Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1899)
- Date
- 1899-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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64 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Köln, 10. Januar. Festsitzung des Vereins der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen. (Sitz: Köln). Dieselbe fand im Krystallpalast zu Köln statt unter stattlicher Betheiligung der Kollegen, Gemeindemitglieder, sowie in Anwesenheit von Vertretern des Synagogenoorstandes, der Repräsentanten und Schulkommis,'ion der Synagogengemeinde und zwar der Herren de Jonge, Dr. Apfel, B. Feilchenfelv, Jsaoc, Wildberg, sowie der Herren Rabbinen Dr. Rosenthal und Dr. Nobel—Köln und Dr. Koch —Barmen, des Kgl. Schulrathes Weißweiler, Vorsteher der hiesigen Taubstummenschule. Die Feier galt zunächst dem 1. Vorsitzenden obigen Vereins, Herrn Lehrer Goldschiüidt—Köln, dann aber allen übrigen Jubilaren des Kölner Vereins. Nachdem ein ehemaliger Schüler, Herr Nosenbaum, einen von Herrn Lehrer Mayer—Brilon verfaßten Prolog unter großem Beifall vorgetragen hatte, begrüßte Herr Lehrer Gut im Aufträge des Vorstandes die Erschienenen mit herzlichsten Worten. Nach dem gemeinschaftlich gesungenen Damengruß hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenthal die Festrede, die einen tiefen Eindruck auf die große Versammlung machte. Auch die Herren de Jonge, Wildberg, Feilchenfeld und Seminarlehrer Schwarzschilo, priesen in schönen Worten das 25-jährige Wirken des Jubilars und seiner Gemahlin. Herr Bildhauer Rosenbaum überreichte eine herrliche Marmortafel mit eingegrabener Widmung, Herr Synagogenvorsteher de Jonge eine Ehrengabe der Geureinde, Herr Sulmann ein Ehrendiplom des Vereins. Der Jubilar war sichtlich erstaunt über diese vielseitigen Ehrungen, wie er in seiner Antwort hervorhob und wies dieselbe bescheiden zurück. Nachdem der zweite Vorsitzende auch der anwesenden Jubilare gedacht hatte, — es sind die Lehrer Eckstein—Elsdorf, Wolfs—Langweiler, Cohen—Rees. Brisch—Mülheim, Jkenberg—Arnsberg und Weiler—Paderborn — sowie des wegen seiner Verdienste um den Verein zum Ehrenmitgliede ernannten Rendanten Herrn Phil. Wulf—Köln, schloß der erste, herrlich verlaufene Theil der Sitzung. Nach der kurzen Pause sprachen die Herren Seminarlehrer Schwarzschild— Köln und Herr Rabbiner Dr. Nobel—Köln in fesselnder Weise. Namens der Jubilare dankten die Herren Lehrer Wolff—Langweiler und Cohen—Rees. Lehrer Weiler—Paderborn toastete auf die Frauen und Prediger Lehrer Salomon—Bonn auf die Gäste. Mitglieder des hiesigen Lessing-Vereins erfreuten die Zuhörer durch den ausgezeichneten Vortrag einer dramatischen Scene aus „Wilhelm Tell." — Die Herren Cantor Zivi—Elberfeld, General-Agent Samuel—Düsseldorf und Lehrer Vogel—Altena verherrlichten die Feier durch klangvollen, ergreifenden Vortrag schöner Lieder. Die Reden wechselten mit gemeinschaftlich gesungenen Liedern ab, die dem Präsidenten des Vereins, den Jubilaren, den Vereinszielen und den Lehrern galten. Nachdem noch die Herren Lehrer Faber und Schneider ihrem Freunde, dem Jubilar warme Worte der Freundschaft gewidmet und Herr Sulmann dem Festleiter, Herrn Rektor Gut, den Dank der Gäste dargebracht hatten, endete die offizielle Feier. Die rituelle Verpflegung lag in den Händen der Herren Moritz Bruch und Schönbach. Mülhausen (Elsaß), 3. Januar. Das Leichenbegängniß des Herrn Ober-Rabbiner Salomon Moock fand gestern Nachmittag um halb 3 Uhr unter sehr zahlreicher Betheiligung von Seiten nicht nur der Glaubensgenossen des Verstorbenen, sondern auchAndersgläubiger, statt; auch mehrere Geistliche anderer Konfessionen hatten sich dem Zuge angeschlossen. Der Gottesdienst, der in der festlich erleuchteten Synagoge abgehalten wurde, trug einen besonderen feierlichen Charakter. Die zwei Emporen waren dicht besetzt mit Frauen und Jungfrauen, nicht minder der untere Raum. Die Responsorien, welche den Gottesdienst erösfueten, wurden von dem Herrn Vorsänger Kahn mit trefflich geschultem Tenor und von dem Kirchenchor, unter Herrn Rueffs sen. Leitung, sehr schön und würdig vorgetragen und drangen tief zu Herzen. Die Rede des Herrn Ober-Rabbiners Weill aus Colmar beleuchtete die ersprießliche und segensreiche Wirksamkeit des Verblichenen in eingehender Weise. Sre gedachte seines Pflichteifers, seiner Menschenfreundlichkeit und steten Hilfsbereitschaft, seiner wahrhaften Frömmigkeit und Glaubensfreudigteil, seiner Amtstreue, die ihn wie den Soldaten auf dem Schlachtfelde bis wenige Tage vor seinem Ende in seinem Berufe aushalten ließ, obwohl er schon seit über einem Jahre stark leidend war. — Aeußerst rührend war die theilwcise Vorlesung aus des Verstorbenen letzten schriftlichen Mahnworte und seinen sonstigen letztwilligen Verfügungen, oie er am 22. August vorigen Jahres, als er sein Ende herannahen fühlte, für seine sieben Kinder niedergeschrieben und zu deren Anhörung er sie sämmtlich um sich vereinigt hatte. In wahrhaft patriarchalischer Weise hatte darin der Familienvater seinen Nachkommen die Beachtung der Religionsvorschriften, Gottesfurcht, Nächstenliebe und Armenpflege ans Herz gelegt. Herr Ober-Rabbiner Weill gedachte sodann der reichen Wirksamkeit MoockS als Rabbiner in Thann von 1858 bis 1873, ec erinnerte an seine über alles Lob erhabene Haltung als Feldprediger im Kriege von 1870/71, sodann an seine Liebe zum Heimat-