Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1899)
- Date
- 1899-01-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XJi. Jahrgang. Erste Beilage M M 4 öes Jtomltt“. Leitender Artikel. Worte an -rr Bahre von Frau Babb. Dr. Lehmann r: gesprochen von ©Scat Lehmann. Als Iehuda dem Joseph berichtete, wie Jakob sich gesträubt, als von ihm verlangt wurde, den Benjamin mitzugeben, führte er die Worte des Vaters an : njrs 'rz'V rs c-tvt pcs ris-pi *;e eye N7 rs c; crnp'r* nPstv. Dazu bemerkt Raschi: -2 cn;re ':s ^s samre atrsy .-rs cvs '-2 frtvtetv 'bv ncn nr r*2* cs* itts by :ex bv „Jetzt da er noch bei mir ist, kann ich mich durch ihn noch über den Weggang seiner Mutter und seines Bruders trösten, wenn aber dieser sterben sollte, so will es mir dünken, als seien alle drei an einem Tage gestorben." Auch wir, meine Geschwister und ich, können Aehnliches sprechen: So lange unsere theure Mutier bei uns war, da konnten wir uns noch über den Verlust des großen Vaters einigermaßen trösten, mit jedem Worte, mit ihrem ganzen Wesen erinnerte sie an den Vater. „So hat es der Vater gemacht, das hat der Vater gesagt", das war ihre stete r)iebeweise, nun, da sie fort ist, scheint es uns, als seien Vater und Mutter an einem Tage uns entrisien worden! Wenn bedeutende Männer von hinnen ziehen, Männer, die der Menschheit, dem Judenthum große Dienste geleistet haben, dann hallt die Welt wohl wider von Klage und Trauer; aber oft hat eine Frau im stillen Kämmerlein ebenso viel und noch mehr als jene geleistet, ohne daß man draußen viel davon erfahren. Eine Tochter meines unvergeßlichen Großvaters, des berühmten Talmudgelehrten Rabbi Samuel Bondi r;, entstammte sie einer Familie, in der c-rcr r6*er m:sy ,rr-r stets heimisch gewesen. Sie hatte eine.vorzügliche Erziehung genossen, ihr ältester Bruder, der ihr vor Kurzem in den Tod vorausgegangene Rabbi Jonah Bondi ys, leitete das Erziehungswerk seiner jüngeren Geschwister und dieser hochgebildete Mann sorgte dafür, daß kein Zweig des jüdischen oder profanen Wissens unkultivirt blieb. Man kann sich denken, daß das schöne, gebildete, junge Mädchen viel umworben wurde. Ihre Wahl traf einen jungen, eben erst hier angekommenen Rabbiner, der allerdings in seiner aufrichtigen Frömmigkeit, seinem unaussprechlichen Fleiße und seinen großen Geistcsgaben unermeßliche Schätze besaß, Schätze, deren Werth bei Abschließung von Heirathen nicht immer gewürdigt zu werden pflegen. Ich brauche Ihnen meinen Vater nicht zu schildern. Sie haben ihn Alle gekannt, sein Wissen und sein Wirken. An Beiden hat meine Mutter keinen geringen Antheil, sie war ihm eine liebevolle Mitarbeiterin, eine fürsorgende Gattin, sie hob ihn hinweg über alle kleinlichen Sorgen des Tages, sie schaffte ihm Raum und Muße lediglich für seine unsterblichen Werke zu leben. War in der Gemeinde für irgend einen Zweck eine Sammlung zu veranstalten, dann besuchte sie die Mitglieder derselben, damit der große Mann ungestört seinem Studium leben konnte. Viele Reisen machte sie, um Gelder für die von meinem Vater mitbegründete Religionsgesellschaft, Unterrichtsanftalt und andere großen Werke herbeizuschaffen, und weil ihr Gatte ihr so vertrauen konnte r\bvz zb ns ntos, konnte er seine Zeit den öffentlichen Interessen des Judenthums widmen. nbvz aw: srru. An dem größten Werke ihres Mannes, an der Herausgabe des „Israelit", nahm sie hervorragenden Antheil, unzählige Artikel, viele Erzählungen hat Dr. L e h m a nn ihr erst vorgelesen, ehe er sie zum Abdruck brachte und stets beachtete er ihren vernünftigen und praktischen Rath; auch mir war sie bei der Fortführung des großen Werkes überaus förderlich, wie viele werthvolle Winke in Bezug auf die Anordnung und Redaction der einzelnen Nummern verdanke ich ihr. Wenn der Esten alle Vorzüge des Lebens geworden, so sollte ihr auch schweres, unsägliches Leio nicht erspart bleiben. Ihr größtes Kleinod, ihren höchsten Schatz, ihren Gemahl, verlor sie in den besten Jahren, es war das für sie ein Schlag, den sie nie mehr ganz überwand, und wenn unsere Weisen sagen e”s ps :ntvsP s'ps re, so gilt dieser Ausspruch hier im höchsten Maaße. Wenn auch die ganze Welt den Verlust Dr. L e h m a nn's beweint hat,so wie sie es gethan, so hat es Keiner. Vom Tage seines Heimgangs ab, sehnte sie sich nach ihm, und nun ist sie wieder mit ihm vereint '-rz: xb eres* ktts e*s*y;n: e-snsar. Das Verhält»iß zwischen ihr und ihren Kindern glich einem reinen Sonnenhimmel, kein Wölkchen trübte es, die Selbstaufopferung für ihre Kinder trieb sie bis an die Grenze des Möglichen, und wiederum suchte die Liebe ihrer Kinder jeden Schmerz von ihr fern zu halten. Bemühen wir uns, ihrem Eaelmuthe und ihrer Herzensgüte nachzueifern und unsere Kinder in ihrem Sinne erziehen, dann wird ihr Andenken ein stets gesegnetes sein. rrsxar