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Der Israelit · 1899-01-16 · Heft 5 (16.1.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 5 (16.1.1899)
Date
1899-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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8Zl Versammlungen immer zahlreicher besucht werden. Der Verein zählt jetzt 720 Mitglieder. Nur die Fortbildungskurse hätten bisher noch nicht den Erfolg gehabt, der im Interesse der Sache zu wünschen wäre. Der Vorsitzende beantragte deßhalb die Einsetzung einer Kommission, deren spezielles Ressort die Fortbildungskurse sein soll. Der Bericht der Revisionskommission wurde durch Herrn Justizrath Basch erstattet und legte ein Bild der günstigen Finanzlage des Vereins dar. Trotz eines Budgets von mehr als 600 Mark hat der Verein doch auch in diesem Jahre einen Ueberschuß von fast t 400 Mark. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden die Herren Dr. G. Karpeles, Kommerzienrath Julius Jsaac, Maximilian Heymann, Dr. M. Levin, Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabbiner Dr. S. Maybaum, Benas Levy, Professor Dr. M. Philippson, Albert Katz, Dr. M. Schaefer und W. Bambus wiedergewählt, ebenso in die Revisionskommission die Herren Justizrath Basch, Willibald Loewenthal und als Stellvertreter Heinrich Frankel. Zu dem letzten Punkt der Tagesordnung brachte Herr S. Bernfeld den Antrag ein, daß der hiesige Verein den Verband zur Drucklegung von wissenschaftlich bedeutenden Vorträgen veranlasse. Rach längerer Debatte wurde beschlossen, die Herausgabe einer solchen Sammlung von Vorträgen nach dem Muster der Virchom-Holdorf'schen zu veranlassen. Hierauf erstattete Herr Oberlehrer Dr. Schaefer ein Referat über die eben erfolgte Revision der „Jüdischen Lesehalle", die sowohl was die Zahl der vorhandenen wie der entliehenen Bücher, als auch was die Frequenz der Lesehalle anbelangt, ein sehr günstiges Resultat ergeben hat. Auf Antrag des Vorsitzenden beschloß die Versammlung, auch in diesem Jahre der jüdischen Lesehalle eine Subvention von 500 Mark und dem Verbände jüdischer Literaturvereine eine solche von 600 Mark zu bewilligen. Der Antrag, eine besondere Kommission für die Fortbildungskurse zu errichten, wurde hierauf angenommen, die Wahl der Mitglieder dieser Kommission aber dem Vorstand übertragen. Der Vorsitzende schloß hierauf die Generalversammlung mit dem Wunsch, daß der Verein auch im nächsten Jahr sich in gleich gedeihlicher Weise entwickeln möge. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß seit dem 1. Januar der im vorigen Jahre wegen Mangel an Betheiligung fortgefallene Fortbildungskursus, in dem die Grundprinzipien des Judenthums und die leitenden Ideen, von denen dasselbe getragen wird, versuchsweise wieder eingerichtet und Herrn Prediger Bleichrode übertragen wurde. Die Unterrichtsstunden finden zunächst wöchentlich einmal, und zwar am Mittwoch Abend von 8 bis 9 Uhr in der Jüdischen Lesehalle, Oranienburgerstraße. 26, statt. Anmeldungen nehmen Herr Prediger Bleichrode, Köpenickerstraße 82, sowie der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Gustav Karpeles, Kurfürstenstraße 21, entgegen. Es ist dringend zu wünschen, daß diesen Fortbildungskursen von den betheiligten Kreisen die Aufmerksamkeit entgegengebracht werde, die ihnen zukommt. Frankfurt a. M. Die Stellung, welche Herr Justizrath D r. G e i g e r in der Stadtverordnetenversammlung gegen Berücksichtigung der Sabbat-Ruhe bei der vorliegenden hiesigen Neuregelung der Sonntagsruhe einnahm, hat hier Niemanden überrascht. Daß es aber auch eine jüdische Zeitung geben könne, welche diese gehässige Anschauung wiederzugeben die Stirn hat, sollte man kaum glauben. Und doch ist es so. Die „Allg emeine Z eitung desJudenthu ms", das „unparteiische Organ für alles jüdische Interesse" hat Herrn Justizrath Dr. Geiger ihre Spalten zur Constatirung seiner Gehässigkeit geöffnet. Darin kommt zunächst der Jurist zum Wort. Was unter dieser Etiquette Gereimtes und Ungereimtes zur Verbrämung dieser Intoleranz vorgebracht wird, wird wohl andern Orts seine rechte Beurtheilung und Verurtheilung finden. Hier interessirt uns nur der Haupttrumpf und justizräthliche Schlußeffekt, der sich an alle Glaubensgenossen wendet, „welche für Juden und Judenthum noch Sinn und Herz haben." Dazu gehöre ich auch und brauche daher meine Berechtigung diese Expektorationen etwas niedriger zu hängen, nicht weiter zu legitimiren. Also, es handelt sich um das unerhörte Verlangen : „Denjenigen jüdischen Geschäften, welche ans religiösen Gründen den Sabbat und die jüdischen Feiertage streng einhalten, am Sonntag die bisher gewährte Arbeitszeit zn gestatten und die beabsichtigte Reducirung derselben von 2' 2 Stunden ans 1^ Stunden nicht auch auf sie auszu dehnen." Der Herr Justizrath meint nun in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", diese Petition wolle, indem sie scheinbar eine Gleichstellung herbeizuführen beabsichtigt, in Wahrheit eine Sonderstellung des Juden gesetzlich festlegen, und dagegen müßten alle Juden in gleicher Weise Protest erheben. Wenn die Juden diesem Rathe zufolge wirklich alle Protestanten werden sollten, so werden sie es vorziehen, zunächst gegen diese Voraussetzung zu protestiren, wie sie sich der Herr Justizrath zurechtlegt, um darauf das Kartenhaus seiner Sophismen aufführen zu können. Die Petition beabsichtigte keine Gleichstellung und keine Sonderstellung der Juden. Sie beabsichtigt lediglich die Stadtverordneten zu bestimmen, das schwere Opfer, welches die Sonntagsruhe den Sabbatfeiernden Juden bereits auferlegt, nicht durch neue Maßnahmen zu steigern. Das möchte der Jude Dr. Geiger Hintertreiben und die

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