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Der Israelit · 1899-01-09 · Heft 3 (9.1.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 3 (9.1.1899)
Date
1899-01-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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jetzt, da wir uns nun anschließen an Staat und Gesellschaft, da wir aus der Höhe der Zeit und Bildung stehend, fördern helfen Wohl und Heil des Staates, wenn wir nun heute unsere Thauro, für deren Erhaltung die Väter gekämpft und geblutet, voll und ganz erfüllen und dadurch der Menschheit zeigen möchten, wie jeder Jude und jede Jüdin mit der Thauro im Arm Priester und Priesterin der Menschheit würden; welches höhere Ideal könnten wir uns denken und wünschen?!"-Wir können vielleicht schon aus diesen kurzen Andeutungen erkennen, wie Ben Uste! in uns, durch Hinweis auf die wunderbare Erhaltung des Judenthums, die Begeisterung für dasselbe erwecken will, wie er alles, den Staat und alle sozialen Einrichtungen in Beziehuung zum Judenrhum dringt; wie er seinen Freund langsam Stufe für Stufe hinaufführt zur Thauro, um einen begeisterten, strenggläubigen Juden aus ihm zu machen: Er fängt nicht an ihn zuerst durch den Schulchan- Aruch mit den Gesetzcsvorschciften bekannt zu machen, sondern er bringt ihm durch die Erzählung der Geschichte des Judenthums und durch die Darlegung der Mission Israels dieses Juoenthum und ferne Thauro menschlich näher, entlockt ihm Begristerungsrufe für die Helden unserer Geschichte und führt hierdurch diesen rrrenoen Jüngling zur Thauro zurück. Benjamin, durch die machtvolle Sprache von der Wahrheit des Judenthums überzeugt, glüht für seinen Glauben, dessen einzelne Vorschriften er jedoch noch nicht kennt. Wie lehrt ihn nun Ben Usiel die einzelnen Psl-.chten der Thauro, wie läßt er sie dem Jüngling mcht als unüberbrückbare Kluft erscheinen; wie widerlegt er vor Allem die Anklage: Die Mizwaus sind nur meist unverstandene, leere Cercmonien, wre zeigt er ihm, welche Wirksamkeit sie ausübn können und sollen. Durch den Jahrhunderte dauernden Druck war leider zuletzt in tun meisten Fällen nur das unerkannte, äußere Judenthum übrig geblieben, der Geist der Mizwaus jedoch meistens verloren gegangen, viele Mrzwaus mehr mechanische Uebungen geworden und daher von io vielen sich aeistrg Hochdünkenden, als nicht mehr p rffend für das 19. Jahrhundert, längst über Bord geworfen. Benjamin möge einmal alles bis sitzt darüber gehörte veraess n und sich seiner Führung überluffen. — Alle M zwaus führte er zurück auf die Lehre, die er schon anfangs angedeutel: Der Mensch muß sich überall als sittlich freier Mensch fühlen, überall Gerechtigkeit und Liebe üben, mit Allem und gegen Alles. Israel im Besonderen hat seine Mission, die Gottesidee weiter durch die Menschheit zu tragen, zu bethätigen und demgemäß theilt Hirsch die Gebote in folgende sechs Abtheilungen: ThaurauS; Mischpotim; Chukim; Mizwaus; Edaus; Awaudoh. Wir sehen hier wiederum eine I Besonderheit des Verfassers betreffs der Eintheilung der Gesetze, von der sonst üblichen Eintheilung in Tiiry und nsryn sh rrsc abzuweichen. Man könnte vielleicht H.'s Grund zu dieser Eintheilung darin zu erkennen glauben, daß er Benjamin, der bis jetzt kein gläubiger Jude war, in erster Linie mit der Thauroh befreunden wollte, ihm sie also noch mehr vollständig aus Gerechtigkeit und Liebe ausgebaut darstellen wollte, als dies einem g e s e tz e s - treuen jungen Manne gegenüber nothwendig gewesen wäre, weil für letzteren die Existenz der 613 Gesetzesparagraphen schon genügt, um dieselben zur unbedingten Pflicht für ihn zu machen. Außerdem wollte er dieselben in Klaffen eintheilen, welche nicht das Aeußere des Gebotes, sondern die Bestimmung der Mizwaus rubriziren sollen. Beispielsweise bringt er Me su saus, Mil oh und Maas raus unter die Kategorie „Edauß"; Mizwaus, die so verschiedenartig sind, die in unserem Schulchan Aruch ganz getrennt behandelt werden, die Bestimmung von Miloh, Weihe des Körpers; die von Mesussoh, Weihe des Hauses; endlich Maasraus, Weihe des Ertrags, auf diese Weise auf den Ursprung zurückgeführt: Gott all sein Hab und Gut und sich selbst, mit der ganzen Liebe deren man fähig ist, zu weihen. Die Thauraus sollen uns vor allem die geschichtlich offenbarten Wahrheiten, und dadurch den Glauben an einen Gott als Gesetzgeber und uns selbst als Gottes Diener zu betrachten lehren, sollen uns gleichzeitig zeigen, wie wir dies nur werden können, wenn unser Charakter gefestigt ist. Jedoch würden diese Theorien allein praktisch niemals durchzusühren sein, ohne daß uns Mischpotim, in erster Reche Lehren der Gerechtigkeit gegen den Mitbruder, gegeben worden wären. In jedem Menschen sollen wir das Ebenbild Gottes sehen und ihn darnach behandeln; nicht, daß man aus einem von Menschen verfaßten bürgerlichen oder anderen Gesetzbuch über seine Mitmenschen richte, sondern daß mau Barmherzigkeit da übe oder Strafe da walten lasse, wo Gott sie verschreibt. Wie Mischpotim die Pflichten gegen den Menschenbruder behandeln, von welchen ja Viele auch von unseren nichtjüdijchen Brüdern beobachtet werden, so lehren uns Chukim, wie wir allen Wesen, welche unter dem Menschen stehen, dieselbe Gerechtigkeit angedeihen lassen müssen, wie unseren Mitmenschen. Nicht nur die Thiere, auch den Boden und alle seine Pflanzen und außerdem vor allem unser eigenes Ich, nicht als uns gehörig, sondern als Gottes Geschöpfe zu betrachten. Diese Gebote sind in erster Reihe Jisrocl gegeben, da die Nothwendigkeit dieser Bestimmungen auf den ersten Augenblick nicht klar ersichtlich ist. Wir können uns in die Seele unseres Milbruders sehr wohl hineinfühlen.

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