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Der Israelit · 1899-01-12 · Heft 4 (12.1.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 4 (12.1.1899)
Date
1899-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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63 Doch zürnt er keinem dieser Reformer; im Gegentheil bittet er seinen Freund sie alle zu achten, denn sie fühlen alle den Schaden und glauben zum Heile ihrer Brüder durch ihre Reformen beizutragen; nur trauert er um sie und beweint sie ob ihres Unverstandes nicht zu merken, daß das Judenthum auf Halbheit nicht bestehen kann, daß die Enkel auch dieses Wenige noch abstreifen werden und man auf diese Weise mit mathematischer Gewißheit beinahe ausrechnen könne, wann der letzte Jude auf Erden unterginge. Diese Weise dem Gegner Hochachtung zu zollen, haben die „1.9 Briefe" wohl bedeutend mehr Wirkung erzielen lasten, als wenn Hirsch gleich mit den Worten der schärfsten Satyre sich unter seinen Zeitgenosten Feinde verschafft hätte. In seinem zwei Jahre später erschienenen Werke „Raphtule Napthali" greift er seine Gegner in ganz anderer Weise an, was selbstverständlich für diese wissenschaftliche Streitschrift nothwendig gewesen ist; doch war bereits sein Ruf durch die „19 Briefe" schon ein zu bedeutender, als daß ihm die noch gesetzestreue Judenheit nicht Beifall gespendet hätte. Auch er will, wie oben bemerkt, seine Grundsätze darlegen, wie eine Besserung möglich ist. Vor allem nicht reformiren und dadurch fortschreiten, sondern Fortschreiten durch vollkommnes Zurückkehren zur alten Thauro. Jüdische Schulen, die auf dem Boden der echten, wahren Thauroerfüllung und auf der Höhe der Zeit stehen, sind ein Hauprerforderniß hierfür. Thauro und überhaupt Tnach als Wistenschaft studirt und erst allmählich zum Talmud gelangend, dabei immer das eine, einzige Ziel im Auge behalten, aus ihnen für'S Leben zu lernen, das hält Hirsch für die einzige, wahrhafte Rettung des Judenthums. Durch den letzten Brief wird uns ein Theil der Vorrede klar und zwar die Worte „als Voranfrage wegen Herausgabe von Versuchen destelben Verfassers über Israel und feine Pflichten." Er schildert mit einer nicht zu beschreibenden Bescheidenheit, daß er durch die Herausgabe der Versuche beabsichtigen möchte alles das durchzuführen, was er in seinen Briefen nur ganz kurz angedeutet. Er glaubt kaum, daß diese Schrift viel Werth fürs Judenthum haben wird; im Gegentheil, er befürchtet, daß er vielleicht manchem Unvernünftigen schaden könne, da er sich oft in Widerspruch zu einer großen Vergangenheit setzt; doch ist er fest davon überzeugt, daß ein Körnchen Wahrheit darin enthalten sein müsse und hält es daher für seine Pflicht, diese Versuche der Oeffentlichkeit zu übergeben. — Daß diese Befürchtung unbegründet gewesen, das hat der beispiellose Erfolg dieser „Versuche" erwiesen. Er hat nicht zuerst seinen Perusch auf die Thauro geschrieben und damit der Wistenschaft einen Dienst geleistet, zuerst mußte er dem praktischen Leben seiner Brüder, das damals so sehr bedroht war. Stütze werden durch Erklärungen, Darlegungen über Gott, Mensch und Israel einerseits und die Mizwaus in ihren praktischen Ausführungen andererseits. Moriah und Chaurew nennt er die beiden Werke, von welchen er das zweite, den Chaurew „Versuche über Israels Pflichten" wiederum deßhalb zuerst erscheinen lasten möchte, weil er gefunden hat, daß das Haupt-Unheil der Mehrheit des jüd. Volkes darin bestehen, daß sie nicht miste, welche Gebote sie beobachten muß und im besten Falle solche als msbz am* rxe, unverstanden und gewohnheitsmäßig befolgt. Unter dem Namen „Moriah" ist eigentlich kein Werk Samson Raphael Hirsch's erschienen, doch enthält seine Monatsschrift „Jeschurun," die er später als hiesiger Rabbiner herausgegeben hat, alles das, was er uns mit seinem Buche „Moriah" versprochen hat. Wer je einmal einen Band dieses „Jeschurun" sich vorgenommen, der wird den Geist des Schreibers der „19 Briefe" auf jedem Blatt sofort erkennen und ist es nur zu bedauern, daß das Werk so wenig verbreitet ist; denn mögen Zeiten und Geschlechter kommen und gehen, möge das Judenthum bedeutende Männer und Meister der Feder auch in noch so großer Zahl heroorbringen: ob wieder einmal ein Mann erstehen wird, der seinem Volke einen „Jeschurun" schenkt? Wer könnte sich unterfangen, dies zu beantworten! Wir haben das Erstlingswerk Samson Raphael Hirsch's zu schildern versucht und würden uns innig freuen, wenn wir Manchen, der es bis jetzt unterlassen, veranlaßt hätten, sich einmal in das Studium der i9 Briefe zu vertiefen. Er würde sicher von den Schönheiten der Sprache und der Ausführung überwältigt werden und uns den nur schwachen Nachhall derselben gern verzeihen. Wenn aber einst in der Zukunft die späteren und spätesten Geschlechter nachforschen, woher es gekommen das große, urplötzliche Licht im 19. Jahrhundert, so werden sie ndafür danken, daß er in der Person Samson Raphael Hirschs seinem Volke das Tay geschickt, das ihm voranzog beim Auszug aus den finstern Ghettomauern zur Freiheit und ihm mit seinem Geiste auch das -rey gesandt, welches die geistige Dunkelheit im Judenthum erleuchtet hat zum Heile seines Volkes, zum Heile Israels!

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