Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1899)
- Date
- 1899-01-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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^MAMWMWWWMWWWWW 90 Nachstreber, jetzt schweigen, wo ihm zu Ehren ein Stein errichtet wird, der eine redende Sprache führt über ihn, der, ich möchte sagen, in sich ein eherner Lobgesang, ein unvergänglicher Preis seines ganzen Lebens ist, ein Preis seiner Gelehrsamkeit, seiner Frömmigkeit, seines Eifers im Dienste Gottes? O, eines solchen Ehrensteins bedarf er eigentlich nicht. Ter königliche Psalmsänger ruft aus: p’iy DPiy “pp „Zum ewigen (Gedächtnis ist der Gerechte", der p'">L, der Fromnte ist sich selbst sein einiges Denkmal, dauernder t-enn Erz, glänzender als Marmor, ragender als Steinsäule. Eine unsterbliche Erinnerung hat sich Pleßner selbst geschaffen inmitten seiner Gemeinde, die ehrwürdig durch ihr Älter, vorbildlich durch ihre innere Kraft vor ankeren Gemeinden bervorstrahlt, eine unsterbliche Erinnerung durch den Segen, den er hier im Leben gestiftet und nach feinem Tode zuückläßk. Soll ich euch auf dem Gefilde der jüdischen Wisseuschatten umberführen, um euch zu zeigen, mit welcher rastlosen Emsigkeit, welchen» glänzenden Erfolge er dasselbe Uei volle Iaht zehnte angebaut hat? Soll ich euch den bewährten Talmndgelehrten oder den gründlichen Forscher in den Tiefen der jüdischen Literatur oder den klassischen Vertreter und Meister des hebräischen Stiles oder den llaren, treffenden, sinnigen Eregeten schildern? Oder soll ich ihn euch darstellen, wie er mit der Macht der Seele, mit der Gluth der Begeisterung, mit dem Donner des Wortes, mit der Schärfe des Witzes, mit der Reite der Weisheit, mic der Fülle des Wissens, mit dem Muthe der Wahrheit und Ueberzeugung für seinen Gott, seinen Glauben, sein Prinzip, sein festes, unentwegtes Prinzip lftPJ rvTDDZi, selbst in Hinwerfung seiner ganzen Eristenz, von geheiligten Höhe der Kanzel herab eintrat? Oder soll ich ihn euch abbilden als den edlen Menschen, der mit seiner ungeheuchelten Frömmigkeit zugleich Liebe und Frieden paarte, Versöhnung und Freundschaft denen freudig entgegenbrachte, die ihn verkannt und verletzt, oder a!S den Mann der vornehm geläuterten Lebensart und würdevollen Liebenswürdigkeit, der ans dein Boden der gesellschaftlichen Welt stch so taltvoll, mit soviel Bildung und Anmuth, unter Entfaltung so geistreicher Anregurig zu betvegen wußte, daß alles unter dem Zauber seiner Persönlichkeit, wie gebannt blieb? Oder soll ich ihn euch vorsühren, wie er in besonders n eihevollen Stunden gottesdienstlicher Andacht vor das Vorbeterpult trat und mit ebenso umfassender, wie klangreichcr und machtvoller Stinnne sein nP'ZO-Gebet oder seine ninP’D am m D")V vor len Stufen des Weltrichters niederlegte, daß die versammelte Geineinde in Rührung und Ergriffenheit erschauerte lind kein Auge trocken blieb? Oder soll ich ihn euch zeichnen als den großen Sohn feines großen Vaters, als den treuen Schildknappen seines Erzeugers und Erziehers, eines Rabbi Solomon Pleßner, als den Inbegriff aller Pietät, als die verkörperte üuntnie aller kindlichen Liebe, als das lebende Prinzip dankbarster Ergebenheit gegen d>e Eltern, als die persönliche Vertretung frommer Treue gegen Vater und Mutter, denen er bei ihren Lebzeiten rvie nach ihrem Tode so herzlich nachhing, daß diese seine bewunderte Tugend im engeren Kreise bald sprichwörtlich ivurde? Oder toll ich ihn euch zeigen, wie er, der liebende Ehegemahl, der zärtlichste aller Gatten, das Familienleben innerhalb seines Hauses so traulich und behaglich gestaltet, daß, tvie es so oft der Fall ivar, der Fremdeste sich sofort unwillkürlich dadurch angezogen fühlte? Ihr habt ihn alle verehrt, den Mann mit dem milden Blicke, mit dem sanften Herzen des Kindes. mit dem reinen Geiste der Unschuld. O, als er die Augen zum ewigen Schlummer schloß, da versammelten sich an seiner Bahre etliche seiner Äiutsbrüder; ein jeder kündete sein Lob, nannte seinen Ruhm, erging sich irr Verherrlichungen seiner Person und seines Lebens, suchte seine Ehrung in Worten möglichst zu vollenden, zeichnete sein Bild mit den sattesten Farben. Wollten sie ihm heute noch einen Nachruluu widmen, ich könnte auch beute noch eine Nachlese ballen, tvie die ’üipt? "ira P'p7, ich könnte mich kaum erschöpfen in dem, was zu allen jenen D’-PDn heute noch zu ergänzen wäre. Und die kalte Schrift des toten Steines sollte all seinen Glanz, all seinen Ruhm der anschaulichen. Kann der Künstler so iueu Leben in den marmornen Buchstaben hauchen? Höret, tvaS er selbst einst gesagt, als er die Grabsteinlegung zu Ehren seiner Schwester und Schwiegermutter,") einer der edelsten aller PTi ’ftO, mit einigen Worten begleitete! Im ersten Buche Moses heißt es: nsso no'Ti pn Dp;," np’i. Da nahm Jakob einen Stein und erhob ihn zum Denkmal'. Jakob nahm einen einfachen Ste n, einen gewöhnlichen, schlichten Feldstein.^ In der Hand eines anderen wäre er nichts als eben nur Stein geblieben. Da aber Jakob ihn nahm und zur Säule auf richtete, lvard der Stein gleichsam geadelt, geweiht, erhoben: zum Denkmal erhoben. Er aihmeie dem Stein g cichsam leinen Geist ein, und der Stein lvard dadurch bedelltungö voll, imposant, ward noiP, eine Standsäule. rpüD nc’Ti PN zpjr np’i. „Unv Fakob nahm einen Stein und erhob ihn zur Staut fältle." Das, meine Verehrten, ist der Zweck, daß ihr eurem so plötzlich ins Jen teils gerufenen Rabbiner Tr. Etiaö Pleßner den Stein hier errichtet: um euretwillen, nicht um seinetwillen. Es ist ein ciasacher Stein, ein Block, gehauen vom Felsen, nichts anderes. Doch über den Staub eines Rabbi Elias Pleßner gesept, auf seinem Grabeshügel e.richiet, über feiner irdischen Hülle ausgestellt, hat dieser Stein für euch Bedeutung, ist er euch ein Stück Heiligthum, nill-P TPft nftN HNin pNm D'p?N np 'VT, wie unser Stammvater Jakob ausries und wie auch die Inschrift dieses Steines lautet: „Und dieser Stein, den ich errichtet zur Standfäule, soll ein Gotteshaus sein ein, Tempel, eine Stätte, geweiht für alle Zeiten." Im Buche der .Könige heißt es: Der König Josias fragte hnt on "ift’N Pn p-sn no „Was ist das für ein Grabmal, das ich da sehe?" Ta antworteten die Stadt leuie: "psNn ftf,N -ppn ,,Tas Grab da —- oas ist ein Alaun Gottes!" Die Stadtleute erwiederten dem Könige gleichsam: Du fragst, was das für ein Grabmal ist? Was Grabmal? Was Denksä ule? Was Leichen stein und Erinnerungszeichen? Du fragst nach dein I't.'? DaS Grab da ist die Hauptsache: das Grab dort da liegt ein Gottesmanu ein Heiliger. ''p?Nn ft"N ”Gpn. Tiefer Siein dort ist nur eine Art Wegweiser: Schau her! Hur liegt ein GotteSmanu, ein Heiliger. Wird doch das Denkmal auch T „Hand" genannt, weil es eben nur aus das "Pp aufmerksam machen soll. Und ein Heiliger rvar er, Rabbi Elias Pleßner. Fast könnte ich ihn mic dein Bilde unseres Stammvaters Jakob aus der gestrigen Sidro zeichnen. Pharao fragt unseren Stammvater Jakob- 7'n oft' '0' HDD „Wieviel sind die Tage deiner Lebensjahre?" Da antwortete Jakob D’jni ttjp vn oft 'Q' ’H „Wenig und betrübt waren die Tage meiner Lebensjahre," cü’TOO pp \odn ”n Oft P’ hn O'ft.l n7 „und sie erreichen nicht die Tage der Lebensjahre meiner Väter während ihres Erdenweilens." Paßt diese Miltbei lung Jakobs über sich selbst nicht buchstäblich auf unteren Verklä: teu? „Wenig UN) betrübt waren die Tage seiner Lebensjahre und reichten nicht hin an die Lebensjahre seines Vaters," der bei feinem Lebensende den Neunzig nahe stand. Und er, crym ft>P wenig und betrübt rvaren seine Tage. Inmitten freudigster Schaffenskraft ward er abberusen, aus seinem lebendigen Wirken heraus abberufen >P' p-p „im plötzlichen Verstummen seiner Tage," im Voll safte blühenden Mannesalters. □°jm üpo wenig icnd be trübt. So manche .Kümmernisse des Berufes, so uranche ) Frau Tr. Rosalie Hirschfeld