Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1899)
- Date
- 1899-01-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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68 mich an das Haupt der Frankfurter Polizei wenden? Wenn ich-" „Ihr habt Recht," unterbrach ihn leutselig der hohe Gast. „Verzeiht den schwarzen Verdacht, den ich in einem Augenblick der Erregung aufkommen ließ. Jedoch als Beamter ist es meine Pflicht, jede Seite einer Möglichkeit ins Auge zu fassen. Aber ich gestehe, daß eine solche Annahme unsinnig und unmöglich ist. Denkt Ihr über die Sache nach und auch ich werde das meinige thun. Aber für jetzt bin ich keiner ferneren Thätigkeit fähig. Das Vorkommniß hat mich so erregt, daß ich der Ruhe bedarf und ich denke, Ihr seid in der gleichen Lage. Ich begebe mich nach Hause und komme sofort wieder, wenn ich eine Spur entdecken sollte. Sollten aber Euere Bemühungen früher von Erfolg sein, so erwarte ich Euch bei mir. Bis wir uns jedoch wieder sprechen, ist es rathsam, daß Niemand etwas von dem Vorgefallenen erfährt. Theilt Ihr diese Ansicht?" „Vollkommen," erwiederte der Gefragte. „Nun denn Gott befohlen! Vielleicht bringen schon die nächsten Stunden einen Schimmer in dieses geheimnißvolle Dunkel! Lebt wohlbehalten, auf baldiges Wiedersehen!" Mit einem Händedruck verabschiedeten sich die beiden Männer. Rabbi Jesaja schloß seinen Schrank wieder ab, und Herr von Dingeldein ließ sich in seiner Sänfte zurückbringen, aber nicht in sein Amtszimmer, sondern in seine Wohnung, wo er die Ruhe suchte, die ihm dieser merkwürdige Vorgang geraubt hatte. VfL Herr von Dingeldein hatte das Haus des Rabbiners kaum verlassen, als die Rabbinerin in die Lernstube ihres Gatten eintrat. Seiner treuen Lebensgefährtin hätte Rabbi Jesaja gerne das Vorgefallene mitgetheilt, aber er hatte sein Wort gegeben mit Niemanden darüber zu sp echen, und dieses Wort durfte cr auch der treuesten Seele, seinem anderen Ich gegenüber nicht brechen. Die Rabbinerin strahlte vor Freude. Sie wußte weshalb ihr Mann heute früh auf die Polizei gegangen war, aber das; der Diebstahl ihrem Hanse die Ehre eines so seltenen Besuches bringen würde, darauf hatte üe nicht gerechnet. lind daß ihr Mann in einer und derselben Sänfte mit dem Stadthauptmann die Frankfurter Judengasse passirte, das setzte ihrer Freude die Krone auf. Sie war daher betroffen, als sie ihren Gatten nichts weniger als freudig erregt traf. Bevor sie all ihn eine Frage richten konnte, sagte er: „Ich sehe die ganze Gasse in einer Erregung über diesen ungewöhnlichen Besuch, schicke den Gemeilidediener zu den Leuten um sie zu beruhigen. Die Leute denken gewöhnlich an das Schlimmste, und sie haben in unserer trüben Zeit, die so reich ist an Plackereien uut» Verfolgungen, unter welchen wir Juden zil leiden haben, llicht ganz Unrecht, besorgt zu sein. Lasse ihnen also in meinem Namen sagen, es läge nichts Beunruhigendes vor." „Mit dieser Maßregel bin ich Dir schon zuvorgekommen. Die Erregung war anfänglich noch eine stärkere. Ich schickte deshalb Proßnitzer unter die versammelte Menge und ließ ihr mittheilen, der Besllch gelte nur einer Privatangelegenheit, die keine allgemeine, am wenigstell aber eine beunruhigende Bedeutung habe, worauf sich auch die Masse größtentheils sofort zerstreute. Das braucht Dich daher nicht zu betrüben, ich hätte Dich daher freudig erregt zu sehen gehofft, wegen der großen uns widerfahrenen Ehre, und doch kommt es mir vor, als ruhe ein Schatten auf Deiner Stimme." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wSeheitiich sw ei mal, Montag:» und Donnerstags« jedesmal in mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder »ierleljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der jöuchhanLel verkehrt durch tf. g. LrtpstD, fiohplatz IS. — Inserate 25 Pfennig dreispaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametbetl 7b Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband oro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Girre «üäseadmrs »** an Hi «odaRtto« ringesandten Manrrseripten findet nicht statt, man dtttot deShald, fich »sn «So» Ginsendnngrn eine «opie znrüSznbehaUen. Inhalt üvauptblatti Leitender Artikel: Zum 27. Teweth. (Schluß.') Zeitungsnachrichten "und Corresvondenzen: Deutschsand: Köln. Mülhausen. Magdeburg. Fulda. Deüerr-Ungar. Monarchie: Wien. England:; onbon. Griechenland: Korsn. Türkei: Konstanrinopel. - Literarisches. — Vermischtes. — Feuilleton:' L päte Sühne. (Fortsetzung. .Inhalt der ersten Vertage Leitender Artikel: Worte, gesprochen an der Babre von Man Acibbiner Dr. Leb mannbar'. — Zeitungsnachrichten und Eorrespoildenzen: Deutschland: Berlin. Ausland: Petersburg. Feuilleton: Verkauft. (Fortsetzung.) Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorresvondenzen: Deutschland: Hamburg. Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Extra-Beilage r Spcnden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottftraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J o y. W t r t h' schon Hofbuchdruckerei-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.