler und Lobredver des Meisters als Mitglieder des von ihrem Lehrer „geassirten" Verbandes. Damit die Jünger aber gar nicht im Zweifel sein können, wie ihr Meister über den im Jahre 1884 gegründeten und im Jahre 1897 reorgamsirten Rabbiner-Verband denkt, möge hier ein Auszug aus einem Rundschreiben Hildesheimers vom 12. Jjar 5644 folaen: „Ich wies aber die Aufforderungen an der Versammlung theilzm ehmen, zurück und zwar, außer dem generellen Grunde, den ich nicht erst an zu geben brauche, ganz be besonders aber, weil sich ad II (M itrel zur Hebung des religiösen Sinnes) z io i s ch e n uns und einigen d e r E i n l a d e n d e n keineBrücke schlagen läß t, d a ich, wenn anwesend das Mittel in erste Linie stellen mußte, daß nicht die Rabbinen selbst daö Me lt gio n » ge setz mit Mützen treten Daselbe ist auch bei Punkt 3 der Fall, wenn man, wie ich die eigentliche Tendenz dieser dunkelge haltenen These kennt, nämlich eine Vereinbarung darü der, w elcher „Rabbiner" als solcher an zu erkennen s ei. „Dafür" sagte ich dein Mitglied deo Rabbinats, das ntit mir über einem Beitritt unterhandelte,

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